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Lebenskünstler
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„Lebenskünstler...“ sagt mein Freund verächtlich, und während er die ersten zarten Schnarchtöne von sich gibt komme ich ins Nachdenken. Vielleicht könnte man den Begriff auch erweitern: „Lebensmeisterkünstler“ – die Kunst, das Leben zu meistern ist eine Kunst, die wir doch eigentlich alle beherrschen. Der eine mehr, der andere weniger, aber eben alle irgendwie.

Meine Freundin Sabrina ist so eine Lebensmeisterkünstlerin. Nachdem ihr Freund sie nach lang andauerndem gemeinsamem Wohnung ausbauen und einrichten hat sitzen lassen beginnt sie jetzt, ihr Leben wieder zu ordnen, sucht sich eine neue Wohnung und plant das „Leben danach“. Sie lässt sich nicht unterkriegen von Erinnerungen, vom Schmerz über die Trennung und von dämlichen Kommentaren á la „Wir haben es doch von Anfang an gewusst und haben’s dir immer gesagt: der Typ ist nix für dich!“

Olli, mein guter Freund aus der Schulzeit, den ich übers Musikmachen kennengelernt habe, gehört auch in die Kategorie Lebensmeisterkünstler. Nach einer rätselhaft scheinenden Krankheit, die sich nach unzähligen Untersuchungen und einer langen Odyssee von Arzt zu Arzt als Morbus Crohn herausgestellt hat, fand er wieder ins Leben zurück, ist heute beruflich erfolgreich und ehrenamtlich im Musikverein als Jugendleiter engagiert. Dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen, hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, sich wieder aufgerappelt und dem Sensenmann eine lange Nase gemacht.

Meine Oma war auch so eine Lebensmeisterkünstlerin. Alleine mit zwei Kindern hat sie nach dem Krieg ihr Leben gemeistert, hart gearbeitet um die kleine Familie zu ernähren und trotzdem die Lust am Leben und am Genießen nie verloren. Als mein Opa aus der Gefangenschaft zurückkam, haben sie ihr Leben auch wieder in geordnete Bahnen gebracht, haben Ausflüge gemacht und ihre zwei Kinder großgezogen. Auch nach dem Tod meines Opas hat Oma Elsa ein erfülltes Leben gehabt und sich nie unterkriegen lassen, auch wenn die beinahe 20 Jahre, die sie wieder ohne den geliebten Ehemann war, sicher manchmal nicht einfach waren.

Sie war immer für andere da. Meiner Tante, die eigentlich die Tochter ihrer Schwester ist, war wie eine Mutter, ihren Freunden hat sie immer treu zur Seite gestanden und nicht zuletzt war sie ein tolles Vorbild für mich, ihre Enkelin, um die sie sich stets rührend gekümmert hat und für die sie immer ein offenes Ohr und eine Schulter zum Anlehnen hatte, wenn das einmal vonnöten war.

Und so beschließe ich heute für mich, nach dem Vorbild dieser Menschen mein Schicksal auch wieder einmal selbst in die Hand zu nehmen. Nachdem sich die Hoffnung auf meine absolute Traumwohnung, die ich in Gedanken schon eingerichtet und in der ich schon die schönsten Feste mit meinen Freunden gefeiert habe, schlagartig in Luft aufgelöst hat, da musste ich schwer schlucken. Ich habe geheult, geflucht und mich gefragt, warum das denn so schief gehen musste. So lange haben ich auf diesen Moment hin gearbeitet und als ich jubeln konnte, dass es endlich so weit ist, kam auch ganz schnell der Fall zurück in die Realität: Job weg und aus der Traum von der Wohnung!

Das hat mich mehr mitgenommen, als ich das von mir kenne. Aus einer scheinbaren Kleinigkeit habe ich einen Elefanten gemacht. Dabei ist das so gar nicht meine Art. Darum fange ich genau jetzt an, nach Wohnungen zu schauen und ich bin überzeugt: Ich werde eine neue Traumwohnung finden. Und sollte es nicht die absolute Traumwohnung sein – dann hab ich es in der Hand, eine daraus zu machen!

E.S.

Foto: JJ

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