| Bewerbung 2008 |
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Bewerbung ist Werbung in eigener Sache. Bewerben heißt sich, die eigenen Fähigkeiten und Stärken zu verkaufen, um eine Stelle oder ein Projekt zu bekommen. Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren tief greifend verändert. Die klassische Karriere, mit dem Berufeinstieg in der Firma zu beginnen und mit der Rente die Firma zu verlassen, stirbt langsam aus. Neu geboren wurde die immens wachsende Wechselbereitschaft zwischen Anstellungen auf Zeit, Phasen von Projekten auf selbstständiger Basis und längere Weiterbildungsphasen mit Durststrecken und Arbeitslosigkeit. Und auch die Zahl derjenigen nimmt zu, die in geringfügig qualifizierten Jobs arbeiten und seit 1995 Lohneinbußen von 13,7 Prozent hinnehmen.
Die Gesellschaft zerfällt in ein Drittel, das noch immer fest angestellt arbeitet, ein Drittel Weselbereite und ein Drittel gering Verdienende. Arbeit hat sich von der Zugehörigkeit zu einem Betrieb abgekoppelt. Der Rückzug ins Private ist stärker geworden und die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben nimmt zu. Das hat zur Folge, dass die Unsicherheit im Bewerbungsverfahren auch zunimmt und zwar auf beiden Seiten. Die Unternehmen zögern bei der Einstellung und fordern von den Bewerbern eine Verbindlichkeit, die es vor diesem Hintergrund immer weniger gibt. Die Bewerber zögern auch, denn es könnte ja doch noch ein besseres Angebot kommen. Bereits geschaffenen Stellen werden lange nicht besetzt. Unterschriebene Arbeitsverträge werden oft bereitwillig wieder aufgelöst. Auch die Kündigung in der Probezeit hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Was hat sich im Bewerbungsverfahren geändert?Stellen werden ausgeschrieben und es zieht sich unendlich lange hin, bis sie besetzt werden. Oder sie werden während des Bewerbungsverfahrens plötzlich wieder gestrichen. Auf der anderen Seite gibt es Stellenbesetzungen in 48 Stunden: Freitagnachmittag um 18 Uhr ruft der Personaler an, um ein telefonisches Kurzinterview zu führen. Samstag ist das Vorstellungsgespräch und am Montag um sieben Uhr wird der Vertrag unterzeichnet. Bei Projekten heißt dies ASAP („as soon as possible“) – gleich kommen und loslegen. So hat sich der Bewerbungsprozess ent- und gleichzeitig beschleunigt. Darüber hinaus bekommen Bewerber in vielen Fällen überhaupt keine Bestätigung mehr für den Eingang ihrer Unterlagen, und auch keine Absagen. Die Bewerbung verläuft im Sande. Die gegenseitigen Ansprüche steigen. Die Unternehmen führen bis zu drei Vorstellungsgespräche, um ganz sicher zu sein, keine Fehlbesetzung zu machen. Und auch die Bewerber überlegen sehr genau, ob sie zusagen sollen. Auch sie haben eine „no-go-Liste“ in der Tasche. Wenn sie zusagen, ist die Bereitschaft groß, bereits bei Arbeitsbeginn über die nächste Stelle oder ein anderes Projekt nachzudenken. Fast alle Bewerber haben schon eine betriebliche Kündigung wegen einer Umstrukturierung erlebt oder sind einem nicht zustande kommenden Projekt zum Opfer gefallen. Wer will sich da noch verpflichten, bis der Tod sie scheidet? Wie sieht jetzt eine Bewerbung vor diesem Hintergrund aus?Es gilt sie immer noch, die gute alte Bewerbung mit einem pfiffig formulierten Anschreiben, einem Deckblatt, Lebenslauf, Arbeitszeugnissen und bei Bedarf Referenzen und Bescheinigungen über Berufsausbildungen und Weiterbildungen. Die sollte auf einem aktuellen Stand gehalten werden. Die Ansprüche an das Anschreiben sind gewachsen. Heute wird eine gelungene Mischung zwischen Wertschätzung des Arbeitgebers und überzeugenden Argumenten, wieso der Bewerber gerade dort arbeiten will, erwartet. Darüber hinaus sollen im Anschreiben konkrete Erfolge, die einen guten Bezug zur neuen Aufgabe haben, beschrieben werden. Viel Arbeit. Auch das Deckblatt hat sich geändert. Das Bild wird jetzt sehr oft wieder in den Lebenslauf eingefügt und nicht mehr ganz vorne präsentiert. Auf dem Deckblatt wird die Firma angeschrieben, der Ansprechpartner genannt, die Stelle und der eigene Name. Trotz des Antidiskriminierungsgesetzes (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz AGG), wonach eine Bewerbung kein Foto enthalten muss, hat sich das bei uns nicht durchgesetzt. In 98 Prozent der Bewerbungen ist es auch heute noch eingefügt oder geklebt. Und das wird so bleiben. Die Größe ist aber deutlich zurückgegangen – häufig ist es schon kleiner als ein Passfoto. Dazu hat sich das Format geändert, viele entscheiden sich fürs Quadrat. Und auch wenn farbige Abbildungen möglich sind, ein gutes schwarz-weiß Foto wirkt seriöser. Bei amerikanischen Firmen sollte indes auf ein Bild verzichtet werden, denn dort ist es nicht erwünscht. Auch