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„Die Augen sind das Fenster zur Seele“
Interview mit der Schauspielerin Andrea Lui
Übersetzt von Elke Schwan
Bild wird geladen... Andrea Lui ist 1982 in Vancouver (Kanada) geboren. Sie ist chinesischer Herkunft und stand bereits in jugendlichem Alter vor der Kamera. Mittlerweile wohnt und arbeitet die Schauspielerin meist in Los Angeles oder Frankreich. Sie spielte in vielen kanadischen und US-amerikanischen Serien und Filmen mit. Aktuell ist sie am 11. Februar um 21.15 Uhr bei Pro 7 in einer Episodenhauptrolle von "Pushing Daisies" zu sehen.

Gerne nahm sie sich Zeit und Muße den Leserinnen und Lesern des Burgsee-Kurier exklusiv einige Fragen zu beantworten:

Andrea Lui: Als erstes möchte ich den Lesern und dem Team des „Burgsee-Kurier“ für 
das Interesse an mir und meiner Arbeit sowie die herzlichen Wünsche danken. Ich bin echt überwältigt und dankbar.

JJ: Andrea, wann und wie haben Sie bemerkt, dass Sie sowohl Freude am als auch Talent zum Schauspielen haben?

Andrea Lui: Ich habe es geliebt zu schauspielern seit ich denken kann. Ich war ein phantasievolles Kind und habe schon immer gerne getanzt, gemalt und bin vor meiner Familie aufgetreten. Vielleicht hat mir die Aufmerksamkeit  gefallen. Ich war schüchtern, aber immer bereit mich auszudrücken.
Als ich älter wurde, habe ich mich gerne verstellt, so getan, als wäre  ich jemand anderer, habe diverse Charaktere oder unterschiedliche Eigenschaften von mir selbst dargestellt. Ich kann gar nicht den genauen Zeitpunkt benennen, an dem ich bemerkte, dass ich Talent habe. Vielleicht war es, als ich mein erstes professionelles Engagement bekam. Aber sogar damals habe ich wohl noch nicht daraus geschlossen, dass ich talentiert war, es war mehr das Bewusstsein, dass ich immer gerne schauspielern wollte. Zu diesem Zeitpunkt habe ich aber beschlossen, diesen Weg einzuschlagen und  Schauspielerin zu werden.

Bild wird geladen... JJ: Unser Onlinemagazin www.burgseekurier.de wird hauptsächlich in Deutschland gelesen. Erzählen Sie uns bitte ein wenig über die Theater- Film- und Fernsehszene in Canada.

Andrea Lui: Ich denke, Kunst und Kultur sind überall auf der Welt ähnlich, egal in welcher Sprache sie ausgedrückt werden. In Kanada war es großes Glück, bei Castings tolle Erfahrungen gemacht zu haben und nie in die Schublade „asiatische Schauspielerin“ gesteckt zu werden. Es gab nie irgendwelche Einschränkungen für die Rollen, für die ich vorsprach und viele der Rollen, die ich bekommen habe, waren nicht ausdrücklich für eine Asiatin geschrieben worden oder sollten von jemandem gespielt werden, der so aussieht wie ich. In Los Angeles herrscht ein anderes Denken vor, viel eingeschränkter. Ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist.
In Kanada müssen wir uns einigen Herausforderungen stellen, da es schwierig ist einheimische Projekte zu realisieren. Wie im Rest der Welt sind die Inhalte der Unterhaltungsindustrie sehr stark von dem dominiert, was aus Hollywood kommt, heimische Projekte kämpfen oft mit 100-Millionen-Dollar-Projekten um die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Das Ganze wird verschärft durch die Nähe zu den USA. Kanada ist konservativer, was die Finanzierung angeht, daher ist es sehr schwierig an private Investoren zu kommen. Früher gab es staatliche Fördermittel, aber leider wurden die von der Regierung drastisch gekürzt. Wir arbeiten stattdessen oft an US-Produktionen, die in Kanada gedreht werden. Es gab auch einen stetigen Rückgang kanadischer Filme in den letzten acht Jahren, was mich zu der Entscheidung veranlasst hat, nach Los Angeles zu ziehen.

