| Das Märchen vom bösen Wolf |
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Der Wolf ist immer der Böse. Zumindest im Märchen oder in der Sage. Der Fuchs ist wenigstens nebenbei noch schlau. Selbst in der russischen Zeichentrickserie „Hase und Wolf“ (Nu Sajaz, nu Pogodi!) hat er nichts besseres zu tun, als dem sympathischen Langohr nachzujagen. Andrea Kietzmann aus der Altmark rückt dem Vorurteil nach Kräften zuleibe, zumindest in einem nah gelegenen Mutter-Kind Kurheim. „Ich gebe in Begleitung meiner Huskyhündin Leloo eine Themenstunde rund um den Wolf. Bei den Veranstaltungen bringe ich den Kindern die Natur der Tiere etwas näher und sie können auf einem Schlittenhundewagen mitfahren“, berichtet sie von ihrer Tätigkeit und stellt fest, dass „es viele Menschen gibt, die überhaupt keinen Draht zu unseren Mitgeschöpfen haben und folglich auch gar nicht wissen, wie man Tieren begegnet“. ![]() Andrea erzählt, die Kinder seien einerseits so begeistert, andererseits so unerfahren, dass „sie sich am liebsten auf die Hunde stürzen würden, um mit ihnen zu Kuscheln, ohne auf die Befindlichkeit des jeweiligen für sie fremden Tieres zu achten. Das geht so natürlich nicht. Hier sind Achtsamkeit, Selbstdisziplin, Geduld, Feingefühl und Beobachtung angesagt“. Deshalb lernt die erfahrene Tierfreundin den Kleinen, sich nicht gleich der Hunde zu bemächtigen, vielmehr werden sie in die Lage versetzt, ihre Beobachtungsgabe und das Gefühl gegenüber dem Hund zu schulen: „Da wird auch auf die eigene und auf die Körpersprache des Hundes geachtet. Und wenn das alles harmoniert, kommen die Kinder natürlich auch zu ihren Streicheleinheiten. Einzeln, versteht sich.“ Andrea Kietzmann erinnert sich an eine Episode: „Eine Mutter wollte mit ihrer 6-jährigen Tochter zur Wolfsstunde. Als das Kind den Hund sah, wurde es ganz hysterisch und schrie wie am Spieß. Ich bat die Mutter, zum Ende der Veranstaltung mit der Kleinen noch mal zu kommen. Die Beiden kamen dann und ich nahm mir die Zeit, das Mädchen an den Hund heranzuführen. Es dauerte keine Viertelstunde und das Kind konnte Vertrauen fassen und Leloo streicheln. In den darauffolgenden Tagen kam die Kleine fast immer, wenn ich im Haus war, um Kontakt mit dem Hund aufzunehmen. Am Ende traute es sich sogar eine Schlittenhundefahrt mit mir zu. Solche Momente geben mir ganz viel. Da ich bis zu meinem 35. Lebensjahr selbst Angst vor Hunden hatte, kann ich diese Angst sehr gut nachvollziehen.“ Andrea war lange Großstadtmensch, bevor sie die Liebe zu den Tieren und dem Landleben entdeckte. „Man lernt die essenziellen Seiten des Lebens kennen, wenn man der Natur nahe ist“, weiß sie inzwischen. Und: „Das Leben mit Tieren hat mich reich gemacht!“ Dabei stellte sie fest, dass „der Hund ein sehr soziales Tier ist, dessen Sozialstruktur sehr der von uns Menschen ähnelt. Auch das berücksichtige ich in der Haltung meiner Hunde. Ich binde sie viel in meinen Alltag ein. Selbst wenn die Zugarbeit ihre Hauptaufgabe ist, so ergeben sich noch andere Tätigkeitsfelder. Da wird beispielsweise auf Ratten- oder Mäusejagd gegangen, die es wohl auf jedem Bauernhof gibt. Jeder Hund hat verschiedene Vorlieben. So baue ich einen provisorischen Parcours für den einen oder anderen, der diesen Spaß liebt. Und natürlich haben sie auch die Möglichkeit, auf dem gesamten Gelände rumzutollen und ihre eigenen Abenteuer zu veranstalten. Zudem wird mit dem Pferd Faran kommuniziert, welches immer wieder den Kontakt zu den Hunden sucht.“
Wenn Andrea Kietzmann vom Leben mit den Tieren mitten in der Natur berichtet, gerät sie ins Schwärmen. So ist sicher zu verstehen, warum sie auch ein Herz für den Wolf hat. In vielen Ländern haben sich die Menschen mit ihm arrangiert und umgekehrt, Rumänien, Polen oder Italien beispielsweise. „Dem Mensch gegenüber ist der Wolf scheu“, erklärt Andrea, „er stellt auch lieber Reh oder Hase nach, als in die Nähe von Dörfern oder Städten zu kommen“. Natürlich kommt es vor, dass er dennoch auf Nahrungssuche und unwissend, dass Schafe, Ziegen und andere Haustiere einem Bauern gehören könnten, entsprechenden Schaden anrichtet. Zu verhindern ist das am ehesten wie in guten alten Zeiten: Mit einem Hund. Der Komondor beispielsweise, ein ungarischer Hirtenhund, wartet nur darauf, den Spieß umzudrehen. Dann ruft nicht der Wolf „Nu Sajaz, nu Pogodi!“, sondern der Hund „Wart nur Grauer, dich krieg ich!“ So wie die Natur es will. Jo. weitere Informationen unter: www.tala-projekt.de |
| Foto: A.K: |
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