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Erik sucht eine Frau
Bild wird geladen... Aus einem Busch heraus schimmert etwas weißes. Es bewegt sich zunächst kaum und die Silhouette verrät nicht, worum es sich handeln könnte. „Typisch Känguru“, verrät Heiko Steinmann, „wenn sie nichts sehen, meinen sie auch nicht gesehen zu werden“. Bei den grauen Artgenossen stimmt das, bei einem seltenen weißen Känguru nicht. Da wird die Angewohnheit zur tödlichen Falle. Deshalb ist es ein kleines Wunder und zudem menschlichem Eingreifen zu verdanken, dass Erik noch lebt.

Er ist ein Bennett Känguru und anderthalb Jahre jung. In einer Auffangstation geboren, begann ein Leben, dass normalerweise nicht lange währen soll. In freier Natur sind Tiere wie Erik mit ihrer Signalwirkung schnell erkannt und leichte Beute für natürliche Feinde, wenngleich Australien fast raubtierfreie Zone ist. Zudem und hauptsächlich hat es ein Individuum, das unüblich gefärbt ist schwer, von den eigenen Artgenossen akzeptiert und integriert zu werden. Das beginnt damit, dass die Mutter den weißen Nachwuchs schlicht aus dem Beutel wirft. Wohl hatte Erik in der Beziehung Glück, sein Martyrium begann erst, als er ganz normal auf eigenen Beinen stehen und hüpfen wollte. Die Gruppe wollte ihn nicht, er drohte sozial zu vereinsamen und letztlich daran zugrunde zu gehen.

Davon hörte Heiko Steinmann, der im hessischen Mansbach Tiere verschiedenster Arten therapiert und holte das weiße Känguru zu sich. „Die Sozialisierung funktioniert schneller als gedacht“, freut er sich. Der seltene Gast, verunsichert und mit Kampf-Blessuren angereist, demolierte zunächst den Zaun, wenn jemand vorbeilief, sprang aufgeregt und bedrohlich nach allem was sich bewegte. „Vor allem braucht er Ruhe, das Gefühl von Sicherheit“, ist sein Gastgeber sich sicher. Und genau das bekommt Erik. Vielleicht hilft ihm auch die Anwesenheit von Hase Rudi, einem „Deutschen Riesen“, der in direkter Nachbarschaft logiert. Die beiden beäugen und beschnuppern sich oft, suchen als von Natur aus gesellige Tiere eine Familie.

Die will auch Heiko Steinmann als Punkt Zwei des Sozialisierungsplanes dem Känguru-Mann Erik garantieren. Dann nennt er schmunzelnd seinen weißen Freund Erich und sucht „eine Margot für ihn“. „Wenn er seine eigene Familie gründet, wird er von dieser auch akzeptiert, ist sogar das Oberhaupt. Mit weißem Nachwuchs ist nicht zu rechnen“, schaut der Tiertherapeut zuversichtlich nach vorne. Deshalb sucht er erstens eine Känguru-Dame und zweitens Hilfe bei der Finanzierung. „Da sind wir auf private Spenden angewiesen“, erzählt der engagierte Mann. Unterdessen hat sich draußen der weiße Gast in sein Haus zurückgezogen. Dort steht Futter und dort ist er noch sicherer als im Unterholz.

Die Natur meint es oft nicht gut mit Außenseitern. Der Mensch kann nachhelfen. Von der Mutter abgestoßene Eisbären beispielweise werden mit der Flasche und viel Liebe groß gezogen. Im Fall von Knut brachte das dem Berliner Zoo zudem viel Aufmerksamkeit und noch mehr Geld. Das weiße Känguru Erik hingegen braucht noch ein wenig Ruhe und eine Frau. Heiko Steinmann will ihm dabei „eine faire Chance“ geben.

Kontakt zu Heiko Steimann über: http://www.mcmell.de/ oder 0171-7025238

Jo.

Foto: JJ

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