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Wer will heute noch Huhn sein?
Bild wird geladen... Was waren das Zeiten, als die Hühner auf der Wiese nach Würmern scharrten. Oder nach dem einen oder anderen Korn, das der Bauer verlor, während er mit einem Sack Weizen auf der Schulter durchs Gras stapfte. Und wie gut hatte es erst noch der Hahn, alleine mit zehn Hennen …. Gefährlich wurde es allemal bei Nacht und Nebel, wenn der Wachhund schlief und ein Rotrock namens Reinecke Einlass in den Stall suchte.

Das ist grausam

„Heutzutage will doch niemand mehr Huhn sein“, erinnert sich Sarah Forkert an die guten, alten Zeiten, „klar wurden ihnen auch damals die Eier abgenommen, klar landeten sie irgendwann im Kochtopf, aber wenigstens bis dahin hatten sie ein glückliches Leben.“ Die junge Frau aus der hessischen Rhön, im Einzelhandel arbeitend und gerne nebenbei als Model tätig, hat Fleisch zwar noch nie in Massen gegessen, aber zeitweise ganz gerne mal das vom Hähnchen. Seit sie indes weiß, wie grausam die Zustände in Massentierhaltungsbetrieben sind, lässt sie Finger und Gaumen weit davon. „Das ist doch grausam!“, schimpft sie und denkt dabei an gezüchtete Tiere, die ihr eigenes Gewicht nicht tragen können, deren Herz zu klein für das rasante Wachstum ist, die auf engstem Raum dahinsiechend nie Tageslicht sehen und jung sterben müssen.

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Man kann nie wissen

Als Kind ist Sarah unter und mit Tieren aufgewachsen, war oft bei den Großeltern auf dem Dorf und ging in eine Schule, wo das Zusammenleben mit Eseln, Pferden oder Hühnern in der Natur zum Alltag gehörte. Bis heute lebt sie mit Katzen und Degus in einem Haus und liebt das Reiten auf dem Wallach Chamuer.

Als der noch kleinen Sarah jemand erzählte, sie könne nie wissen, ob das, was sie gerade isst, vom Pferd sei, nahmen die Dinge ihren Lauf. Da sie Fleisch nie als „prickelnd“ empfand, fiel ihr nicht sonderlich schwer, darauf zu verzichten. Da ihre Mutter überzeugte Veganerin ist, gab es von Seiten des Elternhauses eh kein Problem. Wenngleich die Fuldaerin zwischenzeitlich immer wieder mal Fleisch oder meist Fisch aß, verzichtet sie mittlerweile konsequent auf beides. Eier- oder Milchprodukte landen zwar auf ihrem Tisch, „aber nur aus garantierter Bioproduktion oder direkt vom Bauern um die Ecke“, betont sie.

Im direkten Umfeld findet Sarah Forkert rundum Akzeptanz. „Beim traditionellen Sushi-Essen, das ich selbst mal initiiert habe und organisiere, greife ich nur zu den Salaten und dem Gemüse und alle tolerieren das. Mein Freundes- und Familienkreis stellt sich sogar darauf ein und nimmt viel Rücksicht“, weiß sie zu berichten. Aber auch sie fühlt sich nicht in der Rolle, andere Menschen bekehren zu müssen. „Wer selbst mal Fleisch gegessen hat, kann nun nicht vorwurfsvoll pfui, du isst so was rufen!“, zeigt Sarah sich realistisch und fair.

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So was nicht erlauben

Gleichwohl sieht sie den Konsumenten in der Pflicht. „Wenn keiner Schnitzel, Roulade, Schweinebraten oder Wurst verzehrt, gibt es auch keine Massentierhaltung“, gibt sie zu bedenken, und fügt an: „Die Politik sehe ich genauso im Zugzwang. Wie kann man so was erlauben? Und die Medien müssen berichten und informieren, nicht nur über Skandale“.

Sarah, die Avocados, mit Zwiebel gebratene Nudeln oder Baguette mit Olivenöl mag, und „schreckliche Trauer, Wut und Ekel“ empfindet, wenn sie Berichte über Massentierhaltung sieht, würde sich von der Fee, würde es sie geben, eine Welt wünschen, „in der Kühe auf der Wiese stehen und Schweine im Erdboden wühlen, in der es kein Ei zu essen gibt, wenn das Huhn nun mal keins gelegt hat“ – und in der Tiere, die krank oder schwach seien, nicht mit einem Fußtritt beiseite gekickt, sondern vom Tierarzt behandelt werden. „Wo ist das Problem???“, fragt die junge Frau aus dem Herzen der Rhön und möchte gerne Antwort.

Jörg Joachim im Gespräch mit Sarah Forkert

Weitere Informationen: http://www.burgseekurier.de/ausgabe_13/html/artikel_2.htm

Fotos: Christian Reinhardt

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