| Willst du ein Star sein? Ein Kommentar von Schauspielerin und Musicaldarstellerin Sonja Welter |
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Wie sagte Andy Warhol 1968 so schön “In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes”. Und mehr denn je scheint dieser Wunsch in den Menschen hochzubrodeln. Erfolg haben, im Rampenlicht stehen, Geld und Ruhm; ein Star sein, am Besten ein Superstar. Der Traum vom Tellerwäscher zum Millionär…vom Hinterhof- Hobby- Sänger zum umjubelten Superstar in nur wenigen Wochen. So pilgern unzählige mehr oder weniger junge und talentierte Leute zu Castingshows. Fast jeder deutsche Sender, auch der eine oder andere öffentlich-rechtliche, sucht angefangen vom Supermodel über Popstar, Musicalstar, Superstar, „Wickie und die starken Männer“ bis hin zum nächsten Uri Geller. Tja, die Einschaltquoten sind unglaublich und ganz Fernsehdeutschland fiebert mit. Zunächst sind ja die, die’s nicht drauf haben, über die man sich lustig machen kann, und dann wird fleißig für seinen Liebling angerufen, zur Freude der Kassen der Sender, mit Kollegen und Freunden über seinen Favoriten diskutiert und neueste Geschichten ausgetauscht - Schadenfreude gepaart mit einer dicken Portion Sensationsgeilheit. Und da gibt’s ja auch noch die gnadenlose Jury, die ihr Bestes tut, die Massen zu unterhalten. Aber was passiert denn eigentlich mit den Künstlern, die nun Superstars sind? Zunächst werden sie natürlich gefeiert, haben ihren obligatorischen Nummer-1 Hit und die neu produzierte CD am Start. Aber der Ruhm hält eben oft nur bis eine neue Staffel beginnt. Meistens haben diese dann auch noch Verträge unterschrieben, die am Ende auch nicht das große Geld bringen, wie doch so stark erhofft. Zudem frage ich mich, was diese Shows vor allem bei den Kindern und Jugendlichen hinterlassen. Ist man jetzt nur mehr cool, wenn man ein Star ist? Berufsziel Star? Wenn kleine Mädels mit Diäten oder schlimmerem beginnen, um ihren Model-Ikonen nachzueifern, bekomme ich dann doch Bauchschmerzen. Das diese Shows beim Publikum ankommen, verstehe ich, es sitzen ja auch genug Leute im Hintergrund, die dafür sorgen, die richtigen Gefühlsebenen zu treffen und das machen sie mit all meinem Respekt sehr gut. So habe ich von unseren Nachbarn in der Schweiz gehört, das es da ganze Drehbücher für die Protagonisten gibt. Eine Prise Flirt, Tränen und Zickenterror vermögen es schon, den Ablauf einer Show zu würzen. It´s Entertainment! Aber die ganze Sache ist für mich zu eintönig und einseitig. Es wird ein gefährliches Traumpaket verkauft, die Realität sieht jedoch anders aus. Ein Künstler zu sein, bedeutet eben mehr als nur Glimmer und Glamour. Nein, es ist eine Lebensphilosophie, es ist die Kunst, sich außerhalb vorbestimmter Bahnen und Konzepte zu bewegen, und das bedeutet eine langjährige Ausbildung, Verzicht, Rückschläge, Durchhalten, an sich glauben und ne Menge Mut. Sonja Welter |
| Foto: JF |
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