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Keine Chance für Zapper
Der klassische Zapper hat keine Fernsehzeitschrift auf dem Couchtisch liegen. Er greift zur Fernbedienung und huscht munter durch die Programme. Je nach Geschmack bleibt er beim Sport hängen, bei Talkshows, Tiersendungen, Serien, Krimis … Oder bei Juwelo TV.

Als mir das öfter geschah, stutzte ich. Wieso das denn? Ich trage selbst keinen Schmuck, verschenke keinen, habe vom Verkauf aus eigener Vergangenheit ein wenig die Nase voll, und kaufe, wenn schon, dann vor Ort. Was ist also der Grund, aus dem ich beim Programm des Verkaufssenders verweile?

Als ich wieder mal vor der Glotze sitze und sehe und höre, wie Ringe und Halsketten den Besitzer wechseln, merke ich zwar nicht, was verantwortlich ist – aber wer. Bianca Zoch. Die junge Frau plaudert aufgeweckt und unterhaltsam vor sich hin, erzählt die eine oder andere Story aus ihrem Leben und dabei wandern Schmuckstücke durch ihre Hand von einer Schreibtischecke in die andere. Zu diesen gibt sie sachliche Hinweise, schwärmt von ihrer Brillanz.

Bild wird geladen...Bianca, die selbst den Ceylon-Padparadscha-Saphir mag, stand als Kind schon gerne vor Publikum – im Laientheater. Den Berufswunsch der Schauspielerin erlosch allerdings nach dem Abitur. „In mir überwog das Sicherheitsdenken und ich wollte lieber Lehrerin werden“, schaut sie zurück. Nach einer Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin entschloss sie sich zu einem Hochschulstudium der klassischen Philologie und Germanistik, arbeitete nebenbei.

Dann sah Bianca Zoch eine Fernsehannonce, bewarb sich bei Juwelo TV, wurde genommen und fand Spass bei der Tätigkeit. „Fernsehen macht Laune“, fasst sie zusammen, „das Umfeld stimmt, es entstehen Freundschaften und bei dem Sender geht es sehr familiär zu.“ Gewöhnlich moderiert sie vormittags, aber als die Noch-Studentin mal die Nachtschicht übernahm, beschreibt sie ein spannendes Gefühl: „Draußen war es längst dunkel, niemand mehr auf den Straßen, kaum jemand im Studio, aber die Zuschauer, die waren noch da.“

Nach dem Studium möchte sie sich die Option Lehrerin offen lassen. Sie freut sich auf den Beruf – nur nicht in Vollzeit – da hängt sie inzwischen zu sehr am Fernsehen.

Ebenso wie an Tieren. Und das, im wahrsten Sinne des Wortes, ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste. Einen Hundewelpen, den sie am Berliner Kuhdamm mal in die Hand gedrückt bekam, schaffte sie zunächst nach Hause zu den Eltern, dann mit ihnen ins Tierheim, um den vierbeinigen Gesellen tags darauf gegen die übliche Schutzgebühr doch wieder zu sich zu holen. Genauso wenig kann sich die Moderatorin von ihrem Kater trennen. Lieber leidet sie unter den nervigen Folgen einer plötzlich eingetretenen Katzenallergie als unter Trennungsschmerz.

Irgendwie macht Bianca das, was sie macht, richtig. Mit Liebe, Freude und authentisch. Vielleicht ist das der Grund, bei einem Verkaufssender hängen zu bleiben, ohne wirklich gerade Verkaufsabsichten zu haben …

Jörg Joachim

Foto: B.Z.

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