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Eine Stunde Schwitzen, die sich gelohnt hat
Bild wird geladen...Mittags um 12:00 Uhr auf dem Münchner Marienplatz. Irgendwann im August. Tina Kaiser, ansonsten Moderatorin und Model, hockt blutverschmiert im Pelzmantel in einem viel zu kleinen Käfig. Die Sonne knallt erbarmungslos. Innerhalb einer Stunde beobachten Tausende Passanten das Schauspiel direkt unterm Glockenspiel.

Die junge, engagierte Frau und einige Helferinnen der Tierschutzorganisation PETA wollen auf Missstände aufmerksam machen. So wie Tina zeitlich begrenzt und freiwillig im Käfig eingesperrt ist, sind es täglich, ihr Leben lang, verschiedene Pelztiere. Nerze und Füchse beispielsweise. Sie sind der Kälte wie der Hitze gleichermaßen ausgesetzt. Sie sind teilweise Einzelgänger und werden mit weiteren Leidensgenossen eingepfercht. Das führt zu Beißereien und Verletzungen. Oft kümmert sich niemand um die angeschlagenen Tiere, sie sterben qualvoll.

Deshalb trägt die Moderatorin im richtigen Leben keinen Pelz. Schon als Kind fand sie diese Bekleidung ekelig. Auch mit Fleisch, das an Knochen hängt, konnte sie sich noch nie anfreunden. Seit 14 Jahren ernährt sie sich daher, und weil sie um die grausame Massentierhaltung weiß, vegetarisch. Mit dem Holzhammer bekehren will sie niemand zu ihrer Lebensweise. Tina weiß wohl, dass sie die Welt nicht alleine und von heute auf morgen verändern kann. „Wenn ich mit meinen Essgewohnheiten dafür sorge, dass drei bis vier Kühe weniger geschlachtet werden müssen, habe ich schon viel erreicht“, gibt sie sich realistisch, „und wenn die eine oder andere Freundin keinen Pelz mehr kauft, auch!“

Von den Konsumenten erhofft die Tierliebhaberin sich, „dass sie einfach nachdenken, was sie kaufen“ und sich nicht „durch Werbung oder Schreckensmeldungen über nachlassende Kaufkraft und steigende Preise fremdbestimmen lassen“. Von der Politik erwartet sie klare Regelungen zum Schutz der Tiere und der Umwelt, am besten weltweit. Sie weiß, dass billige Lebensmittel nur scheinbar billig sind. Den wirklichen Preis zahlen wir über die Steuern und die Vernichtung der Umwelt. „ Wenn die Mauern der Schlachthöfe aus Glas wären, würde jeder Vegetarier werden“, zitiert Tina Kaiser den Musiker Paul McCartney und schließt sich dem an.

„Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück“, warnte Pythagoras. Viele Freunde unserer gefiederten oder pelzigen Zeitgenossen versuchen das Schlimmste zu verhindern. Sicher hat die Aktion der Münchnerin auf dem Marienplatz die Menschen nachdenklicher gemacht. Dann hat sich eine Stunde Schwitzen im Käfig gelohnt.

Jörg Joachim nach einem angenehmen Gespräch mit Tina Kaiser über ein unangenehmes Thema.

Foto: Peta

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