| Ein Freund, ein guter Freund ... |
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![]() „Wir sind nur Freunde.“ Hier und da wird dieser Satz gesprochen. Seit einigen Jahren frage ich mich nach dem Sinn. Warum das Wort „nur“? Gibt es mehr als Freundschaft? Ist Liebe eine Steigerungsform? Für mich sind die Fragen klar beantwortet. Liebe kommt, Liebe geht. Wirkliche Freundschaft bleibt. Beide Begrifflichkeiten, also Freundschaft und Liebe, sind zudem völlig andere Baustellen und man sollte sie, ähnlich wie im Fall Apfel und Birne, nicht vergleichen. Unser Freund Friedrich Schiller muss da ähnliche Erfahrungen gemacht haben, als er seinerzeit „Die Bürgschaft“ schrieb. Da konnte kommen was wollte, ein Hochwasser, Wegelagerer voller Mordsucht, die Aussicht auf den Strang, egal. Freundschaft springt über jede Hürde, tänzelt durch jeden Parcours. Da wird nicht die eine Gefälligkeit gegen die andere abgewogen, da wird nicht nach Gegenleistung gefragt. Freunde tun es einfach. Das war damals so und daran hat sich nichts geändert. Ein Team zweier Gleichgesinnter bleibt es auch wenn Schwierigkeiten auftauchen. Ich werde krank? Der Freund steht am Bett und bringt den Tee. Ich gehe den deprimierenden Weg zum Arbeitsamt? Der Freund schreitet munter neben mir her und hält mir den Kopf hoch. Ich drohe in Schwermut oder Müßiggang zu verfallen. Der Freund tritt mich in den Hintern. Zwei Dinge indes sind klar: Solche Begleiter wachsen nicht auf den Bäumen wie die hübschen Mädchen in Sachsen. Wir haben es hier mit einem eher seltenen Phänomen zu tun. Und: Einen Freund verdienen heißt in erster Linie selber einer sein zu können. Geht das auch unter Frauen, gibt es also auch Freundinnen? Oder verhindern Zickenkriege und Stutenbissigkeit derartige Beziehungsgipfel? Die wahre Freundschaft macht nicht mal vor den Eigenheiten weiblicher Handlungsweisen halt. Affektiertes aufeinander herabschauen, neidisches Beäugen, kratzbürstig hämischer Umgang bleiben außen vor und dem Rest der Welt vorbehalten. Und bei Frau und Mann? Führen die körperliche und seelische Nähe unwiderruflich irgendwann zu Begehrlichkeiten anderer Couleur? Rutschen die kameradschaftlichen Gefühle unweigerlich ab in die Sphären der sexuellen Lust oder den automatischen Zwang, eine Beziehung führen zu müssen? Es wäre mehr als schade. Warum stimme ich diesen Lobgesang hier und heute an? Es scheint mir die passende Form, Danke zu sagen für sechs Jahre voll mit Träumen, Höhen und Tiefen. Ich denke an nicht enden wollende Lachkrämpfe, durchdiskutierte Nächte, Stunden voller Bangen, die mündeten in eine befreiende Umarmung. Das sie eine Frau ist hat mich nie davon abgehalten, sie als Freund zu sehen. Freunde sind geschlechtsneutral. Sie sind es im Herz. Und sie haben einmal im Jahr Geburtstag. Am 13.August zum Beispiel. Herzlichen Glückwunsch. Jo. |
| Foto: JF |
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