JJ: Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Sie Tiere lieben. Scherzhaft gefragt: War das der Grund um Schauspielerin zu werden? Weil das Showbiz im Grunde einen Zoo unterschiedlichster Kreaturen darstellt?

Bild wird geladen... Andrea Lui: Ich liebe Tiere wirklich sehr. Zu Tieren hatte ich immer ein wunderbares Verhältnis. Und ich ziehe sie oft Menschen vor. So eine bedingungslose Liebe… Aber ich denke, wenn ich als Kind schon gewusst hätte, dass das  Showbiz so ein Zoo ist, dann wäre ich schreiend davongelaufen!
Ich bin  froh nicht gewusst zu haben, dass es so viele Kreaturen da draußen gibt, denn ich hätte sicher einen anderen Weg eingeschlagen. Aber jetzt genieße ich die Verrücktheit und Alberei, es macht auf jeden Fall eine ganze Menge Spaß!

JJ: Derzeit arbeiten Sie viel in Los Angeles. Was macht die Faszination dieser Film- und Fernsehmetropole aus?

Andrea Lui: Das ist eine großartige Frage! Ich denke, jeder hätte eine unterschiedliche Antwort darauf. Es ist das Land der Hoffnung und der Träume, in dem manche Träume eben platzen und andere sich verwirklichen. Der Mythos ist der Glanz und der Glamour, aber die Realität ist, dass Kalifornien ein wirklich einmaliger Ort auf der Welt ist. Wo sonst kann man Snowboarden oder Skifahren und Surfen an nur einem Tag?
Die Sonne scheint mindestens 300 Tage im Jahr und das gehört für mich inzwischen einfach dazu – auch wenn ich das nie geglaubt hätte. Es wird zu einer Art Routine, jeden Tag die Sonne zu sehen und an den wenigen wolkenverhangenen, regnerischen Tagen erkennst du, was für ein Segen das ist!

JJ: Sie filmen auch in Frankreich, Andrea, wie gefällt Ihnen Europa. Haben Sie beispielsweise gespürt, warum Paris die Stadt der Liebe genannt wird?

Andrea Lui: Ich liebe Europa! Das mag für viele verwirrend klingen, aber ich fühle mich in Europa zuhause, am meisten in Frankreich. Ich fühle mich überall in Frankreich daheim und bin oft ein bisschen enttäuscht, wenn ich nach Amerika zurückkehren muss. Das liegt vielleicht daran, dass meine ersten beiden Sprachen Englisch und Französisch sind und weil ich einige Zeit in Paris gelebt habe. Die Kultur in Europa ist mehr im Einklang mit mir als in Amerika.
Ich schätze, Paris ist die Stadt der Liebe wegen der Architektur, den Lichtern, der Sprache, des Essens, des Weins, der Kunst, den Straßen, der Geschichte, kurzum: alles an Paris übt die selbe Faszination auf viele Menschen aus, ähnlich wie es Los Angeles tut. Es ist eine Stadt, in der Träume und Erinnerungen gemacht werden. In der Zukunft hätte ich furchtbar gerne ein Zuhause in Paris und Los Angeles.

JJ: Was wissen Sie über Deutschland, waren Sie schon hier?

Andrea Lui: Ich mag Deutschland sehr. Unglücklicherweise habe ich noch nicht viel in Deutschland herumreisen können, ich scheine immer nur auf der Durchreise zu sein. Ich war schon sechsmal in Frankfurt am Flughafen bevor ich das erste Mal die Stadt gesehen habe. Ich konnte nur vier Tage bleiben. Aber es hat mir sehr gut gefallen. Ich wünschte, ich hätte mal nach Heidelberg fahren können.
In der Schule und an der Uni habe ich Deutsch gelernt, aber ich habe einen französischen Akzent wenn ich Deutsch spreche. Es war so toll während der Fußball-WM 2006, diesen verlegenen deutschen Stolz zu sehen, weil dem ganzen Land ein Stein vom Herzen gefallen war. Ich denke, es war Zeit, dass die Welt das erkannt hat, denn die Deutschen sind mit die freundlichsten und aufrichtigsten Menschen, die ich je getroffen habe.

