Titelseite Titelstory Aktuelles Ratgeber Leserbriefe Das Team Kontakt

Die Fans und ihre Stars
Bild wird geladen... „Die Fans sind eine Macht, wer keine hat, Gut Nacht“ , sang einst der Schlagersänger Frank Schöbel. Er selbst erfreut sich heute noch, besonders im Osten Deutschlands, einer großen Schar von Anhängern seiner Musik. Auch seiner Persönlichkeit. „Die Lieder sind in den Herzen der Menschen“, beschreibt er die Situation.

Die junge Frontfrau der Rockgruppe „Aloha From Hell“, Vivi, genießt es, „auf der Bühne zu stehen und den Dialog mit den Besuchern zu spüren“. Ihr Drummer Felix nennt die Auftritte „Party mit den Fans“, während die Volleyballspielerin Grit Lehman vom Pokalsieger 2008 (VfB 91 Suhl) von „Gänsehaut pur“ spricht, wenn sie daran denkt, was das Publikum ihres Teams manchmal auf den Rängen erzeugt.

Wie aber sieht es die andere Seite der Bühne oder der Arena, wieso kleben sich junge Menschen die Wände voll mit Plakaten von Stefanie Heinzmann, warum bringt Rania Zeriri Sonne in das Leben einer 23jährigen, weshalb verpassen Fernsehzuschauer um nichts in der Welt ihre Soap?

Stefanie-Fans

Zoè ist 15 Jahre jung. Sie hörte irgendwann „My Man is an Mean Man“ vom Schweizer Stimmphänomen Stefanie Heinzmann und fand den Titel „anfangs ganz okay“. Weil ihr „nichts besseres einfiel“ ging sie zum Saarbrücker Altstadtfest, um die Sängerin mal live zu sehen. Zoé wollte schon gehen, weil sich der Auftritt verzögerte. Dann indes betrat die Soul- Funk- und Pop Newcomerin die Bühne und die Schülerin aus dem Saarland „hatte nicht vor, jemals wieder heim zu gehen“. Sie kaufte sich das Album „Masterplan“, tackerte sich das Zimmer voll mit Postern und schaut nunmehr jeden Tag ins Fanclubforum. „Man kann sich dort mit Leuten unterhalten, die genauso süchtig sind, wie man selbst“, beschreibt Zoé die Gründe.

Bei Nina hingegen war es Liebe auf den ersten Blick. Sie hat sich vorgenommen, im Jahr 2009 mehrere Konzerte zu besuchen und eine Stefanie Heinzmann-Ecke in der Wohnung einzurichten. An ihrem Idol mag sie „Power, Freundlichkeit, Lockerheit und die Wahnsinns-Stimme“.

Bild wird geladen...Rania-Fans

Wenngleich die Holländerin Rania Zeriri, ebenfalls ein junges Licht am Sternenhimmel der Showbranche, bei Plattenkäufen, TV-Auftritten und verliehenen Preisen nicht ganz mit der Schweizerin Schritthalten kann, weiß sie nichtsdestotrotz zahlreiche Fans hinter sich. Ihr Fanforum ist lebhaft wie kaum ein zweites. Anhänger aus Deutschland, Holland, Österreich oder der Schweiz reden dort über Rania, Gott und die Welt.

Ulrich (45) beispielsweise wundert sich selbst, Fan der hübschen 23jährigen zu sein. Seit 20 Jahren arbeitet er im Showgeschäft. Der gestandene Mann war in dem Moment ergriffen, als sie bei „Deutschland sucht den Superstar“ „Natural Woman“ sang. „ Ich habe Rania sieben Mal live gesehen und wenn ich nicht Sorge gehabt hätte, dass sie mich für einen Stalker hält, wären es bestimmt noch mehr Auftritte gewesen“ plaudert Uli aus seinem Fan-Dasein. Er hatte das Glück, sein Idol hinter der Bühne als „äußerst angenehme, lustige und intelligente Frau“ kennen lernen zu dürfen.

Der Züricher Informatiker Thomas empfand die Sängerin „von Anfang an sehr sympathisch, nicht nur optisch, sondern auch von der Persönlichkeit her“. Ranias Single „Crying Undercover” bezeichnet er als „Lied mit viel Ohrwurm-Qualität“.

Abiturientin Charleen nahm die Holländerin zunächst als „sehr interessant“ wahr, als sie deren Stimme hörte, war sie indes „hin und weg“. „Ich finde toll, dass sie sich nicht alles gefallen lässt und auch mal ihre Meinung sagt! Sie ist für mich ein Vorbild“, schwärmt die 17jährige. Der 54 Jahre junge Pit sah Rania bei einem Event in Friedrichshafen persönlich, schoss Fotos, die er ins Fanforum stellte. Schätzen lernte er sie „nicht nur wegen der Rollerblades, sondern auch durch ihre Version von Colours of the Wind“, die er persönlich „für besonders emotional“ hält. Ähnlich geht es Elisa. Die Schülerin ist im Forum „ um aktiv für Rania da zu sein und die Freude über ihre Musik und ihr Wesen mit anderen teilen zu können“. Zudem denkt sie, „allein durch die Tatsache, dass es in diesem Forum über 1400 User gibt, hat Rania eine große Stütze in schweren Zeiten“.

