| Ein Diebstahl und der Traum von der Million |
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Im Sommer feiern die Dürener ihre Annakirmes, eines der größten Volksfeste in der Republik. Die lange Geschichte des neuntägigen Rummels begann vor mehr als 500 Jahren in einer Mainzer Kirche.
Max Röntz hofft auf die Million. Dabei sitzt der Mitarbeiter des Vermessungsamtes der Stadt Düren gar nicht auf dem heißen Stuhl in Günther Jauchs Quizshow. Die Einheit, in der er zählt, heißt nicht Euro, sondern Besucher. Die magische Zahl will er im Juli/August jeden Jahres auf einem der größten Volksfeste Deutschlands erreichen. Seit zwanzig Jahren ist Röntz Platzmeister der Annakirmes. Mit seinem Team sorgt er dafür, dass sich die Gäste in der nordrhein-westfälischen Stadt an einer bunten Mischung aus Fahrgeschäften und gastronomischen Einrichtungen erfreuen können. Für ein Volksfest im 21. Jahrhundert ist nicht allein die Auswahl der richtigen Schausteller, deren Bewerbungen immer die Anzahl der zu vergebenden Plätze übersteigt, von entscheidender Bedeutung, sondern auch die Sicherheit der Gäste. Da erscheint es wie eine Ironie des Schicksals, dass die Geschichte der Annakirmes ausgerechnet mit einem Diebstahl begann. Wenige Wochen vor Weihnachten stahl der Steinmetz Leonhard im Jahr 1500 die Reliquie der heiligen Anna, der Großmutter Jesu, aus einer Mainzer Kirche und brachte sie nach Düren. Nach einem erbitterten Streit entschied Papst Julius II. zugunsten der neuen Besitzer. Seitdem zogen viele Pilger in die Stadt an der Rur, um das Annahaupt zu verehren. Die Händler wollten davon profitieren und boten den gläubigen Besuchern ihre Waren an. 1638 fand der erste urkundlich dokumentierte Annenmarkt statt und als die Tuchkrämer allmählich von Schaustellern abgelöst wurden, entwickelte sich daraus die Annakirmes. Sie ist nicht das einzige Volksfest im Westen der Republik, aber dank ihrer Tradition und ihres attraktiven Angebots kann sie sich gegenüber der Veranstaltung in Düsseldorf, die sich selbst als „größte Kirmes am Rhein“ bezeichnet, und dem Öcher Bend in Aachen behaupten. Gäste aus benachbarten Städten freuen sich ebenso auf den Rummel wie die Einheimischen. Wenn sich die Dürener in der Annakirmes-Woche, die traditionell am 26. Juli oder dem darauf folgenden Samstag beginnt, verabreden, ist der Treffpunkt klar. Sehen und gesehen werden – dieses Motto gilt auch bei dem neun Tage dauernden Spektakel. Wer sich nicht auf Achterbahn und Pommesbude beschränken will, kann einige besondere Veranstaltung besuchen. Kurz nachdem die drei Böllerschüsse zur Eröffnung abgefeuert wurden, findet sogar eine Weltmeisterschaft statt, bei der die Athleten einen Kirschkern in Rekordweiten jenseits der zwanzig Meter spucken. Im Festzelt bieten die Veranstalter durchgehend musikalische Unterhaltung und am Montag wird die Miss Annakirmes gewählt. Das Vergnügen kostet am Dienstag nur die Hälfte und donnerstags ist der Bürgermeister mit anderen Prominenten auf dem Platz unterwegs. Am Freitagabend leuchten nicht nur die zahlreichen Lampen auf der Kirmes, sondern auch das Feuerwerk. Damit bedanken sich die Schausteller bei ihren treuen Gästen, die ihr Geld trotz wirtschaftlicher Zwänge gerne auf der Annakirmes ausgeben. Wenn die Fahrgeschäfte und Buden kurze Zeit später weiterziehen, arbeiten die Veranstalter in Düren bereits an der nächsten Ausgabe. Der Traum von der Million soll sich schließlich jedes Jahr aufs Neue verwirklichen. Markus Schnitzler |
| Foto: Rudi Pixelio |
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