| Waldgeister im Hintern |
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Ronja, die Räubertochter, war sicherlich störrisch und ging, wenn es Not tat, mit dem Kopf durch die Wand. Andererseits trieb sie nicht Boshaftigkeit dazu, genaugenommen auch nicht Respektlosigkeit. Nein, die Freundschaft zu Birk, dem Sohn des verfeindeten Bandenchefs verlieh ihr die Kraft, dem Vater und der Welt zu trotzen. Was heraus kam, war letztlich die Versöhnung der verfeindeten Räuberhorden. Kinderbuchautorin Astrid Lindgren hat den Roman 1981 geschrieben und Regisseur Tage Danielsson 1984 fürs Kino verfilmt. Als der Großvater Michail seiner Enkelin Katja Vasileva irgendwann in den Neunzigern aus dem Buch vorlas, hat er das getan, was Opas eben tun. Vorlesen. In dem Fall indes hatte es Folgen. Katja ist jetzt 16 Jahre jung, nennt sich Ronya und fängt in der Berliner S-Bahn urplötzlich an zu singen. Dann schauen die arglosen, nichtsahnenden Fahrgäste auf und stutzen. Das Mädchen aber will sie weder wecken noch ärgern. Sie hatte einfach nur eine Idee für ein Lied. „Ich liebe Pop-Balladen, so romantisch wie möglich. Am weißen Klavier sitzen, auf dem rote Rosen liegen …“, erzählt sie mit verträumter Stimme. Das jene Stimme verträumt wirkt, ist aber nicht immer so. Oft klingt Ronya wie Ronja. Nur eben berlinerisch. Matheunterricht mag sie nicht wirklich, 45 Minuten ohne Musik sind Horror für die hübsche Dunkelhaarige. Dann geht sie mit dem Kopf durch die Wand und trällert los. Selbst im Musikunterricht, den sie deutlich mehr mag, möchte sie zuweilen den Lehrer vom Klavierschemel kicken und selbst in die Tasten greifen. Katja Vasileva hat in solchen Momenten Waldgeister im Hintern und rennt durchs Leben wie Ronja Räubertochter durch den Wald. Dieter Bohlen in seiner Eigenschaft als Juryhauptmann von „Deutschland sucht den Superstar“ lernte die quicklebendige Ronya letztes Jahr bei einem Casting kennen und nannte sie „Quengelkeks“. Die 16jährige Musikbesessene hatte sich beworben, ein Vorcasting absolviert und war zum eigentlichen Vorsingen früh um 9:00 Uhr angetreten. Sie sang sich ein und wartete … und wartete … bis sie 19:00 Uhr dran kam. „Einige Songs kannte Dieter Bohlen gar nicht“, beschreibt sie das Dilemma. So bot sie mehrere Titel an, mit der Stimme, die nach zehn Stunden Warten eben übrig blieb, hüpfte vor der Jury rum wie Ronja um die Bäume, quengelte, ging auf Bohlens Geheiß gar auf die Knie… ![]() Das hätte die Räubertochter aus Astrid Lindgrens Roman wohl nicht getan. Wie auch immer, die Vollblutmusikerin Ronya kam eine Runde weiter. Dann besann sie sich vielleicht ein wenig auf ihr schwedisches Vorbild, vor allem jedoch auf sich. „Ich will meine eigenen Titel singen und dabei am Klavier sitzen, bei DSDS wird nur gecovert“, erklärt sie ihren Entschluss, aus der Castingshow auszusteigen. Deshalb nahm sie das Ganze als Kameratest und Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. „Ich seh’s locker“, fasst die Hauptstädterin mit sprichwörtlicher Berliner Schnauze zusammen. Mittlerweile konnte Ronya ihre Kamera- und Medienerfahrung erweitern, stand in Zeitungen, flimmerte durch Fernsehsendungen und wird auf der Straße angesprochen. Viel wichtiger indes: Sie hat mit „Romeo Media“ ein Management gefunden, dass sie professionell unterstützt. Sie steht viel im Studio, nimmt eine Platte auf und plant Auftritte. Entsprechende Erfahrung bringt die 16jährige trotz ihrer Jugend mit. „Seit ich fünf Jahre alt bin, stehe ich auf Bühnen, beispielsweise bei der You Messe oder im Tropical Islands“, plaudert sie aus der Vergangenheit. Wenn es um ihre Musik geht, kann sie sogar diszipliniert sein, fleissig sowieso. In nächster Zukunft möchte Ronya am 16. Mai in Moskau beim Eurovision Song Contest für Deutschland antreten. Ein Bewerbungsvideo hat sie weggeschickt. Zugegeben, kein leichtes Ziel. Eher ein Traum. Als die Räubertochter Ronja jedoch mit ihrem Freund Birk die heimische Bande verließ und in den Wald zog, hatte sie auch einen Traum, an den nur sie glaubte. Es hatte geklappt. Weitere Informationen: http://www.myspace.com/ronyamusik Jo. |
| Foto: Romeo Media/Jag´s Entertainment |
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