JJ: Haben Sie Kontakte nach China, was bedeutet dieses Land für Sie?

Andrea Lui: Ich habe keinen wirklichen Kontakt zu jemandem in China, obwohl ich ein paar meiner entfernten Verwandten dort einmal besucht habe. Es sind immer noch viele aus der weiteren Verwandtschaft, die dort leben, aber ich habe sie nie getroffen. Sie sind die Brüder und Schwestern meiner Großeltern und ihre Nachfahren. Ein paar meiner Onkel haben allerdings in Hongkong gelebt und einer lebt immer noch dort. Ich halte den Kontakt zu ihm und treffe ihn einmal im Jahr, wenn er nach Los Angeles kommt.
Aus China kommen meine Geschichte und mein kulturelles Erbe und obwohl ich dieses Erbe wertschätze, bedeutet es mir nicht viel mehr als eben das. Ich bin neugierig und möchte so viel wie möglich darüber lernen, aber nicht unbedingt mehr als über die Geschichte anderer Länder. Ich habe nicht viele direkte Erfahrungen mit oder aus China, deshalb hat es vielleicht keine so tiefe Bedeutung für mich. Und als Land, dass jetzt erst nach und nach auf der Bühne der Welt zur Geltung kommt, verfolgt immer noch viele Grundsätze, die sich nicht mit meinen eigenen vertragen. Ich bin dankbar dafür, dass ich in der westlichen Welt aufgewachsen bin, wo ich die Freiheit hatte, die zu werden, die ich werden wollte. Ich bin durch und durch zu rebellisch und viel zu unabhängig, um mich in China wohlzufühlen.

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JJ: Wie hat Ihnen die Mitarbeit bei "Pushing Daisies" gefallen, Andrea?

Andrea Lui: Es war wunderbar, an „Pushing Daisies“ zu arbeiten. Es hat so viel Spaß gemacht und mit so talentierten Leuten zusammenzuarbeiten war eine tolle Erfahrung. Angefangen bei meinem Regisseur Larry Trilling, der eine Freude war, über die Kollegen bis hin zu den Maskenbildnern, der Garderobe, den Hairstylisten und Kameraleuten, dem Autor Davey Holmes und den Produzenten – alle waren total lieb und herzlich. Es war mir eine Ehre, mit ihnen zu arbeiten. Nicht zu vergessen, dass es das erste Mal war, dass ich einen Fächer im Haar hatte! Und es war erste das zweite Mal, dass ich eine Art traditionelle asiatische Kleidung tragen musste.
Es war sehr viel Spaß, mit der Warner Brothers-Crew zu arbeiten, in all diesen tollen Kulissen zu stehen, in denen so viele Hollywoodfilme gedreht wurden. An die berühmtesten davon wird oft an den Bühneneingängen erinnert. Unsere Diner-Szene und die Dim-Sum Außenaufnahmen wurden in der selben Straße gedreht wie die Spider-Man Filme. Es gibt so viel Filmgeschichte dort, dass man einfach nicht darum herumkommt Ehrfurcht zu empfinden. Ich freue mich schon sehr darauf, mit all den Leuten wieder zusammenzuarbeiten.

JJ: Sie können alleine mit Ihren Augen unglaublich viel ausdrücken. Haben Sie diese Kunst geerbt oder kann man das lernen?

