Titelseite Titelstory Aktuelles Ratgeber Leserbriefe Das Team Kontakt

Vier Mann in einem Boot
Bild wird geladen... So eine individuelle Seereise, auch Törn genannt, erfordert zwar etwas mehr Vorbereitung als das Buchen einer Kreuzfahrt im Reisebüro. Die Mühe lohnt jedoch – vor allem, wenn der Skipper den Törn so perfekt organisiert wie in unserem Fall. Nur den Flug von Friedrichshafen nach Elba und zurück hat jeder selbst buchen müssen...

Warum gerade Elba? Das Schwärmen des Skippers für das Gewässer im Toskanischen Archipel – vielseitiges Segelrevier mit langen und kurzen Etappen, kulinarisches Paradies und angenehmes Klima im Herbst – sowie die Möglichkeit, trotz 550 Kilometer Entfernung vom heimatlichen Oberschwaben in weniger als zwei Stunden an Bord zu sein, waren einfach unwiderstehlich!

Die Traumurlaub beginnt an einem kalten, trüben September-Samstag um 6.30 Uhr mit dem Check in am Flugplatz Friedrichshafen. Pünktlich um 7.10 Uhr startet der Flieger und landet 90 Minuten später im sonnig-warmen Marina di Campo. Mit dem Taxi geht’s zur 15 Minuten entfernten Marina in Portoferraio. Während die eine Hälfte der Crew, Skipper Uli und Hubert, unser schwimmendes Zuhause für die nächsten sieben Tage übernehmen, erkunden Siegfried und ich die Einkaufsmöglichkeiten. Denn bevor wir ablegen, müssen wir erst noch Proviant bunkern.

Um kurz nach 12 Uhr sind Gepäck und Einkäufe an Bord verstaut und die Crew sitzt – zwischenzeitlich umgezogen in Shorts und T-Shirts – entspannt an Deck und genießt die erste Mahlzeit im Sonnenschein: Porchetta (gefülltes Spanferkel, eine toskanische Spezialität), frisches Brot und Dosenbier. Den Wein gibt’s erst abends. Dann heißt es auch schon „Leinen los“ und „klar zum Setzen des Segels“. Weil unser Skipper Stammkunde des Charterunternehmens ist, haben wir übrigens eine fast neue Yacht vom Typ „Bavaria 39 Cruiser“ erhalten. Gebucht hatten wir eine schon etwas betagtere „Bavaria 38 Holiday“. Besonders erfreulich: Das so genannte Upgrade gab's ohne Aufpreis. „Ulla“, so heißt das Schiff, ist knapp zwölf Meter lang, hat drei komfortable Kabinen, zwei WCs/Duschen und eine Küche mit Herd und Backofen.

Wir umrunden Elba in zwei Etappen in westlicher Richtung und machen am dritten Tag einen großen Schlag in südöstlicher Richtung zur 40 Seemeilen (74 Kilometer) entfernten Insel Giglio – vorbei an den Inseln Pianosa und Montecristo. Pianosa beherbergt das Hochsicherheitsgefängnis der Region Toskana und ist Sperrgebiet, Montecristo ist Naturschutzgebiet und ohne Genehmigung auch tabu. Mit Alexandre Dumas Roman „Der Graf von Montecristo“ hat die Insel aber nur den Namen gemein. Von Giglio aus segeln wir rüber nach Giannutri, dem südlichsten Fleck des toskanischen Archipels. Am nächsten Tag folgt noch ein Abstecher nach Porto Santo Stefano auf dem Festland, bevor es wieder zurück nach Elba geht.

So viel Spaß hat natürlich seinen Preis: pro Mann rund 700 Euro. Die Summe beinhaltet die Yachtcharter für sieben Tage samt dazu gehörender Versicherung, die komplette Verpflegung, der Hin- und Rückflug, der Transfer vom Flugplatz zur Marina und ein Mietwagen samt allen Nebenkosten für Tag 8 auf Elba. Denn der Rückflug nach Friedrichshafen startete erst um 18 Uhr, von „Ulla“ mussten wir uns aber schon nach dem Frühstück verabschieden.

Vor ein paar Jahren war ich zum Segeln an der Côte d'Azur, rund um Saint Tropez. An- und Abreise per Auto. Neun Stunden Fahrt pro Tour. Acht Mann auf einer 44-Fuß-Yacht (rund 13,5 Meter), jeweils zwei Mann pro Kabine. Kosten für eine Woche (ebenfalls Nachsaison und alles inklusive): rund 550 Euro. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, erkennt schnell: Der Elbatörn ist nicht zu toppen – und ein luxuriöses Schnäppchen obendrein.

Gerd Ahrendt

Foto: privat

zurück
Impressum