| Wenn sich Talent und Ausbildung zu Ausrucksstärke mischen |
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Als ich Fotos von Anna Habeck anschaute, sah ich zwar immer den selben Menschen, aber auch immer ein anderes Gesicht. Schauspielerin eben. Sie sitzt für ein Stück 40 Minuten vor dem Spiegel und schminkt sich zur alten Frau. Aber auch ohne Hand anzulegen und Puder aufzutragen gelingt es ihr, melancholisch und hoffnungsvoll, staunend und gleichgültig, abweisend und freundlich gleichwohl dreinschauen zu können.
„Es ist schon spannend, was die Schauspielarbeit mit einem machen kann“ Der klassische Frühstarter im Kindesalter war die 23jährige nicht. Vielmehr wollte sie da noch Autorin werden, das erschien ihr realistischer. Mit 17 spürte sie eher zufällig bei einem spontanen Ausflug nach Los Angeles, dass sie wirklich alles schaffen kann, was sie will. „ Aufgrund dieses Gefühls merkte ich, dass ich das tun sollte, was ich wirklich tun möchte. Und da war es einfach in meinem Kopf: Ich möchte Schauspielerin werden“, blickt Anna zurück auf die entscheidenden Momente. Sie verließ das Gymnasium trotz guter Leistungen und suchte sich eine Schauspielschule. Wahrscheinlich dort paarten sich Talent und Ausbildung zu Ausdruckskraft. „Es ist schon ![]() Im Ensemble der Darmstädter „Compagnie Schattenvögel“ wirkt die Darstellerin erst seit Dezember 2008 mit. An diesem Haus mit einer Guckkastenbühne kann sie ihr Faible für die klassische Schauspielweise ausleben. „Derzeit spiele ich eine alte Frau, Mary Maude im Stück Vieux Carré von Tenessee Williams. Vor dem Stück sitze ich cirka 40 Minuten in der Maske und schminke mich „Sicherheit und Schauspielerei passen nicht zusammen“ Von der großen Rolle, dem großen Theater oder der großen Fernseh- oder Filmrolle träumt die junge Schauspielerin nicht, vielmehr fühlt sie sich von interessanten Engagements angezogen. Überhaupt sieht sie sich als Workaholic, immer unterwegs sein, immer etwas zu tun haben, immer weiter entwickeln. Für die Abwechslung im Schauspielerberuf nimmt sie gerne die materielle Unsicherheit in Kauf, die dieser mit sich führt. „Sicherheit und Schauspielerei passen nicht zusammen“, weiß sie. Durchaus kann Anna sich vorstellen als Arzthelferin, Psychologin, Lehrerin, Gärtnerin zu arbeiten, jedoch „nur in meinem jetzigen Beruf kann man alles vereinen und es ist immer wieder etwas Wenngleich dieser Umstand sie eher quirlig und risikobereit erscheinen lässt, schreitet Anna Habeck mit viel Verantwortungsbewusstsein durch ihr Leben. Sie mag Tiere, hätte liebend gerne die klassische Hauskatze oder noch besser einen Hund, der unregelmäßige Alltag aber hält sie davon ab. Auch wenn es um Kinder geht, bezieht sie deutliche Position: „Ich kann im Prinzip gar nicht verstehen ![]() „Nach dem Tanzen liege ich dann auf Wiesen und starre in den Himmel“ Anna weiß, dass zur Pflege von Freundschaften, besonders in der Hauptspielzeit, wenig Zeit bleibt. „Es gibt manchmal Menschen, die einen, selbst wenn man nicht mehr am selben Ort wohnt, weiterhin begleiten. Ich liebe es zu wissen, dass ich sie jederzeit anrufen kann, auch wenn ich mich ein halbes Jahr nicht gemeldet habe, vor allem weil ich bei ihnen das Gefühl habe, es hat sich nichts verändert. Solche Freundschaften sind etwas ganz besonderes, finde ich“, zeigt sie sich dankbar. Vielleicht würde die unternehmungslustige Frau mit ihren Freunden gerne öfter zum Tanz gehen, denn „beim Tanzen kann ich mich auf jeden Fall von allem frei machen und einfach nur Körper sein. Ein sehr tolles Gefühl, weshalb ich im Sommer gerne auf Festivals gehe“. Ein bisschen romantisch wird es, als sie anfügt: „Und ja, nach dem Tanzen liege ich dann auf Wiesen und starre in den Himmel.“ Das werden nicht die Momente sein, in denen Anna Habeck an Politik denkt. Bestimmte Themen liegen ihr da quer: „So zum Beispiel der Datenschutz. Ich bin ein absoluter Gegner der immer größer werdenden Überwachung. Wenn ich nur an den Fingerabdruck auf dem Reisepass denke und die immer mehr werdenden öffentlichen Kameras. Auch über das Thema Gesundheitsreform könnte ich mich länger auslassen …“ Jedoch vermisst sie auch hier einen wichtigen Faktor. „Allerdings engagiere ich mich viel zu wenig, da einfach die Zeit fehlt.“ Schon eher wird die Schauspielerin in jenen Augenblicken nach dem Tanz auf der Wiese liegend ans Meer denken, an dem sie aufgewachsen ist oder an die Stadt Leipzig, die sie „einfach nur super schön“ findet. Vielleicht besinnt sie sich dabei auch an den eigentlichen Lohn des Künstlers. „Komischerweise mag ich den Moment, wenn ich sozusagen privat auf die Bühne gehen und mich verbeugen muss, gar nicht so gerne. Ich kann selbst nicht erklären warum. Dennoch freue ich mich sehr über großen Applaus, weil es mir zeigt, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe und es den Leuten gefallen hat. Es ist also schon ein gutes Gefühl und der eigentliche Lohn des Schauspielers“, erzählt sie und ist schon wieder unterwegs zu neuen Taten. Jo. |
| Foto: David Shelton, Mitte:A.H. |
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