Andrea Lui: Vielen Dank für das Kompliment! Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir dessen bewusst war, aber ich denke, die Antwort ist ein bisschen von beidem. Als Schauspielerin versuche ich immer, eine Verbindung zu meinen Gefühlen zu haben und fähig zu sein, sie auf Kommando zu äußern. Ich denke, das ist etwas, was wir alle lernen können. Fühlen heißt menschlich sein. Aber unsere Gefühle auf eine Art und Weise auszudrücken, dass die Zuschauer sich in den Charakter hineinversetzen können und sehen, was wir fühlen, das ist etwas, was angeboren ist. Und mit Übung und Perfektion dieser Kunst können wir es besser machen. Nur wenn jemand nicht mit diesem Talent geboren ist, dann denke ich nicht, dass es etwas ist, was leicht gelernt werden kann. Ich denke, es würde viel Arbeit und Hingabe erfordern und es wäre ein harter Brocken. Die Augen sind wirklich die Fenster der Seele!

JJ: Worum geht es in Ihren beruflichen Träumen, Andrea, was sind Ihre Ziele? Bestehen die in einer bestimmten Rolle, der Zusammenarbeit mit einem bestimmten Regisseur, mit bestimmten Kollegen, sind sie mehr vor der Kamera oder auf der Bühne angesiedelt?

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Andrea Lui: Ich möchte alles machen! Es gibt keine Grenzen, was meine Karriere anbelangt. Ich ziehe es vor, Filme zu machen, da ich das schon eine ganze Weile lang tue, aber meine ersten Schritte mit der Schauspielerei waren auf der Bühne und ich würde auch gerne dorthin zurückkehren. Ich möchte sowohl in großen Blockbustern als auch in kleinen eigenständigen Produktionen arbeiten, meine eigene Serie haben und als Gaststar in anderen Serien auftreten. Ich würde gerne in französischen, deutschen und spanischen Produktionen mitarbeiten.
Und wenn ich einmal alle Vorurteile überwunden und niedergerissen habe, vielleicht sogar in chinesischen Filmen. Ich würde gerne sowohl ernste, dramatische Rollen annehmen, als auch Rollen in Horrorfilmen, nur so zum Spaß. Dieser Beruf ist gar nichts wert, wenn er keinen Spaß macht.
Es gibt ein Skript und einen Film, die gerade für mich geschrieben werden und das ist sehr aufregend, weil es das erste Mal so ist. Ich freue mich auf mehr solche Zusammenarbeit. Von Anfang an Teil der Geschichte zu sein ist toll. Ich genieße es immer, mit Freunden zu arbeiten und neue Freunde zu finden. Und die Beziehung zwischen Schauspielerin und Regisseur ist eine besondere und es gibt immer weniger, die wissen, wie sie Schauspieler führen müssen. Es ist eine spezielle Sprache.
Es gibt viele Schauspieler und Regisseure, mit denen ich gerne zusammenarbeiten möchte, da ist es schwierig, nur ein paar aufzuzählen. Gary Oldman, Anthony Hopkins, Johnny Depp, Meryl Streep, Emma Thompson sind wahre Genies in ihrer Kunst und in der Fähigkeit, eins mit ihren Rollen zu werden. Baz Luhrmann, Coppola, Scorsese, Danny Boyle, Tom Tykwer, David Fincher, Wim Wenders sind nur ein paar der Regisseure, mit denen ich gerne arbeiten würde. Und das ist nur der Anfang.
Irgendwann einmal möchte ich mir meine Projekte aussuchen können, Angebote bekommen und nicht mehr bei einem Vorsprechen nach dem anderen um eine Rolle kämpfen müssen. Auf diese Art und Weise kann ich Karriere und Familie unter einen Hut bekommen – und trotzdem noch Zeit haben für ehrenamtliche Aufgaben, um der Welt ein bisschen zurückgeben zu können.

JJ: Vielen Dank vom Team und den Leserinnen und Lesern vom Burgsee-Kurier und viel Erfolg und Spass bei allem was Sie tun, Andrea.

Fotos:www.perfect-looks.de, 4. v.o. (c) ABC

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