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Wie glaubwürdig spiele ich?
Bild wird geladen... Die untere Hälfte des Gesichtes ist zu sehen, nicht die Augen. In ein Handy presst der Mann Worte, bedrohlich und sarkastisch. Einige Meter nur entfernt steht eine junge Frau. Zunächst voller Schönheit und Lebensfreude. Als sie jedoch die bekannte und gleichwohl fremde Stimme hört, sinkt sie zusammen in ein Bündel aus Verzweiflung und Ausweglosigkeit.

Eine Szene aus der Vorabendserie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

Egon Hofmann spielt den Bösewicht. Unvergessen und legendär überzeugte er in ähnlich gelagerter Rolle als Schließer Peter Kittler in „Hinter Gittern“. „Nicht der typische Unhold, aber doch mit krimineller Energie“, beschreibt der Schauspieler seine einstige Paraderolle. Er erinnert sich gerne an die Zeit, die „sehr spannend“ war, „zunächst mit schwankender Quote“, dann aber „zum Phänomen wurde, auf das man oft angesprochen wird“.

Auch die Macher von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ kannten Egon Hofmann aus jenen Tagen und sahen in ihm die erste Wahl für den Unhold, den er nun für einige Monate spielt. Da der 56jährige indes gerade auf Theater-Tournee war, musste er fast absagen und nur eine organisatorische Glanzleistung ermöglichte letztlich doch den Einsatz. „Es hat viel Spass gemacht und ist gut geworden“, fasst er zusammen. Überhaupt habe sich die anfangs von Kritikern zum Untergang geredete Serie deutlich verbessert: „Themen, die heikel sind, werden angepackt, nicht nur plattes Zeug“.

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Begonnen hatte die Karriere des damals kleinen Egon eher fromm, beim Krippenspiel, dem Mitwirkungen beim Laientheater und noch später eine Lehre zum Werbekaufmann folgten. Während der junge Mann mit dieser Qualifikation in einem Büro saß, stellte sich die Frage: Soll es das sein? Ganz pragmatisch ging der in Bad Homburg geborene an die Beantwortung, erinnerte sich an die schauspielerischen Auftritte in der Jugend und wusste, wo es hingeht: Zum Schauspielstudium, an die Hochschule für Musik und Theater, Hannover. Er spielte Kinder- und Jugendtheater, sah die ersten Fernsehengagements als „Sahnehäubchen, da es damals noch keine privaten Fernsehsender gab“.

Mittlerweile blickt Egon Hofmann auf zahlreiche Einsätze auf den Brettern, die die Welt bedeuten zurück, zuletzt in einer Hauptrolle in „Ganze Kerle“. Auch Sahne-Einsätze im TV sind kaum mehr zu überschauen, von "Ach, Du Fröhliche..." über "Für alle Fälle Stefanie" bis hin zu "Wo die Liebe hinfällt". Was nicht nur bei den Fans hängen blieb, war indes der opportunistische, feige und bauernschlaue Vollzugsbeamte Peter Kittler, den an Gerissenheit und auch perversen Zügen wohl nur der aktuelle Einsatz in der Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ übertrifft, soviel ist jetzt schon zu erahnen.

Der Mensch hinter der Figur aber kommt ganz anders daher. Im Gespräch erweist sich Egon Hofmann als Mann mit Humor, Nachdenklichkeit und Träumen. „Wenn die Hoffnung aufhört, ist man wirklich alt geworden“, sagt er. Seine beruflichen Träume sieht er überhaupt nicht eng. Ein Kommissar kann es sein oder sogar die Fahrt auf dem „Traumschiff“. Egal, wichtig ist eher: „Wie glaubwürdig spiele ich?“ Das er seine Tätigkeit mit Leidenschaft ausübt, ist deutlich zu sehen und herauszuhören: „Mein Beruf ist mein Hobby“, freut sich der Wahlberliner.

Ansonsten treibt er in der Freizeit viel Sport. Als in der „Hinter Gittern“ Zeit ein üppiges Catering für Gewichtszunahme sorgte und der Schauspieler zufällig an einer Marathonstrecke vorbei lief, wo sich dick und dünn, alt und jung beteiligten, entstand spontan der Entschluss: Ich laufe Marathon. Das tat er dann auch nach ausgiebigem Training. Zudem hält er sich akrobatisch fit, mit Fußball oder Trampolin springen. Der gründlichen Schauspielausbildung hat Egon Hofmann zudem die Fechtkunst zu verdanken. Ein Allrounder also, der mehr kann, als Bösewichte zu interpretieren: „Es wird Zeit, wieder Mal einen guten Menschen zu spielen!“

Jo.

Fotos: Hagen Schnauss

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