Selbstverteidigung – Welche Waffen und Mittel sind in Deutschland erlaubt ?

Selbstverteidigungswaffen

Aktuelle Kriminalstatistiken zeigen, dass auf der einen Seite die Gewaltstraftaten zwar zurückgehen, auf der anderen Seite die Täter aber immer brutaler und rücksichtsloser vorgehen. Um dieser zunehmenden Verrohung zu begegnen, sollten Bürger die wenigen Möglichkeiten, die ihnen der Staat erlaubt sich gegen Gewalt selbst zu schützen, auch nutzen.

Das Recht auf Selbstverteidigung

Das im § 32 Abs. 2 StGB verankerte Notwehrrecht erlaubt es deutschen Bürgern erforderliche Verteidigungsmaßnahmen zu ergreifen, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden. Das Notwehrrecht hat jedoch Grenzen, denn nicht jede Notwehr rechtfertigt das eingesetzte Mittel.

Verbotene Selbstverteidigungswaffen in Deutschland

SelbstverteidigungLegaler Waffenbesitz ist in Deutschland nur wenigen Menschen erlaubt. Hierzu zählen Personen die von der zuständigen Waffenbehörde entweder einen großen oder kleinen Waffenschein oder eine Waffenbesitzkarte (WBK) erhalten haben. Die WBK wird Sportschützen und Waffensammlern erteilt. Der im April 2003 eingeführte kleine Waffenschein erlaubt den Besitz von SRS-Waffen oder PTB-Waffen, z. B. Schreckschusspistolen, Reizstoffwaffen oder Signalwaffen.

Diese Waffen sind aber für eine Selbstverteidigung weniger gut geeignet, da sie außerhalb der eigenen Wohnung nur ungeladen mitgeführt werden dürfen. Außerdem ist in Deutschland das Mitführen bestimmter Waffen, selbst wenn diese der Selbstverteidigung dienen, streng verboten. Dazu zählen laut Anlage 2 des § 2 Abs. 2 bis 4 Waffengesetz, Maschinengewehr und -pistole, Nunchakus, Schlagring, Wurfstern, aber auch Butterflymesser, Fallmesser, feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm, getarnte Waffen (z. B. Stockdegen) und nicht zugelassene Reizstoffsprühgeräte und Elektroschockgeräte. Wer mit einer solchen Waffe erwischt wird oder sie zwecks Selbstverteidigung einsetzt riskiert hohe Strafen. Doch es gibt auch erlaubte Selbstverteidigungswaffen.

Erlaubte Selbstverteidigungswaffen in Deutschland

In Deutschland ist Erwerb und Besitz „erlaubnisfreier Waffen“ zugelassen. Doch bereits das Mitführen solcher Waffen ist wieder an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Der Waffenbesitzer oder -Träger muss, mit wenigen Ausnahmen, mindestens 18 Jahre alt sein. Darüber hinaus dürfen einige dieser Waffen in der Öffentlichkeit nicht ohne Waffenschein und bei öffentlichen Veranstaltungen überhaupt nicht mitgeführt werden.

Pfefferspray / CS-Gas

In Deutschland erlaubte Pfeffersprays müssen als „Mittel zur Tierabwehr“ gekennzeichnet sein und sind grundsätzlich auch nur zur Abwehr von aggressiven Tieren, wie z. B. Hunden gedacht. Pfefferspraydosen ohne diese Kennzeichnung gelten als verbotene Gegenstände, ihr Mitführen ist daher ist strafbewehrt. Der Einsatz von Pfefferspray gegen Menschen ist verboten bzw. nur in einer Notwehrsituation gerechtfertigt. Der Erwerb und Besitz von CS-Gas ist zwar ebenfalls erlaubnisfrei. CS-Gas ist zur Abwehr von Tierangriffen aber weniger gut geeignet. Auch sind ca. 20 % der Menschen gegen den Wirkstoff entweder immun oder kaum anfällig. CS-Gas darf außerdem bei öffentlichen Veranstaltungen nicht mitgeführt werden. CS-Gas und Pfefferspray kann man hier zum Beispiel frei erwerben.

Schlagstöcke / Teleskopschlagstöcke

Diese Hiebwaffen aus Metall, Holz oder Gummi sollen den Angreifer durch gezielte Schläge kampfunfähig machen. Schlagstöcke, jedoch keine Totschläger und Stahlruten, können in Deutschland legal erworben werden. Der Besitz ist nicht strafbar. Das Mitführen in der Öffentlichkeit hingegen schon, daher ist er allenfalls als Verteidigungswaffe in den eigenen vier Wänden geeignet. Schlagstöcke gibt es in verschiedenen Varianten. Die einfache Variante ist einem Baseballschläger ähnlich.

Bei der Tonfa handelt es sich um einen geraden Schlagstock mit einem rechtwinklig angesetzten Griff. Diese Variante ist aber der Polizei vorbehalten. Der ausziehbare Teleskopschlagstock ist in Deutschland zwar erlaubt, wird aber als Waffe eingestuft und darf daher nur von volljährigen Personen erworben werden. Er ist eine unauffällige Verteidigungswaffe, da er eingezogen nur etwa ein Drittel seiner ausziehbaren Länge von 40 bis 75 cm misst. Ein Mitführen in der Öffentlichkeit ist mit wenigen Ausnahmen (z. B. zur Berufsausübung oder bei Sportveranstaltungen) jedoch nicht gestattet. Teleskopschlagstöcke werden von mehreren Landespolizeien und der Bundespolizei im Dienst eingesetzt.

