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Trudi, Chiky und ihr Kampf gegen die nationale Depression
Bild wird geladen...Trudi und Chicky sind Hühner. Ihr zu Hause ist die Welt. Die Zirkuswelt. „Vor 20 Jahren wäre das Gelände hier voller Kinder gewesen“, erinnert sich Direktor Oliver Häberle zurück, als er seine beiden gefiederten Freundinnen über den Platz mitten im Dorf flanieren sieht. Nur seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für Leben. Sie bauen das Zelt auf. Die gelenkigste Frau der Welt hängt die Vorhänge an, der LKW-Fahrer und Requisiteur zieht die Gurte straff und der ehemalige Weltmeister in der Paar-Akrobatik fegt die Manege.

„Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte ein Zirkus dieser Größe 50 Angestellte gehabt, jetzt sind es 27.“ Der Chef des Zirkus Herkules erzählt das ohne Resignation, aber mit einem gewissen Groll auf die Bürokratie in Deutschland, die sich durch EU-Recht noch mal verstärkt und es nicht leicht macht, Personal einzustellen. „Die Arbeit ist sehr hart, davor scheuen viele. Selbst Leute aus Osteuropa kommen nicht mehr wie früher und wenn doch, beginnt das Problem mit der Arbeitserlaubnis.“

Überhaupt klingt der 37jährige Schwabe, der mal als Ferienkind beim Zirkus begann und alles erlebte, alles machte im und um das Zelt, zunächst leicht frustriert: „Die Menschen sind satt, sie sind überladen mit Informationen. Sie sitzen lieber vorm Fernseher oder Computer. Dennoch gab es letztes Jahr einen klaren Trend zurück zum Zirkus.“ Dann lancierten erst einige Politiker, dann im Chor die Medien Horrormeldungen, wie schlecht es den Menschen in Deutschland gehe und schon bleiben die Gäste aus, drehen jeden Cent dreimal rum, bevor sie ihn in eine Play Station investieren.

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Manchmal leuchten aber auch die Augen des Direktors, der diese Position seit Januar 2008 ausfüllt und unmittelbar davor als Clown in der Schweiz arbeitete. „Die Kinderaugen zu sehen, wenn ein Kamel in der Manege vor ihnen steht oder ich als Clown sie zum Lachen bringe, das entschädigt für alles!“ Oliver Häberle hält inne, denkt nach und ergänzt: „Heute kam eine E-Mail von einer Frau aus Dorndorf. Da waren wir gestern. Sie hat sich bedankt für den schönen Abend und geschrieben, wir sollen genau so weiter machen.“

Auch wenn der ernst und bedacht wirkende Mann über die Zirkustiere spricht, begleitet ein Lächeln seine Stimme: „Den Tieren geht’s besser als manchem Mitarbeiter!“ Tatsächlich trotten gemächlich Ziegen und Hunde, dazu Trudi und Chiky über den Platz, ein Kamel, Alpakas, Pferde, Esel und diverse gehörnte Zeitgenossen grasen zufrieden in einem Gatter. „Wirklich eingesperrt sind nur die Tiger“, berichtet der Direktor. Das ist wohl ein Beitrag sowohl zum Tier- als auch zum Menschenschutz.

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Wenn dann die Gäste vor der Vorstellung an der Kasse stehen, ist der Chef im Clownskostüm und verkauft die Eintrittskarten, weil die Kassiererin einfach aus dem Urlaub nicht wieder kam. Dabei nutzt er Computer und Drucker, „weil die Bürokratie es verlangt“, scherzt aber unbeeindruckt davon mit den Besuchern. Später, nach dem Auftritt des Dompteurs mit den Tigern und eines Jongleurs stolpert Oliver Häberle mit Riesen-Schuhen und großer, roter Nase in die Manege, begleitet von Francesco. Die Beiden holen junge Männer ins Rund und beziehen sie ein in ihre Streiche. Der Clown geht dicht an die ersten Stuhlreihen und schaut den Kindern, die da abwechselnd staunend und lachend sitzen, tief in die Augen. Genau in dem Moment weiß der engagierte Mann, warum er einen der schönsten Berufe überhaupt ausübt, warum er den halben Tag über Anträgen und Nachweisen sitzt, von denen die meisten für die Katz, oder besser gesagt für den deutschen Amtsschimmel sind.

Hinter den Kinderaugen sieht er ein Herz, das der Zirkus erreicht hat.

Foto: JF, Zirkus Herkules

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