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Evivo – Volleyball elektrisiert die Stadt
Einst war der Fußball die dominante Sportart in Düren, wo Nationalspieler wie Toni Schumacher oder Karl-Heinz Schnellinger ihre Karriere begannen. Heute heißen die Helden Sven Anton, Heriberto Quero, Ilja Wiederschein oder Malte Holschen.

Wenn man in Düren nach der Bedeutung von evivo fragt, wird kaum jemand etwas von den Stadtwerken erzählen, obwohl der Energieversorger seine Produkte unter diesem Namen verkauft. Alle werden von einem Volleyballverein schwärmen, der sich zum erfolgreichsten sportlichen Vertreter der Stadt zwischen Aachen und Köln entwickelt hat. Dreimal deutscher Vizemeister, Pokalfinalist und zwei Jahre in der Champions League – eine solche Bilanz können nicht allzu viele Bundesligisten aufweisen. Ein Titelgewinn fehlt zwar noch, aber die Euphorie rund um die Mannschaft und das Engagement aller Beteiligten für den Verein sind bereits meisterlich.

Einen gewaltigen Ausbruch des rot-weißen Vulkans erlebten 3000 Fans in der Arena Kreis Düren und viele weitere bei der Live-Übertragung im Internet am 17. April 2005, als evivo im Playoff-Halbfinale den amtierenden Meister SCC Berlin stürzte. Radioreporter Robert Wirtz verkündete der ganzen Welt die Ankunft der erfolgreichsten Dürener Volleyball-Mannschaft aller Zeiten. Um die besondere Emotionalität dieses Augenblicks zu verstehen, muss man einige Jahrzehnte zurückgehen. Damals gründeten einige positiv Verrückte mitten zwischen den Fußball-Hochburgen Köln, Gladbach und Aachen die Volleyball-Abteilung des Dürener TV. Nachdem der Verein 1980 erstmals die höchste deutsche Spielklasse erreicht hatte, dauerte es noch einige Jahre, bis der Fahrstuhl dauerhaft in der oberen Etage blieb. In den Jahren entstand ein enger Kontakt zwischen der Mannschaft und den Anhängern, die seit 1995 im Fanclub „Moskitos“ (benannt nach dem Trainer Michael Mücke) organisiert sind. Dieses Gefühl von Heimat und Zusammenhalt prägt bis heute den Verein.

Nun durfte das Team zum ersten Mal im Finale um die deutsche Meisterschaft antreten, das gegen den Rekordsieger VfB Friedrichshafen noch ziemlich deutlich mit 0:3 verloren ging, und sicherte sich die Eintrittskarte für die internationale Elite des Sports. Gleich beim ersten Auftritt in der Champions League mussten die Fans ihre Definition des Superlativs „größter Erfolg der Vereinsgeschichte“ überdenken. Ihre Jungs waren nämlich beim Auswärtsspiel gegen Sisley Treviso, eine der besten Mannschaft der Welt, nur einen einzigen Punkt von einem unfassbaren 3:0-Sieg gegen die Italiener entfernt. Einige Woche später schieden sie zwar trotz hervorragender Leistungen nach der Gruppenphase aus, aber der Name evivo Düren war nun international etabliert.

In der folgenden Saison unterlag Düren erst im fünften Spiel der nationalen Finalserie und trat erneut in der Champions League an. Nach der dritten Vizemeisterschaft endete der nationale Ligawettbewerb in der Spielzeit 2007/08 bereits im Viertelfinale gegen Unterhaching. Trotzdem gab es erneut einen emotionalen Höhepunkt, als die Fans in Sonderzügen ins westfälische Halle fuhren. Im Gerry-Weber-Stadion kämpften ihre Jungs um den DVV-Pokal und verpassten den ersten Titelgewinn nur knapp. Bei diesem Spiel stand der langjährige Kapitän Sven Anton noch als Motivator auf dem Spielfeld. In der aktuellen Saison 2008/09 steht „Susi“, wie ihn die Fans liebevoll nennen, erstmals neben der Seitenlinie. Sein Anspruch an das mit fünf neuen Spielern runderneuerte Team könnte als Motto auf der ersten Seite der Vereinschronik stehen: Die Fans sollen nach dem Spiel begeistert die Arena verlassen, weil die Mannschaft alles gegeben hat.

Markus Schnitzler


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