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Reiseimpressionen aus dem Iran
Bild wird geladen... In Deutschland ist der Iran vor allem durch Nachrichten des politischen Systems bekannt. Meldungen über das iranische Atomprogramm oder von politischen und religiösen Würdenträgern vermitteln uns ein negatives Bild. Doch wie ist es, wenn man mit der iranischen Bevölkerung ins Gespräch kommt und den iranischen Alltag kennen lernt? In einem dreiwöchigen Aufenthalt in Teheran hatte ich dazu Gelegenheit.

Die Hauptstadt hat offiziell 12 Millionen Einwohner, inoffiziell wird von 20 Millionen gesprochen. Ein Moloch, in dem der tägliche Weg zur Arbeit ein täglicher Kampf durch den kilometerlangen Stau ist – egal ob im eigenen Auto, im Taxi oder im Bus. Ähnlich wie in Peking dürfen an einem Tag nur die Autos mit geraden Endnummern auf den Nummerschildern fahren und am nächsten Tag die Wagen mit ungeraden Endnummern. Eine neu erbaute U-Bahn schafft etwas Abhilfe. Jedoch ist das Netz noch nicht ausreichend. Zurzeit sind 4 Linien fertiggestellt und eine fünfte in Arbeit. Aber das hilft nur wenig.

Die formalen Kleidungs- und Verhaltensvorschriften im Iran machen sich nicht nur im persönlichen Erscheinungsbild stark bemerkbar. Kopftuch und ein den Oberschenkel bedeckender Mantel sowie blickdichte Strümpfe sind für Iranerinnen vorgeschrieben und für Ausländerinnen angeraten. Der Spielraum der Auslegung dieser Vorschriften ist für Ausländerinnen jedoch deutlich größer als für Iranerinnen. Die Kleidungs- und Verhaltensvorschriften greifen aber auch in den öffentlichen Verkehr ein.

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Im Bus wird der vordere Bereich nur von Männern genutzt und der hintere nur von Frauen. Es gibt an den Haltestellen zwei Schlangen, eine für Männer und eine für Frauen. Auch in der U-Bahn ist der erste und letzte Waggon ausschließlich für Frauen reserviert. Die restlichen werden überwiegend von Männern genutzt, wobei gelegentlich Frauen in männlicher Begleitung in diese Waggons einsteigen. Wie in vielen osteuropäischen und vorderasiatischen Ländern wird auch in der Teheraner U-Bahn Handel betrieben. Hier erwies sich der reservierte Bereich für die Frauen als durchaus angenehm und sehr interessant. Das Angebot reichte von Schreibmaterialien über Bücher bis hin zu Unterwäsche und Dessous. Letzteres kauft sich sehr viel angenehmer, wenn man in aller Ruhe die Ware prüfen und gegebenenfalls mit der Nachbarin über die Vor- und Nachteile des Stoffes beziehungsweise der Qualität diskutieren kann. Die Iranerinnen sind sehr gepflegte und modebewusste Frauen, was oft unter der vorgeschriebenen Kleidung gezeigt wird. Die großen Modehäuser aus Paris und London haben in Teheran ganz selbstverständlich eine Dependenz. Diese Kleidung wird im privaten und familiären Rahmen getragen und gezeigt, wie zum Beispiel bei Hochzeiten.

Hochzeiten sind ein gesellschaftliches Ereignis im Iran und es dauert meist einige Tage bis alle Programmpunkte absolviert sind. Gefeiert wird, wenn man es sich leisten kann, in einem Hotel mit etwa 500 bis 800 Gästen. Auch hier feiern Männer und Frauen getrennt. Also die Frauen in einem Raum und die Männer im anderen Raum nebenan. Die Buffets sind getrennt aufgebaut und auch das Hotelpersonal einschließlich des Sicherheitspersonals ist entweder nur weiblich oder nur männlich. Es wird erzählt, gegessen, getanzt, gefilmt, nur halt jeder für sich. Die Feiern im Hotel dauern etwa bis 23 Uhr, danach geht man wieder nach Hause. Was fehlt ist Alkohol. Dieser darf im Hotel nicht ausgeschenkt werden. Alkohol ist in der gesamten Islamischen Republik Iran verboten. Doch wie oft in Diktaturen gibt es einen ausgeprägten Schwarzmarkt, wo es das alles zu besorgen gibt.

Schließen möchte ich meinen Bericht mit einem Werbeblock für den Iran als Land und für seine Menschen. Mir sind in diesen drei Wochen nur Menschen begegnet, die sich sehr freundlich und gastfreundlich gezeigt haben. Ich habe es sehr angenehm empfunden als Frau (auch allein) unterwegs zu sein (jedoch nur mit meinem Alibi-Ehering). Es ist ein sehr spannendes Land mit ganz unterschiedlichen kulturellen, historischen und landschaftlichen Höhepunkten, einer sehr vielseitigen Küche und durchaus Momenten wie aus Tausendundeiner Nacht.

Johanna Fick

Foto: JoF

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