| Zottelig, urig, stark und freundlich |
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„Das Auffallendste am Komondor ist sein ungewöhnlich mächtiges Äußeres“, schreibt Dierk Eisenschmidt in seinem Buch „Ungarische Hirtenhunde“. Weiter hebt er „Unbestechlichkeit, Geradlinigkeit und sauberes, freies Wesen“ hervor. Von seinem Hund berichtet er, dass er zweimal Menschen (leicht) gebissen hat, von denen sich später herausstellte, sie waren falsche Freunde. Der Komondor hat es gleich gespürt.
Auch Bärbel Kloss, die in Sachsen-Anhalt diese Rasse und den Puli (ungarischer Hütehund) züchtet, kennt von ihren behaarten Freunden ähnliche Geschichten. Als sie und ihr Mann den ersten zotteligen Gesellen aufs Grundstück holten, lasen sie viel Negatives. Von aggressiven, schwer erziehbaren Tieren war die Rede. Alles Quatsch, wie sich herausstellte. „Entscheidend ist immer, was der Mensch aus dem Hund macht“, ist sich die erfolgreiche Züchterin sicher. Man kann einen possierlichen Mini Yorkshire zu einer Bestie formen, die indes wenig Unheil anrichten kann mit zwei Kilo Kampfgewicht. Genauso können als Kampfhund deklarierte Individuen friedlich und verschmust daher kommen. ![]() Der Komondor mit dem adligen Name „Döme von Thüringen“ kommt auf mich zu getrottet und schaut erst mal nur. Seine Mutter Kocos, die Weltsiegerin 2008, lehnt derweil vertraulich, als würden sie sich ewig kennen, an Fotografin Jasmins Beinen und lässt sich graulen. Als der große Rüde mit der tatsächlich mächtigen Statur direkt neben mir Stellung bezieht, behalte ich meinen Respekt und harre passiv der Dinge, die da geschehen. Döme macht es genauso. Ich sehe, wie das charakteristische verfilzte Fell, an Rastazöpfe jamaikanischer Reageemusiker erinnernd, aus seiner muskulösen Schulterpartie wächst. So stehen wir eine Weile da, bis ich mir doch ein Herz fasse und den Hund streichle. Nun fasst er sich ein Herz und lehnt sich unbürokratisch an mich. Natürlich weiß ich, dass diese emotionalen Szenen nicht möglich wären, würden Bärbel und Jochen Kloss nicht daneben stehen und schon gar nicht, wenn sie die Komondore nicht so friedlich erzogen hätten. Klar ist mir auch, dass ich bei Nacht und Nebel über den Zaun steigend, ganz anders von den Hirtenhunden empfangen worden wäre. Über Jahrtausende war der Job der Rasse, vor allem in der Nacht, Wölfe, Bären oder Diebe von Schaf- oder Pferdeherden fern zu halten. Sie erledigten das eigenständig und unerschrocken. Dieser Urtrieb steckt in jedem Komondor. Er liegt im Dunkel auf der Lauer, vorzugsweise an einem erhöhten Punkt und ist bei Gefahr „von Null auf Hundert in einem Moment, wie ein Ferrari“, beschreibt es Jochen Kloss. Bei Tag döst der Hund vor sich hin, indes stets auf dem Sprung. Der ungarische Hirtenhund braucht keine endlosen Spaziergänge wie ein Jagdhund, keine anspruchsvollen, zeitintensiven Beschäftigungen wie der Border-Collie. Er will auch keine Schlitten ziehen wie der Husky. Wer sich einen behaarten Gesellen auf vier Pfoten mit kalter Schnauze zulegen möchte, sollte weniger auf Modetrends schauen, so hip dies sein mag. Ebenso ist es Unsinn, nur nach dem Äußeren zu schauen, so chic es erscheint. Wie der Mensch, hat auch das Tier einen Charakter und Bedürfnisse, daraus wiederum entstehen Erfordernisse und Verpflichtungen an den Halter. Relativ neu haben Bärbel und Jochen Kloss einen Komondor auf ihrem Grundstück, der in Ungarn eingesperrt und schlecht ernährt vor sich hin fristete. Der nunmehr drei Jahre alte Rüde ist mittlerweile, dank guter Pflege und Erziehung, eine Mixtur aus Ursprung und zivilem Benehmen. Wohl geht er unbeeindruckt über Stock und Stein, furcht Beete um und springt in Teiche, gleichwohl zeigt er sich Menschen gegenüber, nach fünf Minuten Beruhigungsphase, sehr freundlich. Dominanz signalisierend stellt Balihazi Czello den Schwanz nach oben und wird dadurch noch größer und gewaltiger als er eh schon ist. „Etwas besser hören lernt er schon noch“, gibt die erfahrene Hundezüchterin sich zuversichtlich. Worauf Bärbel Kloss, außer auf zahllose Auszeichnungen und Siegerurkunden für ihre Hunde, besonders stolz ist: Ein Züchter-Zertifikat vom „Verband für das Deutsche Hundewesen“. Das sichert Seriosität. In einer Zeit, wo skrupellose Geschäftemacher - ohne Rücksicht auf die Gesundheit oder die Erhaltung typischer Rassemerkmale der anvertrauten Tiere - in großem Stil ihr Unwesen treiben, zumindest ein kleiner Sicherheitsfaktor für den interessierten, wirklichen Hundefreund. Vor allem aber für die freundlichen, vierbeinigen Gesellen selbst. Jo. Weitere Informationen: |
| Foto: JF |
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