| Der Stadtschreiber von Erfurt über Literaturförderung, Buchlesungen und nicht abgeschickte Briefe |
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Finn-Ole Heinrich ist erst 26 Jahre jung und füllt schon eine Menge Papier mit der Aufzählung von Erfolgen und Preisen. Er gewann zahlreiche Poetry-Slams, erhielt ein Literatur-Stipendium der Stiftung Niedersachsen, kam zu Veröffentlichungen in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften, war Preisträger beim “Schreibzimmer“-Literaturwettbewerb und Preisträger des Bayerisch-Schwäbischen Literaturpreises (Walter-Fick-Preis). Auch ein Stipendiat der Lamspringer September-Gesellschaft erhielt er und den Niedersächsischen Förderpreis für Literatur 2008.
Das ist nur eine kleine Auswahl. In diesem Jahr war Finn-Ole Stadtschreiber von Erfurt und fühlt sich deshalb wie zu Hause auf dem Anger, dem Domplatz oder der Krämerbrücke. Am Wenigemarkt trafen sich die Burgsee-Kurier-Mitstreiter Jasmin Fuchs und Jörg Joachim zu einem Gespräch mit dem jungen Schriftsteller: JJ: Was hat dich auf die Idee für Ihren Roman "Räuberhände" gebracht? Finn-Ole Heinrich: Da gibt’s natürlich nicht nur eine Sache, ist ja ein Roman mit vielen unterschiedlichen Themen. Aber der Ausgangspunkt war eine Erinnerung, die mir plötzlich wieder eingefallen ist und auf deren Grundlage ich dann eine Erzählung geschrieben habe, die dann auch gleich "Räuberhände" hieß - ein Straßenfest, auf dem ich als junger Jugendlicher so rumlief, eine Freundin suchte und von einer Pennerin zum Tanzen genötigt wurde und die dann immer zudringlicher wurde. Ich bin einfach schnell weggelaufen und hab’s völlig vergessen, aber als ich mit jahrelangem Abstand wieder daran dachte, musste ich unweigerlich darüber nachdenken, was wohl passiert wäre, wenn ich nicht sofort gegangen wäre... JJ: Wie wichtig sind dir Preise wie der Literatur-Förderpreis Niedersachsen?Finn-Ole Heinrich: Über Literaturförderung wurde ja in den letzten Wochen mal wieder einiges gesagt und geschrieben. In der FAZ konnte man zum Beispiel lesen, es gebe zu viel Literaturförderung und der Autor des Artikels forderte provokant: „Schadet den Schriftstellern! Hungert sie aus! Macht sie wütend!“, weil nur so wirklich große, notwendige Literatur entstehen könne. Ich finde, das ist nicht nur eine viel zu romantische Vorstellung von Kunst und wie sie entsteht, sondern schlicht Quatsch, wenn man sich mal klar macht, was es bedeuten würde, wenn das Geld zur Literaturproduktion nur noch von den Verlagen käme: Verlage sind im Normalfall Wirtschaftsunternehmen. Und als solche handeln sie. Sie veröffentlichen das, was sich verkauft, das, was die Leute lesen wollen und was der Markt eben verlangt. Und das ist sicherlich nicht notwendigerweise Literatur. Ich weiß nicht, ob es positive Auswirkungen auf die Literaturlandschaft hätte, wenn das Geld nur noch von wirtschaftlich denkenden Verlagen käme. Im Speziellen – und darauf komme ich gleich – gibt es vielleicht auch andere Modelle und Verlage, glücklicherweise. Aber erst mal im Groben eine Antwort auf diesen Unsinn: Nein, Literaturförderung ist ganz sicher nicht überflüssig und übertrieben, sondern ganz und gar notwendig, denn wenn Literatur nur noch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrieben würde, verlöre sie ihren Geist, ihre Aufgabe, ihr Wesen. Bestimmt ist Literaturförderung keine Garantie für hochwertige Literatur, aber an der richtigen Stelle eingesetzt, ermöglicht sie Freiraum, Freiheit, Unabhängigkeit, Gelegenheit zu einem freien Entwurf. Und deshalb ist es auch eine verantwortungsvolle Aufgabe, Literaturförderung zu vergeben. JJ: Machen dir Lesungen Spaß, kommst du dabei gut mit den Gästen ins Gespräch? Sehr! Ich lese wirklich gern. Das ist ja auch ein bisschen der Ort, wo man sich den Lohn der Schreibtischarbeit abholt. Wo man spürt und erleben darf, was die Geschichten anrichten, die man so in die Welt stellt. In der Regel sind es schöne Erlebnisse, ganz manchmal gibt’s natürlich auch Situationen, wo der Funke nicht überspringt, aber bei den vielen Lesungen, die ich bisher so gemacht hab, war das genau zwei mal der Fall.Ob man ins Gespräch kommt, hängt immer auch ein bisschen vom Rahmen, von der Moderation und natürlich vom Publikum ab. Ich selbst hab immer ein großes Interesse am Gespräch, ist für mich ja sehr interessant. Aber nicht immer klappt das. Ich lese aber auch viel in Schulen und wenn man da mal das Glück hat, in einem Klassenverbund zu lesen und etwas Zeit zu haben, kommen da ganz spannende Gespräche zustande. Und mit einem guten Moderator auf einer Lesung, der das Publikum gut mit reinholt, kann es auch toll sein. Ich selbst bin da manchmal noch etwas zu schüchtern. Ein großer Entertainer bin ich nicht, glaube ich. Jedenfalls nicht außerhalb meiner Texte. Ich glaube übrigens auch, dass das viele Lesen für meine Textarbeit sehr wichtig ist. Das hat meine Sprache geformt, beim Vorlesen merke ich ganz deutlich, welche Sätze noch zu schwach sind oder bei welchen Sätzen ich mich zumindest noch unwohl fühle, wenn ich sie einem Publikum vorstelle... ein gutes Korrektiv. JJ: Wann hast du mit Schreiben angefangen, ist deine Deutschlehrerin oder dein Deutschlehrer schon auf dich aufmerksam geworden? Finn-Ole Heinrich: Ich hab schon immer schreibend nachgedacht. Früher hab ich Briefe geschrieben, ohne diese dann zu verschicken. Nur für mich, zum Gedanken kämmen. Geschichten zu schreiben habe ich mit 17 angefangen, ungefähr. Und meine Deutschlehrer haben mir zum Aufhören geraten. Zum Glück gibt’s eine gut funktionierende Literaturförderung in Deutschland... sonst würden wir uns heute wahrscheinlich nicht unterhalten. JJ: Danke Finn-Ole. |
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