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„Wo ist der Starke schwach, wo ist der Schwache stark?“
Bild wird geladen... Thomas Lehmann hat zu einer gewissen inneren Ruhe gefunden und ist gleichwohl viel unterwegs. Nicht nur in der Welt. Vielmehr in sich. Wenn er als Schauspieler vor der Kamera oder auf der Bühne steht, will er „lieber sich preis geben, als was vormachen“.

Der 41jährige hat unter anderem in New York, Paris oder Berlin Theater gespielt, füllte unterschiedlichste Rollen in vielen Filmen und wähnt sich noch lange nicht angekommen. Sein Traumpart ist, einen Lehrer zu spielen mit dem Mut zum Unwissen, einen Polizisten mit Ängsten, Zweifeln und der seelischen Belastung oder einen Priester im Ringen um die Beziehung zu Gott.

Der plakativ finster drein schauende Mörder ist nicht sein Ding. Thomas Lehmann möchte herausfinden, in welcher Lebenslage der Mensch zu solchen Taten fähig wird. Deshalb setzte er von Beginn an auf profunde Ausbildung. Auf dem Bauernhof seiner Eltern („Die erste Generation Biobauern“) mit mehreren Geschwistern aufgewachsen, machte er zunächst eine Lehre zum Landwirt. Seine Schauspielkarriere sollte indes mit zahlreichen Auftritten als Klassenkasper in der Schule nicht das Ende gefunden haben. So folgte der Besuch der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Parallel dazu begann eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Regisseur Robert Wilson, dessen Inszenierungen ihn rund um den Globus führten. Werke von Shakespeare beispielsweise standen ebenso auf dem Spielplan wie von Dostojewski.

Da Film und Fernsehen für den Wahlberliner einen anderen, aber nicht minder großen Reiz besitzen als die Bühne, zog es ihn auch vor die Kamera. „Nicht das Format ist wichtig, sondern die Rolle“, erzählt Thomas Lehmann. Während das eine Medium die theatralischen, großen Gesten benötigt, kommt es für das andere auf den Glanz in den Augen an: „Das befruchtet sich gegenseitig.“

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Zwischenzeitlich nahm sich der zweifache Vater eine Erziehungszeit für die Tochter. „Sich von einer Situation in die Mitte bewegen“ gehört dazu, befindet er. Überhaupt besteht das Leben aus seiner Sicht in „ständigem Hoch und Runter“. „In Zeiten, in denen man viel zu tun hat, kann sich auch mal nichts bewegen“, hat er gelernt. Diese Erkenntnis zieht ihn in Zeiten, in denen wenige Aufträge anliegen , zum Nachdenken: „Wie weit würde ich für den Beruf gehen?“ Und zum Lernen. In diesem Jahr beim Schauspielcoach Larry Moss in New York, wo er „durch die Mangel gedreht wurde und emotional in die Knie ging“. Genau darauf ist Thomas Lehmann stolz, hatten ihm jene Erfahrungen immerhin besonders verdeutlicht: „Je mehr ich mich in eine Rolle hinein begebe, um so glaubwürdiger werde ich.“

Für den Schauspieler ist eine Figur dann echt, wenn sie facettenreich ist. „Wo ist der Starke schwach, wo ist der Schwache stark?“ Diesen Fragen geht er beruflich nach.

Dabei hilft ihm auch eine Lehre seiner Mutter aus den Zeiten auf dem Bauernhof: „Der Humor ist für den Mensch das, was der Humusboden für die Pflanze bedeutet!“ So sieht Thomas Lehmann seinen Job, durchaus auch mal eine ernste Szene augenzwinkernd zu sehen und aus der inneren Ruhe heraus rastlos zu suchen.

Jo.

Fotos: Matthias Bothor

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