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Interview mit Grünen-Politikerin und Ex-Ministerin Renate Künast
Bild wird geladen...Wie wichtig ist Ihnen Tierschutz?

Die Idee von einer Gesellschaft, die sich auf eine nachhaltige und zukunftsfähige Lebensweise ausrichtet und in der Menschen nicht auf Kosten der Tiere leben, ist für mich ein wichtiger Antrieb.
Beim Tierschutz gilt für mich: Think Big! Es geht um mehr als um einzelne Tierschicksale, die uns besonders anrühren. Es geht um die großen Entscheidungen, die wir als Gesellschaft treffen. Wenn wir einen respektvollen Umgang mit den Tieren wollen, dann muss die Politik klare Regeln setzen.

Ärgert es Sie, dass Sie während Ihrer Amtszeit als Ministerin nichts gegen die grausamen Zustände der Tierhaltung in Massenhaltungsbetrieben unternehmen konnten?

Während meiner Amtszeit haben wir viel für den Tierschutz erreicht. Unser größter Erfolg ist die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz. Darüber hinaus habe ich z.B. die Bindung der europäischen Agrarförderung an die Einhaltung bestimmter Tierschutzauflagen und das Verbot der Käfighaltung von Legehennen durchgesetzt.
Was mich ärgert ist, dass die große Koalition beim Tierschutz den Rückwärtsgang eingelegt hat. Bundesminister Seehofer hat als Morgengabe für die Käfigeier-Barone das Verbot der Legebatterie zurückgenommen. Er hat auch flächengebundene Tierhaltung als Voraussetzung für eine Förderung von Stallneubauten, die ich eingeführt hatte, gestrichen. Gleichzeitig hat die große Koalition die Bürgerbeteiligung bei der Genehmigung von Tierhaltungsanlagen deutlich verschlechtert. So werden Tierschutz und Verbraucherwillen den Interessen der Wirtschaft geopfert.
Wie gut, dass immer mehr VerbraucherInnen wissen: Kein Ei mit 3.

Ist es nach Ihrer Ansicht möglich, bei artgerechtem, tierfreundlichen Umgang mit Hennen oder Kühen beispielsweise Lebensmittel mit bezahlbaren Preisen und in ausreichender Menge der Bevölkerung anzubieten? Oder muss Quälerei sein?

Produkte aus der Massentierhaltung sind nur deswegen so billig, weil wir an anderer Stelle für die verheerenden Auswirkungen, die diese Haltungsform auf Umwelt, Klima und die Tiere hat, bezahlen müssen. Das Geld wird uns dann nicht an der Kasse, sondern vom Finanzamt abgezogen.

Wie engagieren Sie sich jetzt in der Opposition für den Tierschutz?

Natürlich verfolgen wir Grüne auch in der Opposition unsere tierschutzpolitischen Ziele entschlossen weiter. Auf unsere Initiative hin wurde im Bundestag das Verbot der Einfuhr von Robbenprodukten verabschiedet. Wir arbeiten an einem Entwurf für ein neues Tierschutzgesetz, dass die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz umsetzt, und machen uns für die bundesweite Einführung des Verbandklagerechts für Tierschutzverbände stark. Im Bereich der Nutztierhaltung setzen wir uns unter anderem für ein Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln ein.

Haben Sie Haustiere oder ist keine Zeit dazu?

Ein Haustier wäre bei meiner zeitlichen Belastung doch zu einsam. Schade!
Foto: Grünen-Fraktion Bundestag

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