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Verwirrte Gedanken in einer wirren Welt
Bild wird geladen... Der dicke, alte Mann fragt sich manchmal, warum die Welt so schlecht ist, wenn doch so viele gute Menschen in ihr herum laufen. Die junge, pfiffige Frau setzt entgegen, dass die so tollen Menschen ihre schlechten Seiten kaum preisgeben werden und relativiert damit seine Sichtweise. Schaut man genau hin, meint sie, wird man schnell ernüchtert.

Damit will er sich nicht zufrieden geben. Es können doch nicht alle falsch sein, sinniert er. Das nicht, wirft sie nun ein, die vielen Guten seien aber wohl oft Angsthasen und die wenigen schwarzen Schafe (Entschuldigung an die gleichnamigen Tiere) verpesten die Welt, da sie nichts zu verlieren haben.

Die junge Frau schwingt sich dann noch zu philosophischen Höhen und stellt die Hypothese auf: Ohne gut gibt es kein schlecht!

In diese Kerbe drischt ebenso die Hauptstädterin, in dem sie wissenschaftlich die Ausgeglichenheit der Pole beschwört. Und das nicht nur in der Physik. Nein, auch im richtigen Leben.

Na prima, verzweifelt nun fast der Dicke. Wozu muss ich dann Menschen bewundern, die sich für andere einsetzen; die Hunde von der Straße retten, dazwischen gehen, wenn viele Jugendliche wenige andere Jugendliche verprügeln wollen … Führt alle Zivilcourage, führt alle Selbstlosigkeit in letzter Konsequenz, zwangsläufig und wissenschaftlich begründet, zu noch größerem Unheil? Nie wieder der alten Dame über die Straße helfen, nie wieder den eiligen Mann an der Kasse vorlassen?

Ist etwa die Frau, die mir mit Hilfsbereitschaft begegnete, die viel lacht, die immer freundlich daher kommt, die stets ein offenes Ohr hat, an anderer Stelle ein Ekelpaket? Ist der Leben rettende Arzt an anderem Ort ein Tyrann?

Der dicke, alte Mann weiß es nicht. Deshalb geht er in sich. Er versucht, all seine eigenen Fehler aufzulisten, all seine Schwächen zu analysieren, all seine Schlechtigkeiten Revue passieren zu lassen. Na ja, stellt er fest, so schlimm ist es nun auch nicht. Obwohl … einige Momente kommen ihm doch hoch, bei denen er Rumpelstilzchen sein möchte, um im Boden zu versinken.

Doch da, denkt er, begegnen ihm sicher die Präsidenten und andere Führer, die sinnlose Kriege anzettelten; da trifft er bestimmt die Männer, die Kinder vergewaltigen und diejenigen, von denen sie frei gesprochen werden. Sicher sind dort auch die, welche hinter Gardinen lauern, bei all dem zuschauen und darüber tratschen.

Der Dicke bleibt also oben an der frischen Luft. Die junge Pfiffige hat schon recht, fühlt er, aber irgendwie ist sie auch eine von den vielen Guten, die ab und an mal schwache Momente haben. Und das gibt ihm Kraft.

JJ.

Fotos: Rafael Vogt pixelio

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