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Man schämt sich, Mensch zu sein
Bild wird geladen... Sharon von Wietersheim ist eine sehr renommierte Drehbuchautorin und Regisseurin (http://www.sharonvonwietersheim.com) . Zudem kümmert sie sich sehr engagiert und sehr erfolgreich für Hunde, die ohne die Münchnerin nicht mehr lange leben würden. „Wir sind ein junger Verein, konnten aber in den letzten sieben Monaten zwischen 80 und 90 Tiere vor der Tötung retten“, zieht sie eine Zwischenbilanz des von ihr gegründeten Vereins Lucky Dogs e.V. (http://www.lucky-dogs.de). Wenngleich dies ein beeindruckender Erfolg ist, besonders für jeden einzelnen Vierbeiner, sieht Sharon von Wietersheim keinen Grund innezuhalten. „Wir brauchen mehr Pflegeplätze und dringend Spenden“, blickt sie den nächsten Aufgaben entgegen. Bei all dem sieht die unermüdliche Frau sich im ureigensten Sinn nicht als Tierschützerin, sondern vielmehr als ethisch denkender und fühlender Mensch.

Burgsee-Kurier Redakteur Jörg Joachim fragte deshalb unter anderem nach ihrer Einstellung zu Massentierhaltung und fleischlicher Ernährung:

Interview mit Sharon von Wietersheim

Jörg Joachim: Frau von Wietersheim, Sie haben als Schauspielerin gearbeitet, sind nun seit einiger Zeit  als Drehbuchautorin und  Regisseurin sehr erfolgreich und preisgekrönt. Sind das völlig verschiedene Jobs, andere Sichtweisen, und  was bereitet Ihnen bei den jeweiligen Tätigkeiten den meisten Spass?

Sharon von Wietersheim: Alles hat mit Kreativität zu tun. Da ich nicht so gern im Mittelpunkt stehe, bereitet mir die Arbeit hinter der Kamera mehr  Spass. Mit dem Drehbuchschreiben kann man sich eigene, neue Welten erschaffen. Diese Welten sind für mich schöner und lebenswerter als die Realität. Sie ist humaner, tierfreundlicher und die Menschen sind Wesen, die lernfähig sind und sich nach dem Guten sehnen. In Filmen werden immer noch Werte vermittelt. Diese sind in der Realität kaum noch vorhanden. 

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 JJ: Unser Onlinemagazin gestaltet eine Ausgabe unter der Thematik Massentierhaltung/fleischlose Ernährung. Ernähren Sie sich vegetarisch oder vegan, wenn ja, warum, gab es einen konkreten Anlass?

Sharon von Wietersheim: Es gibt ein sehr gutes Buch. Unsere Nahrung - unser Schicksal von Prof. Brucker. Ich habe es nach Tschernobyl gekauft,  weil ich Angst um meine Kinder hatte. Ich war verunsichert und wollte sie richtig ernähren. Seitdem gibt es in unserem  Haus kein Auszugsmehl und keinen Zucker. Wir essen nur pure Lebensmittel. Wir kaufen Naturjoghurt und schneiden frische Früchte hinein.Wir essen keine Fertigprodukte und keine Fertigsoßen.
Wir machen alles selbst, sogar unsere Marmelade. Wir verwenden Bioobst und Biogelierzucker. Es schmeckt himmlisch und wir wissen, dass da keine  Konservierungsstoffe drinnen sind. In dem Buch erfährt man, dass fast alle "Zivilisationskrankheiten" wie Diabetes, Gicht, Magengeschwüre, Übergewicht, etc., durch falsche Ernährung verursacht werden.
Ich selbst bin Vegetarier und fast schon Veganer. Die Massentierhaltung und die Massentiertransporte verurteile ich auf   das Schärfste. Sie dürften in unserer heutigen Zeit nicht vorkommen. Es ist unverantwortlich, wie die Tiere gehalten und getötet werden. Noch unverantwortlicher ist es, dass 40 % des Fleisches gar nicht verwendet sondern weggeschmissen   wird. So ein Verhalten ist lebens- und tierverachtend. Zitat: Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben (Leo Tolstoi).
So wie  der Umgang mit der Natur und den Tieren immer mehr verkommt, so sehr verkommen auch die ethischen Werte bei den  Menschen. Jeder Mensch, der Fleisch und Wurst isst, sollte das bewusst tun. Er sollte in einen Schlachthof gehen und  sehen, was da passiert. Die Menschen würden aus Respekt dem Leben gegenüber anders mit dem Konsum von Fleisch  und Wurstwaren umgehen. 
Durch den Tod meiner Mutter verursacht, fand bei mir eine große Bewusstseinsveränderung statt. Ich liebe Tiere und habe deshalb beschlossen, dass wegen mir kein einziges Tier auf der Welt mehr getötet werden muss. Ich habe hervorragende Werte und fühle mich mit meiner Ernährung, die vor allem auf Gemüse und Obst basiert, pudelwohl.  Mein Körper dankt es mir, keine Tierkadaver verdauen zu müssen. Auch halte ich mein Gewicht von 55 Kilo bei 1,70 Meter ohne Probleme. Steigt man mehr in die Materie ein, weiß man, dass auch alle Philosophen Vegetarier waren. Die Reinheit der Gedanken kommt auch über die Reinheit der Lebensmittel, die man zu sich nimmt. Es heißt ja auch Lebensmittel und nicht Todesmittel. Abgesehen von den ganzen Nebensubstanzen, die billiges Fleisch enthält, wie Antibiotikum, Hormone, etc. Sie führen zu schlimmen Krankheiten. 

