Erni und Bert sind Spitz-Mischlinge. Sie haben schon viele Menschen an ihrem Zwinger vorbei laufen und andere Hunde kommen und gehen sehen. Die beiden jedoch sitzen nach vielen Monaten immer noch da und warten. Vielleicht kommt irgendwann doch ein Tierfreund vorbei, der sie mitnimmt in ein zu Hause, wo es ihnen gut geht. „Einzeln hätten wir sie schon vermitteln können, aber sie zu trennen wäre nicht gut“ erklärt Inge Rilk.
Die Leiterin des Tierheims in Springen (Thüringen) sorgt gemeinsam mit Ingeborg Holland-Nell, Günter Nürnberg und anderen Helfern dafür, dass die derzeit 80 Katzen und 20 Hunde sich wohl fühlen während des Aufenthaltes.
Die meisten der vierbeinigen Gäste sind Fundtiere, einige auch Abgabetiere, sofern Platz ist. „Die Vermittlung läuft relativ gut“, freut sich die engagierte Chefin. Das Dach für die Hundezwinger gräbt ihr größere Sorgenfalten ins Gesicht. Es ist undicht. Ein Spendenaufruf spülte immerhin 3000 Euro in die Kasse, aber das reicht noch nicht. Inge Rilk gibt sich kämpferisch: „Und wenn wir keine Löhne kriegen, das Dach wird dicht!“
Der Tierheimverein Wartburgkreis finanziert sich über Beiträge. Mitglieder sind die Städte und Gemeinden des Landkreises, die das möchten. Aber nicht alle. Selbst Orte, in denen mehrmals wöchentlich Nächstenliebe von irgendeiner Kanzel gepredigt wird, zeigen sich uninteressiert, wenn es um Tierliebe, Verantwortung und konkrete Hilfe geht. So sind unsere Freunde auf Pfoten auch auf Spendengelder angewiesen. „Die Spendenbereitschaft lässt nach“, muss indes Frau Rilk resümieren, „man merkt, dass die Menschen weniger Geld in der Tasche haben.“
Um so schöner ist, dass Tierfreundinnen wie Gisela Meißner sich unermüdlich einbringen. Dem Landrat, „der auch schon mal vorbeischaut“ sind vom Gesetz die Hände gebunden. Die Gemeinden müssen nicht Unterstützung leisten.
Das so viele Tiere überhaupt Quartier im Springener Heim beziehen müssen, liegt am wenigsten an ihnen selbst. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass die Anschaffung von Hund, Katze oder was auch immer, in erster Linie Verantwortung bedeutet. Und Zeit. Deshalb gibt Inge Rilk auch nicht an jeden, der das möchte, einen ihrer haarigen Freunde heraus. „Wenn sie es nicht besser bekommen, können sie hier bleiben“, macht sie ihren Anspruch deutlich.
So gesehen liegt die Latte hoch. Die tierischen Logiergäste haben, was draußen leider nicht immer gegeben ist, regelmäßig ihr Futter, tierärztliche Hilfe, mehrmals täglich Auslauf, Sauberkeit und vor allem Liebe und Zuwendung. So lässt auch Fotografin Jasmin an dem Nachmittag in Springen die Kamera Kamera sein und streichelt lieber jede Katze und jeden Hund, der ihr über den Weg läuft. Die Tiernärrin macht das, weil sie alles was Pfoten, Hufe, Krallen, Flossen oder Flügel hat, von Natur aus mag, aber auch, „weil die Tiere Liebe zurückgeben“.
Jo. |