Titelseite Titelstory Aktuelles Ratgeber Leserbriefe Das Team Kontakt

„Vegane Küche ist abwechslungsreich“
Bild wird geladen... Jörg Joachim: Björn, du hast gerade dein eigenes veganes Restaurant in Berlin eröffnet. Erzähle uns doch ein bisschen darüber.

Björn Moschinski: Die Idee, beziehungsweise der Traum, entstand schon vor zehn Jahren. Ich wollte immer ein eigenes Restaurant eröffnen, um der breiten Gesellschaft zu beweisen, dass die vegane Küche weder fad noch einfallslos ist. Ich kam erst vor knapp drei Jahren nach Berlin, um hier ein veganes Restaurant in der Position des Chefkochs aufzubauen. Leider funktionierte die Zusammenarbeit mit dem Betreiber nicht so wie ich erhoffte und daher entschied ich mich, nach nur eineinhalb Jahren auszusteigen, um meine eigenen Projekte zu realisieren. Berlin hat viele Stadtteile, in denen vegane Restaurants erfolgreich existieren könnten, aber mir gefiel schon immer der Gedanke, ein Restaurant in Mitte zu eröffnen. Mit meinen beiden Geschäftspartnern, Gastronomen aus Mitte, suchten wir nach einem geeigneten Lokal, welches wir in der attraktiven Linienstraße direkt am Koppenplatz fanden. Ja, daher resultiert auch der Name des Restaurants: „Kopps“.

JJ: Wie können wir uns deine Gäste vorstellen, sind sie altersmäßig bunt gemischt, sind es Ökos, überzeugte Veganer, Neugierige, oder geht es manchen um den Lifestyle?

Björn Moschinski: Das Tolle an unseren Gästen ist, dass sie bunt gemischt sind. Wir haben viele ältere Herrschaften, junges Szenepublikum, Familien, Geschäftsleute, ... eben bunt gemischt.

JJ: Du hast ein Buch(„vegan kochen für alle“) über veganes Kochen geschrieben, Björn. Da ich selbst, seit ich mich fleischlos ernähre, sehr oft vor den Fragen stehe: was esse ich heute wieder, was könnte ich mir zu den Thüringer Klößen und dem Rotkohl auf den Teller legen, kann ich mir vorstellen, dass die Nachfrage sehr groß ist. Ist es so, und wie sind die Rückmeldungen?

Björn Moschinski: Das Interessante an meiner Kochweise ist, dass ich nach guten Alternativen zur Fleischküche suche. Viele Leute verstehen dies nicht, da sie denken, wer kein Fleisch essen will soll auch auf den Geschmack verzichten. Ja, und genau das ist der Denkfehler, denn warum muss jemand, der auf Fleisch verzichtet, auch auf das Geschmackserlebnis verzichten? Der Geschmack wird geprägt von den Gewürzen und der Zubereitung und nur geringfügig vom rohen Fleisch. Also warum auf was verzichten, was so gut schmeckt und auch mit rein pflanzlichen Rohstoffen zu erzeugen ist!?

Bild wird geladen...

JJ: Als die „Westfälischen Nachrichten“ über dein Buch berichteten, brachten sie das Wort „Moral“ ins Spiel. Wo hört für dich die Moral auf, schon beim Essen von Fleisch oder erst, wenn es aus Massentierhaltung stammt?

Björn Moschinski: Jedes Lebewesen sollte ein Recht auf Freiheit und Unversehrtheit haben. Dies spreche ich auch den Tieren zu. Aus diesem Grund hört für mich die Moral da auf, wo Tiere gegen Ihren Willen benutzt werden. Man sollte nicht vergessen, dass auch das Fleisch vom Bio-Bauern von einem Lebewesen stammt, welches auf brutale Weise und weit vor der normalen Lebenserwartung getötet wurde.

JJ: Björn, du musst es wissen: Ist die vegane Ernährung vollwertig und gesund, oder bekommt der Veganer Ärger mit seiner Ernährungsberaterin?

Björn Moschinski: Keine Ahnung, denn ich hatte nie eine ... ;) Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es keine Probleme gibt. Ich lebe nun schon seit über 17 Jahren vegan und habe weder gesundheitliche Probleme oder fühle mich schlapp oder müde. Um dies auch zu belegen, lasse ich jedes Jahr meine Blutwerte testen und bekomme stets das gleiche Feedback meines Arztes – alles Werte im Top-Level!

JJ: Du bist Veganer, warum hast du dich für den Weg entschieden?

Björn Moschinski: Ich wurde mit 14 Jahren Vegetarier, da ich Berichte über die Massentierhaltung und den Tiertransport gelesen habe. Nach einem Jahr entschied ich mich aber für eine vegane Lebensweise, da ich als Vegetarier extrem viele, teilweise versteckte Produkte konsumierte, die nicht vegetarisch waren oder eben aus Massentierhaltung stammten, wenn nicht sogar diese erforderlich machten. Um einige Beispiele zu nennen: Gummibärchen mit Gelatine, Käse mit tierischem Lab aus Kälbermägen, Lederprodukte aus der Haut von Tieren, Milch und die dazu gehörige Zwangsschwangerschaft von Kühen, das Selektieren und anschließende Töten männlicher Küken bei der Eierproduktion, etc.

JJ: Hast du ein Lieblingsgericht, welches?

Björn Moschinski: Ich habe viele Gerichte, die mir schmecken, aber ich könnte jeden Tag Kartoffeln (die rote Laura) mit Sojaquark, Schnittlauch und Leinöl aus der Spreewald Region essen.

JJ: Vielen Dank, Björn

Weitere Informationen: www.veganheadchef.com

Foto: © Sandra Gärtner - FoodFotografin.de

zurück
Impressum