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„Man bleibt wach und nimmt den Job ernst“
Bild wird geladen... Spannend waren die Polizeiruf 110 Fälle schon von der ersten Folge (im Jahr 1971) an. Als jedoch 1988 im „Mann im Baum“ Anne Kasprik als Unterleutnant Görz in die Ermittlungen eingriff, wurde irgendwie ein zusätzlicher Meilenstein gesetzt. Zwar spielte vorher schon mit Sigrid Göhler eine Frau die Rolle von Leutnant Vera Arndt (1971–1983), und das sehr überzeugend und durchaus weiblich; mit der damals 25jährigen Tochter von Regisseur und Drehbuchautor Hans-Joachim Kasprzik indes tropfte ein erfrischender Farbtupfer ins Bild der Polizeiruf-Filme, in denen ansonsten die polizeiliche Ermittlungsarbeit immer stark im Vordergrund stand.

Anfänge

Die ausgesprochen hübsche Anne spielte lebendig, emotional und - im wahrsten Sinne des Wortes - mitreißend. So mitreißend, dass sie in der Schlussszene auf Günter Schubert, den Darsteller des gejagten Vergewaltigers, einschlug, was so nicht im Drehbuch stand.

Sehr gut erinnert sich die Schauspielerin auch an die 1989 ausgestrahlte Folge „Der Wahrheit verpflichtet“, in der die Frage aufgeworfen wurde, ob nicht manchmal die Täter die eigentlichen Opfer sind. Dabei spielte Anne Kasprik die Polizistin Leutnant Ikser. Als man ihr indes eine durchgängige Ermittlerinnenrolle anbot, lehnte sie ab, da sie sich nicht einseitig festlegen wollte. „Noch mal würde mir das nicht passieren“, träfe sie die Entscheidung heute anders.

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Angefangen hat die imposante und nach wie vor anhaltende Karriere der Berlinerin im Alter von drei Jahren mit Ballett. Schon dabei schnupperte sie Bühnenluft, die sie jedoch später zwischenzeitlich gegen Tennisplatzluft tauschte. Der Weg zum Schauspiel verlief über kleine Umwege – ein Volontariat beim Fernsehen, eine Regiewerkstatt nach dem Abi, Laientheater. In der Folgezeit geschahen Dinge, die für den Außenstehenden klingen wie ein Märchen, von Anne Kasprik damals indes gar nicht als solches wahrgenommen wurden. Sie wurde sofort an der Schauspielschule „Ernst Busch“ angenommen, erhielt Angebote für Traumrollen. Sie wirkte in der Serie „Einzug ins Paradies“ mit, dem Mehrteiler „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“, dem Kinofilm „Vernehmung der Zeugen“ oder in sieben Folgen von „Bereitschaft Dr. Federau“. „Diese Serie machte mich sehr schnell bekannt“, erinnert sich Anne Kasprik an die Zusammenarbeit unter anderem mit Uta Schorn.

International

Die Beliebtheit der Schauspielerin, sowohl bei Filmemachern wie Zuschauern, nahm auch während und nach der Wendezeit 1989/1990 keinen Schaden. In weiteren Polizeiruffolgen mischte sie beispielsweise ebenso munter mit wie bei „Der Staatsanwalt hat das Wort“ (TV Serie) oder „Der Tangospieler“ (Kino). 1994 traute Anne Kasprik ihren Ohren nicht, als sie den Anruf ihrer Agentin erhielt, Terence Hill wolle sie kennen lernen und mit ihr „Die Troublemaker“ drehen. Die zu diesem Zeitpunkt schon routinierte Darstellerin verschob vor Aufregung den anberaumten Treff von einem Montag auf einen Donnerstag. Dabei war der Weltstar fest entschlossen, die 1,63 Frau mit den grünen Augen engagieren zu wollen. „Bud Spencer und Terence Hill waren in der Zusammenarbeit sehr professionell, sympathisch und die Arbeit hat unglaublich Spass gemacht“, schwärmt Anne Kasprik über die Zeit vor nunmehr 16 Jahren und gesteht gleichwohl ein: „Meine Aufregung wird mit der Zeit eher schlimmer. Aber das ist gut so. Man bleibt wach und hört nicht auf, den Job ernst zu nehmen.“

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Träume

Grund genug dazu hat die 47järige, erscheint sie doch gefragt wie eh und je in Sendungen wie „SOKO Wismar“, „Tatort“, oder öfter in „Notruf Hafenkante“ auf dem Bildschirm. Auch bei „Dr. Kleist“ wird sie demnächst zu sehen sein („Es war sehr schön in Eisenach bei den Dreharbeiten“). Ein Kinoprojekt ist auf den Herbst verschoben.

Bei all den Glanzrollen, die Anne Kasprik bereits spielen durfte, bleiben Träume durchaus offen. „Die bestehen in der filmischen Umsetzung unserer Drehbücher“, blickt sie erwartungsvoll in die Zukunft und meint mit „uns“ noch den israelischen Regisseur Oren Schmuckler, mit dem sie seit 1994 verheiratet ist. Das zeitweise Leben im Heimatland ihres Mannes gestattet der Berlinerin durchaus positive Einblicke. „Das Deutschlandbild der Menschen in Israel hat sich seit 1990 sehr gewandelt“, schätzt sie ein, „unsere Hauptstadt ist gerade bei den jungen israelischen Besuchern angesagt“.

Als angesagten Tipp für den deutschen Filmfreund hingegen empfiehlt Anne Kasprik DVD’s mit Klassikern aus DDR-Zeiten wie beispielsweise „Einzug ins Paradies“. „In dieser Serie sieht man sehr gut, wie das Leben damals wirklich war“, erkennt sie einen hohen Realitätsgehalt. So hoch sogar, dass die sechs Folgen zunächst zwei Jahre lang auf Eis lagen, weil sie Probleme des DDR-Alltags allzu deutlich aufzeigten.

Jörg Joachim nach einem sehr spannenden und sehr angenehmen Gespräch mit Anne Kasprik

Fotos: Oren Schmuckler

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