Bild wird geladen... Gute Zeiten – Schlechte Zeiten Fans

Schwere Zeiten hatte die RTL Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ nur zu Beginn. Mittlerweile läuft die Soap im siebzehnten Jahr und ist, zumindest bei den zahlreichen Fans, fest etabliert. Über ihre schauspielerischen Einsätze haben einige Protagonisten den Weg Richtung Popstar gefunden (Yvonne Catterfeld, Jeanette Biedermann) oder sich einen Namen als Moderatorin und Showgröße gemacht (Susan Sideropoulos). Die hübsche, blonde Verena Koch Darstellerin scheint überhaupt zum Liebling Nummer Eins bei den Zuschauerrinnen und Zuschauern aufgestiegen zu sein.

So wird sie auch von Lisa, die seit zwölf Jahren die Serie regelmäßig verfolgt, zuerst genannt, wenn es um die Lieblinge geht. Aber im gleichen Atemzug nennt diese fast alle aktuellen Teammitglieder. Gleichzeitig vermisst sie die Rollen von Sandra, Cora und Flo, die schon vor Jahren ausgestiegen ist. Lisa sammelt Bettwäsche, CD´s, Poster und alle möglichen Fanartikel, „ denn das gehört für mich als Fan einfach dazu“, befindet sie.

„Wenn man die Leute schon etwas länger kennt, will man halt wissen, was als nächstes geschieht“, beschreibt Daniela den Reiz von GZSZ und fügt an, dass „alle ziemlich natürlich sind und nicht so abgemagerte, eingebildete Schauspieler wie die aus Hollywood. Das sind eben Menschen wie du und ich, man kann sich mit ihnen identifizieren“.

Lydia wiederum erinnert sich, mal von Oliver Petzokat bei einem Altstadtfest ein Autogramm bekommen zu haben. Auch seine Zeit im Ensemble liegt lange zurück, dennoch bringt die Görlitzerin die Begegnung mit ihm mit der Serie in Verbindung. Sie schaut seit 13 Jahren zu und vermisst die Akteure, die derzeit ausscheiden sehr, allen voran die Rolle des Henrik.

Bin ich Fan?

Ich selbst habe Stefanie Heinzmann persönlich bei einem Backstage-Interview kennen- und schätzen gelernt. Sie ist so was von natürlich, echt, offen und aus dem Herzen freundlich, dass man sie einfach mögen muss. Rania hatte ich am Telefon. Von ihr gewann ich den Eindruck, dass sie gerade heraus ist. Sie sagt das, was gerade auf der Zunge liegt. Über weite Strecken war sie sehr freundlich, manchmal indes auch … nennen wir es … vorschnell. Die Serie Gute Zeiten – Schlechte Zeiten konnte ich mir in den ersten Jahren gar nicht anschauen. Selbst gute Schauspieler sahen in meinen Augen durch nicht stimmige Drehbücher und Regieleistungen schlecht aus. Später hockte ich vorm Fernseher und sah die Soap immer öfter. Ich kam zur Sendezeit nach harter Arbeit nach Hause und leichte Kost kam mir recht. Mittlerweile glaube ich, deutlich eine qualitative Steigerung erkannt zu haben und habe kein Problem, mich als Oft-Zuschauer zu outen.

Fan bin ich indes weder noch. Auch nicht von Nena, Phil Collins und ebenso nicht mehr von Dynamo Dresden. Vielleicht weil ich weiß, dass alle nur Menschen sind, vielleicht weil mich alle irgendwann mal enttäuschten. Vielleicht weil ich einfach nicht der Typ zum Fan-Sein bin? Mag sein, dass es daran liegt, dass ich auch mal so was wie Fans hatte. Menschen, die meinen Roman „Hinter deinen Augen“ lasen und derart begeistert waren, dass sie beispielsweise behaupteten, „da kann man die Bücher von Sparks im Regal stehen lassen“ oder „danach konnte ich kein anderes Buch mehr lesen“. Klar, schöne Komplimente. Ich selbst aber wusste, dass mir die Bücher von Sparks, wie Millionen von Leserinnen und Lesern auch, sehr wohl gefallen. Ich selbst wusste um die Schwächen meines Romans. So sah ich sowohl den Sachverhalt als auch den Status des Fans differenzierter.

Eine entscheidender Faktor sind sie natürlich dennoch, wie sang doch gleich Frank Schöbel? „Und sind es auch nur sieben oder acht, es sind Fans und Fans sind eine Macht!“
Foto: v.o. Markus Schnitzler, Pit09, LF

zurück
Impressum