Titelseite Titelstory Aktuelles Ratgeber Leserbriefe Das Team Kontakt


Nie wieder passiv zuschauen
Bild wird geladen... Nachdem bei der letzten Bundestagswahl die große Koalition abgewatscht und erwartungsvoll Schwarz/Gelb in die Regierungsverantwortung gehievt wurde, herrscht nun, nach wenigen Monaten, schon wieder Tristesse. Nach der SPD/Grünen Zeit zwischen 1998 und 2005 giert auch kaum jemand. Stärkste Partei ist ohnehin die der Nichtwähler, der Verdrossenen. Da sich weitere Alternativen, das Land politisch erfolgreich zu führen, nicht wirklich aufdrängen, stellt sich die Frage von selbst: Ist Politik überhaupt in der Lage, ein Land zu lenken? Macht es Sinn, zu wählen, sich zu engagieren?

Der persönliche Grund

Frank Tempel von den Linken erinnert sich in dem Zusammenhang an seine Kindheit, in der er „weniger politisch interessiert“ war. „Die DDR war damals für mich ein toller Staat. Ich war diesbezüglich beeinflusst von meinem Umfeld, dem Elternhaus. Die vielen Widersprüche habe ich zwar gesehen, aber blauäugig gedacht, es seinen Kinderkrankheiten. Mit der nächsten Generation würde alles besser …“, blickt er zurück in eine Zeit, in der der Thüringer bestenfalls Sportveranstaltungen organisierte.

In der Wendezeit folgte ein Schlüsselerlebnis. Als Offizier stand Frank Tempel direkt am Brandenburger Tor, da die Massen „Wir sind das Volk“ riefen und zeigten, wie machtlos die damaligen Mächtigen eigentlich waren. Diese Eindrücke ordnet der mittlerweile Bundestagsabgeordnete der Linken als „Schlüsselerlebnis“ ein: „Nie wieder wollte ich nur noch passiv mitschwimmen und denken, dass die da oben es schon machen!“

Er wurde Gründungsmitglied der PDS. Auch das durch sein Umfeld geprägt. „Ich war Sozialarbeiter, habe Projekte geleitet, war mit Langzeitarbeitslosen in Kontakt. Deshalb bin ich sehr sozial eingestellt“, begründet Frank Tempel seinen Entschluss, dieser Partei beizutreten. „Ich bin ein sozialer Demokrat“, sagt er und fügt an: „Kein Sozialdemokrat“.

Bild wird geladen...Der Hintergrund

Das Prinzip des Parteiensystems an sich stellt der 1999 ernannte Kriminalbeamte nicht in Frage, vielmehr sei entscheidend, dass „Bürgerinteressen vertreten und ehrliche Politik gemacht werde“. Über Gerechtigkeit gäbe es viele Definitionen. Er mit seinem Hintergrund befürworte, dass „Börsengewinne und Erbschaften entsprechend versteuert werden“. Dass beispielsweise Abgeordnete, die aus der Jungen Union kommen, mit einem ganz anderen Lebenslauf, eine andere Sicht der Dinge haben, akzeptiert Frank Tempel, findet nichtsdestotrotz ungerecht und falsch, dass diese oft ALG2 Empfänger über einen Kamm scheren. „Ich habe viele Bekannte, die davon leben müssen und nur die Allerwenigsten sind glücklich damit, wollen viel lieber arbeiten“, stellt er klar.

Wenngleich Frank Tempel bezweifelt, dass im Deutschland hier und jetzt Politik im Interesse der Mehrheit gemacht wird, möchte er aus einer starken Opposition heraus mitgestalten. „Die Linke macht Druck, unter anderem auf SPD und Grüne“, führt er an, „durch uns wird wieder über HartzIV geredet, über Afghanistan. Und je besser unsere Wahlergebnisse sind, um so mehr Druck können wir entfalten“. Als parlamentarische Mittel führt der Abgeordnete kleine und große Anfragen an oder öffentliche Anhörungen. Das schaffe Transparenz, ist er sicher.

Der fragwürdige Grund

Mit seiner Polizeierfahrung hat Frank Tempel eine klare Einstellung zu den deutschen Aktivitäten im fernen Afghanistan. Prinzipiell sei es richtig, meint er, jungen Demokratien zu helfen. Was indes konkret getan wurde und getan wird, habe „Porzellan zerschlagen und Hass erzeugt“, damit für „Zulauf zu den Taliban“ gesorgt. „Holt unsere Soldaten und auch unsere Polizisten zurück!“, fordert der Linkspolitiker deswegen und regt an „lieber Experten aus Afghanistan in Deutschland“ auszubilden. Nicht alleine ist er mit der Vermutung, dass geostrategische Interessen hinter den Einsätzen in dieser Region stecken. „Ginge es wirklich um Demokratie, Bildung oder die Gleichberechtigung der Frau, müssten wir von einem Krieg zum nächsten hetzen“, gibt er zu bedenken.

Jörg Joachim nach einem Gespräch mit Frank Tempel

Foto: (c) Deutscher Bundestag H.J. Müller, (c) Deutscher Bundestag Lichtblick Achim Melde

zurück
Impressum