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Seltsame Zufälle und eine Anhäufung unbeantworteter Fragen

Bild wird geladen...Eine kleine Geschichte vorab: Als ich die ersten Exemplare meines Romans verkauft hatte, war ich höchst gespannt. Gefällt es den Leserinnen und Lesern? Hauen sie mir das Buch um die Ohren? Eine schnelle Rückmeldung kam von der 15jährigen Sabrina. Sie hatte geweint, ich hatte ein Herz erreicht. Mich beschlich das Gefühl, dass mehr nicht geht. Ob es nun zehn, tausend oder eine Millionen Herzen sind, das ist eine rein statistische oder auch finanzielle Frage. Nicht mehr, nicht weniger.

So ähnlich sehe ich das mit hungernden oder auch „von Armut bedrohten Kindern“ wie es im Amtsdeutsch heißt. Egal, welche Statistik wir bemühen, egal wie diese zustande kam, egal ob da ein Kind oder jedes vierte oder jedes siebente amtlich beglaubigt oder gesetzlich unerkannt hungert, es ist eine Blöße für unsere Gesellschaft und ein Unfähigkeitseingeständnis für den Staat.

Da greift ausgerechnet in einer Phase der Konjunktur und voller Auftragsbücher, in Zeiten steigender Profite der Großkonzerne und gar nicht mehr geahnter schwindender offizieller Arbeitslosenzahlen das Armutsgespenst um sich. Wo kommt es her? Vielleicht daher, wo die wachsenden Gewinne hinwandern? Liegt der Grund in einer ungerechten Verteilung des immer größer werdenden Kuchens, schneiden einige Wenige ihre Stücken beharrlich größer, während der großen Masse nur noch Krümel bleiben? Und: Sind diese Fragen der Auslöser einer Neiddebatte?

Ich denke nicht, dass es Missgunst ist, wenn man nach Gerechtigkeit fragt. Die Tochter des Firmenbosses legt sich in eine mit Champagner gefüllte goldene Badewanne, während der Sohn des Wachmannes Hunger schiebt und sich nicht mal den Besuch eines öffentlichen Schwimmbades leisten kann. Gerecht wäre, wenn der Chef, dem ja tatsächlich der sahnige Teil der Torte zusteht, mit einer silbernen und mit gutem Sekt gefüllten Wanne vorlieb nähme und sein Angestellter sich zumindest ein sorgenfreies, würdiges Leben leisten könnte.

Vor Jahren hat sich mal ein Bankchef das Jahresgehalt um einige Millionen Euro erhöht. Er nannte es angepasst. Gleichzeitig entließ er 1000 Angestellte. Er nannte es betriebswirtschaftlich im Konkurrenzkampf nötig. Ich habe mal, nur grob und nur fix, nachgerechnet, wie viele Mitarbeiter er mit seiner Gehaltserhöhung ein Jahr lang durchgebracht hätte und kam auf die Zahl 1000. Seltsamer Zufall.

Bild wird geladen...Solche bizarren Zufälligkeiten gibt es einige dieser Tage. Ein Beispiel? In Deutschland zahlen die Autofahrer mehr für den Sprit als in Österreich und bekommen vom Staat für Fahrten zur Arbeit zudem mehr Geld zurück. In Litauen gar kostet das Benzin ein Drittel weniger als bei uns. Kassieren die dortigen Finanzämter weniger Steuern und wo holen sie diese dann her oder bekommen unsere Freunde aus der Alpenrepublik und dem Baltikum das Öl vom Lieferanten billiger? Selbst ein Regierungsvertreter eines der führenden Erdöl- exportierenden Länder der Welt, Saudi-Arabien, monierte vor wenigen Wochen, als die Preise schier explodierten, diesen Umstand und bezeichnete ihn nicht nur als ungerechtfertigt, sondern lähmend für die Weltwirtschaft. Putzig.

Eine Menge Ungereimtheiten zieren also den Alltag. Was kann der sogenannte kleine Mann tun, um den Kopf dennoch oben zu behalten, zumindest satt und ein wenig würdevoll aufrecht durchs Leben zu schreiten?

An der Volksherrschaft teilnehmen durch durchdachteres Wählen und Herbeiführen von Basisdemokratie? Oder helfen nur noch die Insel, beziehungsweise Augen zu und durch?

Ob ich die Antwort weiß? Hätte der Text dann so viele Fragezeichen? Ups, schon wieder eins.

Jo.

Foto: ulikat, Gerd Altmann Pixelio

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