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Den Gedanken ans Modeln nie verloren
Mit meinem deutlich über den Gürtel hinaus ragenden Bauch, der beinah bis ins Genick reichenden hohen Stirn und dem honigkuchengrinsenden Allerweltsgesicht errege ich bestenfalls die Aufmerksamkeit von nach Arbeit suchenden Fitnesstrainern und übermotivierten Persönlichkeitsberatern. Ganz anders Hugh Feist. Der Mann mit der sportlichen Figur und dem Frauen ins Schwärmen bringenden Blick überzeugt seit einiger Zeit die Marketingstrategen hochkarätiger Weltmarken.

Grund genug, mal nachzufragen:

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Interview mit Hugh Feist

JJ: Hugh, erzähle unseren Leserinnen und Lesern bitte wo du aufgewachsen bist und wo du jetzt lebst.

Hugh Feist: Ich bin in Bayern am Chiemsee aufgewachsen und pendle derzeit zwischen Miami und New York hin und her, wobei ich Miami speziell jetzt zur Winterzeit wegen dem guten Wetter bevorzuge.

JJ: War in deiner Kindheit oder frühen Jugend abzusehen, dass du Model wirst, warst du vielleicht sogar der Mädchenschwarm?

Hugh Feist: Ich bin mit 10 Jahren meine erste Modenschau für Adlmaier in Rosenheim gelaufen. Ist damals natürlich nur zustande gekommen, weil der Inhaber des Ladens meine Eltern sehr gut kannte. Nach dieser Modeerfahrung war dann erst mal Schluss. Meine Eltern haben mich da auf gar keinen Fall in die Modelschiene reingedrückt. Im Gegenteil, da ich auf dem Land aufgewachsen bin, war so ein Traum einfach undenkbar. Aber Mädchenschwarm war ich, glaub ich, schon immer ein bisschen :-).

JJ: Wie bist du dann zum Modeln gekommen?

Hugh Feist: Ich hab es, seit ich 14 oder 15 bin, in meinem Kopf gehabt. Da ich aber zu der Zeit noch in der Schule war und danach die Ausbildung anstand, war es einfach nicht möglich. Ich habe aber den Gedanken nie wirklich verloren. Mit 21 dachte ich mir: Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich habe einfach ein paar Bilder zu einer Agentur in München geschickt und die fanden meinen Look gleich ganz toll.

JJ: Bist du viel herum gekommen in der Welt, was ist dran am Glamour-Klischee der Modelszene?

Hugh Feist: Da ich zur gleichen Zeit meine jetzige Freundin kennen gelernt habe, die schon in Amerika gewohnt hat, ging es relativ schnell für mich ins Ausland. Da ich meinen Wohnsitz in Los Angeles hatte, ging es auch gleich mit Reisen innerhalb der Staaten, Kanada und Südamerika los. Natürlich reise ich auch noch regelmäßig für Jobs nach Deutschland, beispielsweise bin ich im März wieder in Berlin für ein Shooting und einen Werbespot.

Das Modelbusiness ist viel unglamouröser als es sich die Leute vorstellen, es steckt einfach sehr viel harte Arbeit dahinter. Aber natürlich wird man als Model schon mal auf die eine oder andere Promi Party eingeladen. Ich persönlich lass die aber meistens sausen.

Bild wird geladen...JJ: Was sind die Highlights deiner bisherigen Karriere? 

Hugh Feist: Zu den Highlights zählen definitiv  zwei Kampagnen für „Abercrombie and Fitch“ und „American Crew“. Auch Polo Ralph Lauren, Guess und Cosmopolitan, um nur einige zu nennen. In Deutschland bin ich derzeit zu sehen als Kampagnen-Model für Tom Tailor.

JJ: An welchen aktuellen Projekten arbeitest du, gibt es einen beruflichen Traum?

Hugh Feist: Ich habe die Tage Bescheid bekommen, dass ich eine Parfümkampagne für Deutschland im März schießen werde, aber davon abgesehen arbeite ich hier derzeit in Miami an sehr viel verschiedene Katalogen und Magazinen. Ich habe mir eigentlich schon sehr viele Träume erfüllt, einer davon war für Abercrombie und Polo zu arbeiten, was eigentlich noch ausstehen würde, wäre vielleicht mal eine Kampagne für Calvin Klein. Aber da hab ich ja noch genügend Zeit.

JJ: Begegnest du als männliches Model auch dem oft gescholtenen Schlankheits- oder Jugendwahn?

Hugh Feist: Jugendwahn eher weniger, da das beste Alter für Männermodels bei Ende 20 liegt und es eigentlich keine Altersbeschränkungen gibt wie bei den Frauen. Aber den Schlankheitswahn gibt es definitiv auch bei den Männern, verstärkt aber in einer anderen Kategorie als ich arbeite, nämlich bei den extrem jungen Models in New York.

JJ: Was macht dir Spass an deiner Tätigkeit, Hugh?

Hugh Feist: Definitiv das Reisen macht den Beruf interessant, aber vor allem das Zusammenarbeiten mit so vielen verschiedenen Menschen aus der ganzen Welt. Was mir auch sehr gut gefällt, ist, dass man bei jedem Job eine andere Persönlichkeit widerspiegeln kann/muss und somit verschiedene Charaktere ausleben kann.

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JJ: Gibt es für männliche Models eine Altersgrenze? Wenn ja, hast du einen Plan danach?

Hugh Feist: Wie vorher schon erwähnt, gibt es die nicht wirklich, solange man seinen Körper gut in Schuss hält, kann man auch mit 40 noch sehr erfolgreich arbeiten. Ich sehe mich aber eher in ein paar Jahren als Produzent und Schauspieler. 

JJ: Wie weit sind das öffentliche, mediengeschaffene Bild deines Berufsstandes und die Realität auseinander?

Hugh Feist: Durch Sendungen wie  zum Beispiel "Germany's next Topmodel" kommt definitiv ein völlig falsches Bild des Modelalltags rüber. Natürlich stimmt der ein oder andere Punkt schon bei dieser Show aber im Großen und Ganzen geht es bei diesen Sendungen nur um Einschaltquoten.

JJ: Vielen Dank.

Fotos: Abercrombie and Fitch, Tom Tailor, Tony Duran

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