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Meine Empfehlung, Herr Dr. Sarrazin: Selbst tun, was Sie von anderen verlangen!
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Als Senator für Finanzen von Berlin und Mitglied zahlreicher Aufsichtsräte von Unternehmen bleibt Thilo Sarrazin offenbar genug Zeit für Selbstversuche und lieb gemeinte Ratschläge an die sonst unsichere Bevölkerung. Nachdem er vor Wochen mal eben zwei, drei Tage testete, wie er mit 4,20 Euro pro Tag für Verpflegung (der ungefähre Tagessatz eines Hartz IV Empfängers) hinkommt und feststellte, dass vollwertige, schmackhafte Ernährung gut möglich ist, entsann er sich nun der Nachkriegszeit.

Seinerzeit hätten 16°C Raumtemperatur locker ausgereicht, erinnert er sich. Dicke Pullover sorgten für Wohlgefühl. Das könne man doch heute, in Zeiten steigender Öl- und Gaspreise, wieder so tun. Für die Millionen Armen in unserem einst reichen Land sind dem 63jährigen also kein persönlicher Einsatz, keine Gedenken an die schwere Zeit, aufopferungsvoll genug.

Er gibt sich hin, nimmt Entbehrungen und unangenehme Nachgeschmäcke in Kauf. Daraus resultierend gibt der Sozialdemokrat seine Erkenntnisse gerne weiter.

So weit, so gut. Wenn Thilo Sarrazin englischer Komödiant wäre. Sein schwarzer Humor erfüllt alle Kriterien. Ist er aber nicht. Der Berliner ist Finanzpolitiker. In einer Stadt mit einem unüberschaubaren Schuldenberg. Mit Riesen-Problemen im Bildungssystem. Mit vielen Arbeitslosen und hungrigen Kindern.

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Ideen, wie man die Menschen in Arbeit bekommt, von der sie ihre Familien ernähren können, wie die Bildung auf europäischen Standart und die Erfordernisse der Zeit eingestellt werden kann, wie Preise nicht willkürlich von hochprofitablen Unternehmen hochgeschraubt und einfallslos abzockenden Finanzministern noch mal erhöht werden, hat der Volksvertreter wohl kaum. Zugeben will er das vermutlich nicht, so entsinnt er sich wenigstens alter Weißheiten: Angriff ist die beste Verteidigung. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Humor, besonders englischer, schwarzer Humor, dazu wenn man ihn nicht wirklich beherrscht, kann leicht in Verhöhnung umschlagen. Die Armen verhöhnen ist leicht. Sie können sich kaum wehren. Aber es ist auch billig. Danke für Ihre dolldreisten Ratschläge, Herr Doktor! Ich rate Ihnen, selbst zu tun, was Sie von anderen verlangen.

Jo.

Foto: Daniel Hüpenbecker, Rainer Sturm Pixelio

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