Hochleistungstaschenlampen

Diese Taschenlampen können neben ihrer eigentlichen Funktion als Lichtquelle auch in Selbstverteidigungssituationen gute Dienste leisten. Durch ihre starke Blendwirkung führen sie bei Angreifern vorübergehend zu erheblichen Sehbeeinträchtigungen oder zur Desorientierung, sodass der Angegriffene genügend Zeit zur Flucht hat. Alternativ können die stabilen Taschenlampen aber auch als Schlagstock eingesetzt werden. Seitens des Waffenrechts gibt es keinerlei Einschränkungen für den Erwerb, Besitz oder den Einsatz von Hochleistungstaschenlampen.

Kubotan

Bei dieser Selbstverteidigungswaffe handelt es sich um einen kurzen Stock aus Kunststoff, Aluminium oder Holz zur Schlagkraftverstärkung. Beim Tragen in der Hand steht er auf beiden Seiten ein wenig über. Die Enden sind entweder flach, rund oder spitz. Ursprünglich als Schlüsselanhänger entwickelt, wird er auch oft noch als solcher verwendet. Obwohl der Kubotan als Hieb- und Stoßwaffe eingesetzt werden kann, wurde er nicht als solche eingestuft und kann daher in Deutschland legal erworben (auch ohne Altersnachweis) und auch mitgeführt werden. Er unterliegt nicht dem deutschen Waffengesetz. Eine spezielle Variante des Kubotan ist der Tactical Pen.

Tactical Pen

Bei dieser Selbstverteidigungswaffe handelt es sich um einen Kugelschreiber aus einem äußerst robusten Aluminium- oder Edelstahlgehäuse. In erster Linie wird der Tactical Pen als Schreibgerät eingesetzt. Er ist aber auch eine effektive und schnell griffbereite Verteidigungswaffe, um Angreifer abzuwehren. Manche Tactical Pen verfügen über einen Glasbrecher, was etwa bei Autounfällen, sollten die Türen klemmen, sehr hilfreich sein kann. Der Tactical Pen zählt im deutschen Waffengesetz nicht zu den Hieb- und Stichwaffen und ist daher auch kein verbotener Gegenstand. Er kann ohne Einschränkungen erworben und überall mitgeführt werden.

Selbstverteidigungsschirm

Der Selbstverteidigungsschirm unterscheidet sich von herkömmlichen Schirmen durch seine höhere Stabilität. Er kann mit entsprechenden Schlag-, Stoß-, Stich- und Hebeltechniken als Allzweckwaffe gegen körperliche Angriffe, aber auch als Regenschirm eingesetzt werden. Im Sommer wird aber wohl niemand einen solchen Schirm mit sich herumschleppen, es sei denn als Sonnenschirm. Die Verwendung dieser Schirme ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit legal, da sie grundsätzlich als Gebrauchsgegenstand und nicht als Waffe eingestuft werden. Selbstverteidigungsschirme können somit überall mitgeführt werden, sogar auf Flughäfen.

Fazit:

Im Rahmen einer Notwehr gilt grundsätzlich immer die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Wenn im Falle eines Angriffs keine Möglichkeit besteht zu fliehen, ist Selbstverteidigung das einzige Mittel zum Selbstschutz, kann aber auch gefährlich sein. Die Gefahr, dass der Angreifer durch den Einsatz einer Waffe noch mehr provoziert wird, darf nicht unterschätzt werden. Auch könnte der Angreifer die Waffe an sich reißen und dann selbst gegen das Opfer verwenden.

Bei jeder gewaltsamen Auseinandersetzung steigt auch die eigene Verletzungsgefahr und endet, z. B. bei Messerangriffen, im schlimmsten Fall sogar mit dem Tod. In einer Notwehrsituation muss daher das bestehende Gefahrenpotenzial richtig eingeschätzt und schnell entschieden werden, ob Verteidigung oder Flucht das bessere Mittel ist. Die oben aufgeführten Selbstverteidigungswaffen sollten jedenfalls ohne Vorkenntnisse und regelmäßiges Training nicht eingesetzt werden. Hilfreich ist auch der Besuch eines Selbstverteidigungskurses oder das Trainieren einer Kampfsportart.

Wer aber mit wenig Aufwand ein Grundmaß an Sicherheit erlangen will, sollte einen Kubotan dabei haben. Mithilfe dieser Verteidigungswaffe können auch ungeübte Personen, selbst körperlich überlegene Angreifer, erfolgreich abwehren. Der durch einen gezielten Schlag insbesondere auf Nervenpunkte oder Muskeln ausgelöste hohe Schmerzreiz veranlasst den Angreifer, für einen kurzen Moment seinen Angriff zu unterbrechen, wodurch sich für den Angegriffenen eine Möglichkeit zur Flucht ergibt.

Ein weiterer Vorteil des Kubotan ist sein geringes Gewicht und die kleinen Abmessungen, alles Eigenschaften die ein unauffälliges Mitführen im Alltag erleichtern. Nicht eingesetzt werden sollte der Kubotan zur Abwehr aggressiver Tiere. Für diesen Fall ist die Mitnahme von Pfefferspray oder eines kombinierten Modells (Schlagkraftverstärker mit integriertem Pfefferspray) besser geeignet.

Fotos: pixabay.com

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