| Was lange währt, wird Bad |
|---|
Gut erinnere ich mich an den Tag als die Umgehungsstraße rund um Bad Salzungen eröffnet wurde. Oldtimer, Radfahrer, Trabbi-Freunde und Skateboarder waren die Ersten, die über den frischen Asphalt rollten. Ich stand für ein Anzeigenblatt am Rand, beobachtete und fotografierte. Aus einem Cabrio winkte mir eine Keltenprinzessin zu.
Nachdem sie etwas später mit dem Bürgermeister und einem Cocktail auf das lokal bedeutende Ereignis angestoßen hatte, fragte ich das Stadtoberhaupt Klaus Bohl nach den Hintergründen. „Die Bezeichnung Bad vor Salzungen hängt unter anderem an dieser Straße“, erklärte er mir. „Wir könnten den Kur- und Bäderbetrieb zwar aufrecht erhalten, aber der Imageschaden wäre groß“, gab er zu bedenken. Der Bürgermeister hoffte nicht alleine, dass durch die Umgehung die Schadstoff- bzw. Abgaswerte in der Innenstadt drastisch sinken würden. Ungefähr ein Jahr später eröffnete ich die Ära „Burgsee-Kurier“ mit einem Klaus Bohl Interview. Natürlich kamen wir auf das Thema zu sprechen. „Die LKW fahren außen rum. Das hat die Messergebnisse positiv verändert. Viele PKW fahren eigenartigerweise immer noch durch die Innenstadt“, berichtete er mir, halb ge-, halb entspannt. Wieder ein halbes Jahr danach war ich als freier Mitarbeiter der Thüringer Landeszeitung zu einem Termin geladen. In der Trinkhalle am Gradierwerk versammelte sich die regionale High Society. Draußen stiegen der Wirtschaftsminister aus seinem BMW und der Landrat aus einem Audi. Vielleicht kamen sie ja über die Umgehungsstraße, wer weiß … Jürgen Reinholz hatte aus der Landeshauptstadt eine Urkunde mitgebracht. Salzungen hatte es geschafft, durfte sich fortan offiziell und amtlich beglaubigt und nicht mehr nur vorläufig „Staatlich anerkanntes Soleheilbad“ nennen. Mit anderen Worten: Bad Salzungen. Nicht nur die Abgaswerte in der Innenstadt und im Kurbereich mussten zu dem Zweck stimmen. Viele Kriterien waren zu erfüllen. Das Prozedere erwies sich als Akt deutscher, bürokratischer Gründlichkeit, dauerte 16 Jahre und ließ den Landrat Reinhard Krebs augenzwinkernd einschätzen: „Wenn es so lange gedauert hat, wurde intensiv geprüft!“ Da an diesem amtlich sterilen Akt nicht nur eine Urkunde und ein Name hingen, sondern viel Reputation, viele Wettbewerbsvorteile, viel positive Darstellung in der Öffentlichkeit und damit Arbeitsplätze und Wohlstand der Bürger, schien deren Oberhaupt Klaus Bohl zunächst höchst angespannt und dann noch mehr entspannt. Die Arbeit hatte sich gelohnt. Der Minister fuhr wieder davon. Zurück blieb eine Stadt mit einem traumhaften See in der Mitte, mit engen Gassen und Parks drumherum, mit einer Lage am Flüsschen Werra zwischen Rhön und Thüringer Wald und vor allem mit Menschen, die sich auf ihre Gäste freuen. So sah es auch der Regierungsvertreter, als er zum Bürgermeister sprach: „Bei Ihnen ist die Urkunde in guten Händen!“ Jo. |
| Foto: JJ |
| zurück |
|---|
| Impressum |