| Wir müssen unsere Lebensweise ändern Interview mit Jobst Eggert (Chefredakteur der Tierrechtsorganisation PETA) |
|---|
Jörg Joachim: Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland ist allseits bekannt, dennoch ganz kurz, wofür steht PETA und was ist Ihre Funktion, Jobst?
Jobst Eggert: PETA steht für People for the Ethical Treatment of Animals, also Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren. Unser einfaches Credo ist: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, sie tragen, mit ihnen Versuche machen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Als Chefredakteur bin ich verantwortlich für Koordination und Inhalt aller Publikationen (insbes. online), die wir veröffentlichen. JJ: Verschiedenste Aktionen von PETA hat sicher jeder schon direkt oder in den Massenmedien mitbekommen. Der Burgsee-Kurier berichtete beispielsweise mal über die Moderatorin Tina Kaiser mitten in München, mitten im Sommer in einem Pelz, in einem viel zu kleinen Käfig. Was bringen solche Aktionen, über welche Erfolge von PETA können Sie berichten? Jobst Eggert: Unser Ziel ist es Menschen zum Nachdenken über Ihr Verhältnis zu Tieren zu bringen. Wir verstehen uns wie eine Werbeagentur. Das Produkt, das wir „verkaufen“ wollen, ist Mitgefühl. Leider ist es so, dass in vielen Bereichen des Lebens die Nutzung von Tieren als vollkommen normal und natürlich angesehen wird. Wir suchen bei unseren Aktionen, Promi-Motiven oder Undercover-Recherchen immer nach Punkten, um Menschen daran zu erinnern, dass ihre täglichen Kauf- und Ess-Entscheidungen einen Einfluss auf das Leben von Tieren haben. Ein Pelzmantel ist dann kein Kleidungsstück mehr, sondern die Haut eines Tieres, das dafür qualvoll getötet wurde. Ein Schnitzel ist dann kein Lebensmittel, sondern das Fleisch eines Tieres, das in Massentierhaltung gequält und grausam getötet wurde. JJ: Tierschützern und Gegnern der Massentierhaltung wird oft romantische Träumerei vorgeworfen. Was denken Sie, ist die Massentierhaltung wirklich nötig für die Ernährung der Menschen? Was richtet sie tatsächlich global an? Jobst Eggert: Die Tierwirtschaft und damit der Konsum tierischer Produkte ist laut UN ein Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit. Die Welthungerproblematik, der Klimawandel und die Trinkwasserknappheit, die alle stark durch die Tierwirtschaft bedingt sind, sind Anzeichen dafür, dass wir unsere Lebensweise verändern müssen – und der beste und einfachste Weg ist eine rein pflanzliche Ernährung. Selbst wenn man kein besonders ausgeprägtes Mitgefühl für Tiere hat, macht der Schritt zu einer veganen Ernährung einfach Sinn. JJ: Jobst, Sie selbst ernähren sich seit vielen Jahren vegan. Gab es einen konkreten Anlass? Jobst Eggert: Wie viele vegan lebende Menschen habe ich mich aus ethischen Gründen vorher vegetarisch ernährt. Ich wollte einfach nicht, dass für meine „Lebensmittel“ Tiere getötet werden. Wenn man sich ernsthaft mit der Thematik beschäftigt und lernt, welche unvorstellbare Grausamkeit gerade auch in der Milchindustrie herrscht, dann ist der Schritt zu einer konsequent tierfreundlichen, also veganen Ernährung mehr als logisch. Als Tierfreund kann ich es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dass in meinem Auftrag Kühe künstlich schwanger gehalten werden, damit sie Milch produzieren, die eigentlich für ihre Kälber gedacht ist – diese aber bereits nach ein paar Monaten qualvollen Lebens direkt zu Kalbfleisch verarbeitet werden. JJ: Was sollten aus Ihrer Sicht die politisch Verantwortlichen in Deutschland und Europa (bezüglich der Massentierhaltung) tun, und was wünschen Sie sich von den Inhabern von Massentierhaltungsbetrieben (einfach schließen)? Jobst Eggert: Die Intensivtierhaltung ist sicherlich die offensichtlichste Form von Tierquälerei. Besonders grotesk ist, dass genau diese wirtschaftlichen Betriebe noch von öffentlicher Hand aus finanziell unterstützt werden. Ein gutes Beispiel ist der geplante Riesenschlachthof in Wietze (Niedersachsen), in dem laut Planung 2,7 Millionen Hühner pro Woche (!!!!) getötet werden sollen. Dieses ohnehin schon absurde Projekt wurde mit 6,5 Millionen Euro Steuergeldern subventioniert. JJ: Lassen Sie uns zum Schluss persönlich werden, Jobst, was fühlen Sie, wenn Sie die sogenannten Nutztiere leiden sehen? Jobst Eggert: Für mich ist der Blick in die Augen eines Schweins oder einer Kuh ebenso ergreifend wie der in die Augen von Hündin Gina, mit der ich meine Wohnung teile. Schmerz, Trauer, aber auch Freude empfinden eben nicht nur so genannte Haustiere und erst Recht nicht nur Menschen. JJ: Danke Jobst. |
| Foto: privat |
| zurück |
|---|
| Impressum |