im Lebenslauf sollte jede Stelle angepasst sein. Es ist wichtig zu wissen, was die Firma möchte. Wenn sie explizit einen tabellarischen Lebenslauf wünscht, ist das zu respektieren. Es haben sich zwei Arten von Lebensläufen durchgesetzt: Der amerikanische, bei dem mit der aktuellen Tätigkeit angefangen wird (chronologisch absteigend), und der funktionale oder „Patchworklebenslauf“, bei dem gezielt die Funktionen herausgestellt sind, die zur ausgeschriebenen Stelle passen. Experten schreiben einen Lebenslauf, bei dem sich das Anforderungsprofil in der bisherigen Karriere widerspiegelt. Das ist die wirkliche Kunst. Aber bei allem Aufwand, den es bedeutet, gute schriftliche Unterlagen zu erstellen, sollte nicht vergessen werden, dass die schriftliche Bewerbung maximal 30 Prozent der gesamten Bewerbung ausmacht. Dennoch sind gut erstellte Unterlagen eine Visitenkarte. Nun kommt das Beiwerk: an erster Stelle stehen die Referenzen. Die Referenzgeber werden auf einem Extrablatt mit Namen, Funktion und Adresse genannt. Danach kommen die Arbeitszeugnisse, die vorher von Fachkundigen überprüft werden sollten. Schließlich können noch Berufsausbildung, Diplom und ein bis zwei Fortbildungsnachweise hinzufügt werden. Wenn die Schulzeit schon zehn Jahre zurückliegt, sollte auf Abschlusszeugnisse verzichtet werden. In der Regel möchte eine Firma die Unterlagen der letzten zehn Jahre haben. Wer hier unsicher ist, sollte anrufen und nachfragen. Wer seine Bewerbung mit der Post verschickt, sollte eine farblich dezente Mappe wählen. Ob Papier oder Plastik ist häufig Geschmackssache. Dreiteilige Mappen werden von Bewerbern geliebt, nicht aber von Personalern, weil dies sehr aufgeblasen wirkt. Beim Versand per E-Mail ist darauf zu achten, dass die Gesamtdatenmenge nicht größer als ein bis zwei MB ist. Gut ist es, alle Unterlagen in eine pdf-Datei oder packen oder Anschreiben und Lebenslauf in eine Datei und die Zeugnisse in eine Zweite. „Salamibewerbungen“, bei der jedes Blatt eine Datei ist, sollten vermeiden werden. Erwartet das Unternehmen eine Online-Bewerbung über die Homepage ist das zu respektieren. In der Kürze liegt die WürzeJe öfter sich jemand bewirbt, desto kürzer ist die Bewerbung. Es wird dann nur noch ein Profil von einer Seite verschickt, um ein grundsätzliches gegenseitiges Interesse zu klären. Bei den Personalern kommt dies oft gut an, denn sie werden nicht gleich mit 20 – 30 Seiten überfrachtet. Je älter jemand ist, desto weniger Unterlagen verschickt er. Ab spätestens 40 Jahren nehmen Einstellungen über persönliche Kontakte aus dem Arbeitsumfeld zu. Und dann spielt die schriftliche Bewerbung eine immer geringere Rolle. Wer diese beiden Regeln beherzigt, ist gut unterwegs. Es ist wichtig, dass die Unterlagen griffbereit und aktuell sind. Dennoch wird im ersten Schritt nicht mehr unbedingt die komplette Mappe verschickt, sondern oft eine Kurzbewerbung oder ein Profil. Kurzbewerbung gibt es in verschiedenen Variationen. Meist werden ein Anschreiben und ein kurzer Lebenslauf geschickt. Oder nur ein Lebenslauf. Noch kürzer ist ein Profil, bei dem auf einer Seite die wichtigsten Punkte genannt sind: Das Angebot, drei Zeilen Berufsstationen, wichtige Erfolge und ein paar Referenzen (Firmen). Noch knapper ist eine E-Mail mit acht Punkten als Bewerbung. All dies wird gerne gelesen und reicht für die Entscheidung völlig aus, ob die gesamten Unterlagen benötigt werden. Diese Art der Bewerbung hat einen großen Vorteil: die wichtigsten Punkte werden sehr knapp kommuniziert und die Personaler sind von der Kürze begeistert. Ältere Bewerber sind schon länger auf dem Markt. Bei der Suche nach einer neuen Stelle oder einem neuen Projekt sollte sie als erstes ganz gezielt ein paar gute „Networker“ anrufen. Oder bei der ausschreibenden Firma, um die Stelle genau zu erkunden. Erst danach sollten die Unterlagen geschickt werden, die mit zunehmendem Alter immer knapper werden. Vom Suchen und FindenIm Zeitalter des Web 2.0 werden Bewerber direkt von den Firmen angeschrieben und angeworben. Xing, eine Networking Plattform für Business Kontakte, hat sich in diesem Prozess auf dem Markt durchgesetzt. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe von Stellenbörsen, in denen Bewerber ihr Profil hinterlegen können und Angebote bekommen. Wer Sonntagnacht sein Profil verändert, kann sich schon am Montag über neue Offerten freuen. Darüber hinaus gibt es noch Headhunter und Personalvermittler. Auch ihre Dienstleistung wird gerne in Anspruch genommen. Manchmal ist das Passende dabei. Oft machen die Profis Angebote und der Bewerber findet am Schluss doch selbst eine Stelle. Monika Bühler-Wagner |
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