 JJ: Fühlen Sie sich, wenn Sie Essen gehen oder hier und da ein Catering in Anspruch nehmen, als Vegetarierin/Veganerin gut bedient?

Sharon von Wietersheim: Es geht. Ich versorge mich inzwischen eh lieber selbst. Da weiß ich, was ich habe. Und wenn ich reise, finde ich schon was. Im Flieger ist das vegetarische Essen eh meist das Bessere. 

JJ: Fühlen Sie sich vollwertig und gesund ernährt, Frau von Wietersheim?

Sharon von Wietersheim: Absolut. Meine Werte sind sensationell und ich bin mit meiner Haut, meiner Figur, meinen Haaren und meiner Vitalität sehr zufrieden. Ich fühle mich innerlich rein und könnte nichts Totes mehr essen. Inzwischen esse ich auch kaum mehr Fisch. Ich ersetze Milch durch Soja, weil auch die Milchproduktion so nicht mehr hinzunehmen ist und ich nicht aufgrund von Milch die Hormone in mich aufnehmen möchte, die in die Kuh hineingepumpt werden, damit sie überhaupt Milch geben kann. Man muss sich mal vorstellen: der Mensch ist das einzige Wesen, das einem anderem Wesen, in diesem Falle einem kleinen Kälbchen, das die Milch zum Heranreifen braucht, wegtrinkt.
Außerdem sind Milch und Milchprodukte für ausgewachsene Menschen nicht gut. Milch ist äußerst nahrhaft und führt zur Zellteilung. (Deshalb wachsen Babys und Babytiere ja auch so schnell). Eine schnelle Zellteilung ist für Patienten mit Krebs aber total kontraproduktiv. 

JJ: Sicher sehen Sie manchmal Bilder, lesen oder hören, wie es in Betrieben der Massentierhaltung zu geht. Was denken Sie darüber, wie fühlen Sie dabei?

Sharon von Wietersheim: Ich engagiere mich und arbeite dagegen auch politisch an. Ich kläre auf und mache die Menschen auf die Folgen aufmerksam. Leider ist die Verdrängung hier sehr groß. Jeder sagt: „Ich will gar nicht wissen, wie die Tiere gehalten, transportiert oder geschlachtet werden.“ Ich erwidere dann: „Wenn du das Fleisch isst, solltest du wissen, woher es kommt und was passiert, damit es bei dir auf dem Teller liegt.“
Da es nun in EU Ländern aufgrund der bevorstehenden Fußball-EM in Polen und der Ukraine zu erhöhten Massentötungen kommt und gekommen ist, hat Lucky Dogs sich des öfteren an den FC Bayern gewandt, nachdem Herr Platini (Präsident der Union of European Football Associations - UEFA) aufgrund der vielen Straßentiere geäußert hat, dass die Länder, in denen der Fußball ausgetragen wird, gesäubert werden müssen. Bis heute habe ich keine Antwort erhalten. 

JJ: Ist die Situation in den USA aus Ihrer Sicht vergleichbar?

Sharon von Wietersheim: Es ist überall gleich schlimm. In Amerika werden 34 Millionen Hunde pro Jahr vergast, in den EU Ländern elf Millionen Straßentiere und weltweit sind es 110 Millionen pro Jahr. Man schämt sich, Mensch zu sein.

JJ: Vielen Dank, Frau von Wietersheim.

Weitere Informationen: http://www.lucky-dogs.de
http://www.sharonvonwietersheim.com

Fotos: http://www.lucky-dogs.de

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