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Sportliche Monarchie im Dürener Sand
Bild wird geladen... Man stelle sich mal folgende Situation vor: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bestreitet ein Länderspiel in Köln. Am Abend vor dem Match lädt Lukas Podolski seine Mitspieler zum Essen in sein Elternhaus im benachbarten Bergheim ein. Vermutlich erscheint Ihnen ein solches Szenario sehr unwahrscheinlich, weil es nicht zum Image professioneller, mit Millionen dekorierter Nationalspieler passt, und mit dieser Einschätzung liegen Sie wohl richtig. Wenn man als Dürener Volleyball-Fan hingegen am ersten Sonntag im September 2010 auf der Tribüne vor dem Rathaus sitzt und erfährt, dass die Lokalmatadorin Ruth Flemig zwischen den beiden Turniertagen Gastgeberin eines Grillfestes für die versammelte Elite des deutschen Beachvolleyballs war, ist man nicht wirklich überrascht, weil es zur familiären Atmosphäre des DKB-Beach-Cups passt.

Die gebürtige Kreuzauerin ist auch sportlich so eng mit dem Turnier verbunden wie keine andere Spielerin. Als die Veranstaltung im Sommer 2002 ihre Premiere feierte, beteiligte sich die junge Frau noch am Wettbewerb für die Schüler, die ebenso wie diverse Hobbyteams jedes Jahr in den Tagen vor dem Auftritt der Profis durch den Sand springen. Diese Verbindung von Amateuren und Spitzensportlern trägt zum besonderen Reiz der Veranstaltung bei, die in keinem offiziellen Kalender des Deutschen Volleyballverbands oder der internationalen Organisationen verzeichnet ist. Initiator Alfred Bergrath vom Kreis Düren und der Turnierleiter Bernd Werscheck, der als Trainer von evivo Düren und durch Aktivitäten im Beachvolleyball zahlreiche Kontakte in der Szene aufgebaut hat, können dem Publikum immer wieder hochdekorierte Stars dieser Sportart präsentieren: deutsche Meister, Europameister und andere Spieler aus den deutschen Top 10.

Vor zwölf Monaten spielten sogar die frisch gekürten Weltmeister im Dürener Sand. Jonas Reckermann wäre wohl zur Titelverteidigung angetreten, wenn er nicht mit Julius Brink zu einem Qualifikationsturnier in Slowenien verpflichtet gewesen wäre, das auch „Klempeng“ und die weiblichen Topduos Goller/Ludwig und Holtwick/Semmler von einer Reise in den Westen Deutschlands abhielt. Ilka Semmlers ehemalige Partnerin Ruth Flemig vollendete ihren Aufstieg vom Schüler- zum Profiturnier und setzte sich bei der diesjährigen neunten Ausgabe des Beach-Cups die Krone auf. Sie wurde gemeinsam mit der punktgleichen Okka Rau gekrönt, obwohl eigentlich nur eine Spielerin gewinnen konnte. Denn seit drei Jahren spielen im Dürener Modus keine festen Paare, sondern jeder mit jedem. Die Profis lieben die Abwechslung, die die gute Stimmung zusätzlich auflockert. Da kann es sogar vorkommen, dass der Libero des Dürener Bundesliga-Teams plötzlich im knappen Damen-Outfit als „Fabienne“ auf dem Platz steht, weil jemand am zweiten Turniertag die angeschlagene Angelina Grün vertreten musste, die bereits im Vorjahr auf dem Kaiserplatz den Übergang von einer ruhmreichen Karriere als Hallenspielerin in den Sand geprobt hatte.

Einen Wechsel hat vor ein paar Jahren auch Markus Dieckmann vollzogen. Der zweifache Europameister im Beachvolleyball und regelmäßige Teilnehmer des Dürener Turniers entdeckte die in Deutschland noch relativ unbekannte Sportart Footvolley für sich. Die Zuschauer in Düren durften nun erleben, warum der Bonner beim Spiel mit dem Fuß genauso große Erfolge feiert wie mit den Händen. Der spektakuläre Trendsport aus Brasilien bereichert das Programm des DKB-Beach-Cups. Nun konzentrieren sich die Dürener Volleyball-Fans zunächst wieder auf das Geschehen in der Halle. Aber für das Jubiläum im nächsten Sommer sind gute Stimmung und Spitzensport bereits garantiert.

Markus Schnitzler

Foto: Rudi Bartgens

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