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Gut beschirmt ins Internet
Von Gerd Ahrendt

Der roter Schirm auf weißem Grund, Markenzeichen für IT-Sicherheit Made in Germany, ist auf dem Vormarsch: Nach Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen jetzt Frankreich, Spanien und Italien an. In absehbarer Zukunft sollen auch Japan, Indien und die Arabischen Emirate folgen. „Internationalität ist wichtig, aber gut Ding will Weile haben“, sagt Tjark Auerbach, Geschäftsführer der Avira GmbH in Tettnang.

Seit Gründung des Unternehmens sind fast 20 Jahre vergangen. Der Startschuss fiel Mitte der 1980er Jahre im Steakhouse in Friedrichshafen. „Dort haben wir uns den Firmennamen überlegt“, erzählt Auerbach. Da er und sein Kompagnon damals noch bei einem anderen Unternehmen angestellt waren, entschieden sie sich für die Vornamen ihrer Frauen: Statt Hanna und Betty wählten sie jedoch das Kürzel H+B – kombiniert mit dem Zusatz „EDV“ und „Datentechnik“. Der komplizierte Name wurde erst 2006 durch das einprägsame Avira ersetzt.

Dass der gebürtige Münchner in der ehemaligen Residenz der Montfortgrafen heimisch wurde, hängt mit der Liebe zu einer Schwäbin und seiner Ausbildung an der Elektronikschule Tettnang zusammen. Mit Viren war er eher zufällig ins Geschäft gekommen. Die ersten vier Jahre seit der Gewerbeanmeldung handelte er mit importierter Software, so genannten PC-Tools. Dann befreite er den Rechner eines Freundes von einem Virus, und ein ertragreiches Geschäftsfeld für die neue GmbH war entdeckt. Das Programmieren der unter dem Namen Antivir bekannt gewordenen Schutzprogramme überließ Auerbach seinen beiden Mit-Gesellschaftern.

Die Tettnanger haben ihren Schutzschirm längst nicht nur über die Windows-Welt gespannt. Auch Linux-Rechner gehören dazu – ebenso wie moderne Taschencomputer (PDA) oder Smartphones (Handy mit PDA). Momentan nutzen mehr als 70 Millionen professionelle und private Anwender vorwiegend im deutschsprachigen Raum die verschiedenen Schutzprogramme für PC und Netzwerke. Zu den nationalen und internationalen Kunden zählen börsennotierte Unternehmen, Bildungseinrichtungen und öffentliche Auftraggeber.

Dass nur jeder 20. Nutzer zu den zahlenden Kunden zählt, stört Auerbach überhaupt nicht. Im Gegenteil: Das kostenlose „AntiVir“ garantiert maximalen Bekanntheitsgrad bei minimalem Aufwand. „Und wir haben 70 Millionen Sensoren im Internet“, nennt er als weiteren Vorteil. Denn jeder Nutzer kann verdächtige Dateien jederzeit an Avira schicken. Dieses Frühwarnsystem garantiert nicht nur Kundennähe, sondern stärkt die Unternehmensmaxime „Erkennung, Erkennung, Erkennung“.

Das ist auch nötiger denn je. Denn die Bedrohungslage hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. Was früher noch als Imponiergehabe vorwiegend jugendlicher Computerfreaks abzuhaken war, hat heute „echt kriminellen Hintergrund“, sagt Auerbach. Alle 20 Sekunden entdecken die Avira-Spezialisten einen neuen Schädling im Netz – im Fachjargon Malware genannt. Umso unverständlicher ist ihm der sorglose Umgang vieler Anwender mit ihren Daten. Regelmäßige Backups und gesunder Menschenverstand sind in seinen Augen das Wichtigste. Das Internet sei schließlich „kein lieber Streichelzoo“, sondern ein „gefährliches Haifischbecken“.

Zum 20-jährigen Firmenbestehen im Februar 2010 will Auerbach den geplanten Neubau im Tettnanger Gewerbegebiet Schäferhof in Betrieb nehmen. Bislang sind die 180 Mitarbeiter der Zentrale auf acht verschiedene Gebäude in der Innenstadt verteilt. An der Unternehmensform GmbH soll sich nichts ändern.

Avira GmbH

Mitte der 1980er Jahre machte sich Tjark Auerbach mit der H+B EDV Datentechnik selbstständig. 1990 folgte der Eintrag als GmbH ins Handelsregister. Seit März 2006 tritt das Unternehmen unter dem Namen Avira GmbH am Markt auf. Firmensitz ist Tettnang im Bodenseekreis. Avira unterhält eine Zweigstelle in Bukarest, eine Vertriebstochter in Innsbruck, mehre Stützpunkte im deutschsprachigen Raum und pflegt Partnerschaften in Europa, Asien und Amerika. Mit weltweit 250 Mitarbeitern erzielt Avira einen Jahresumsatz von 22 Millionen Euro. Über die Auerbach-Stiftung sorgt Avira nicht nur für den Schutz der virtuellen Umgebung, sondern kümmert sich auch um mehr Sicherheit in der realen Welt. Die Stiftung des Firmengründers fördert gemeinnützige und soziale Vorhaben sowie Kunst, Kultur und Wissenschaft. (ahr)


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