| Große Hoffnung in die Menschheit Interview mit Sandra Bulling, stellvertretende Pressesprecherin von Care |
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CARE wurde 1945 in den USA gegründet, um Hunger und Verzweiflung in Europa mit mehr als 100 Millionen CARE-Paketen zu lindern. Heute greift CARE auf die Erfahrung und die Ressourcen einer modernen, internationalen Hilfsorganisation zurück. Unabhängig von politischer Anschauung, religiösem Bekenntnis oder ethnischer Herkunft setzt sich die Organisation weltweit für Not leidende, arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein.
Die stellvertretende Pressesprecherin Sandra Bulling war im Dezember 2009 Zeitzeugin des Klimagipfels in Kopenhagen und erzählt den Leserinnen und Lesern des Burgsee-Kurier, was dort geschah … oder besser gesagt nicht geschah. JJ: Sandra, vor einigen Wochen waren Sie beim Klimagipfel in Kopenhagen. Nun, mit einigem Abstand, wie fassen Sie diese Veranstaltung in einem Satz zusammen? Sandra Bulling: Die Kopenhagener Klimakonferenz war nichts als kostspieliges Chaos, das für die Menschen, die schon jetzt vom Klimawandel betroffen sind, einer Verurteilung zum Leiden entspricht. JJ: Ich kam während des Gipfels und beim Verfolgen der Berichterstattung aus dem Kopf schütteln nicht heraus. Wirkte das Ganze aus der Nähe betrachtet genauso unfassbar verantwortungslos seitens einer großen Anzahl der dort anwesenden Politiker wie aus der Ferne? Sandra Bulling: Ja, in der Tat. Ich muss zugeben, dass ich sehr enttäuscht von den Politikern war, vor allem von Obama. Er flog mit großem Getöse ein, hielt eine nichtssagende Rede, tüftelte mit den Staatschefs der Industrie- und Schwellenländer einen Vertrag aus und rauschte dann eiligst wieder ab. Und die Entwicklungsländer sollten dann diesen Vertrag nur noch abnicken. Das fanden viele der ärmsten Länder empörend, denn sie sind ja diejenigen, die alles zu verlieren haben, die aber nicht mitreden durften. ![]() JJ: Kamen Sie in Kopenhagen ins Gespräch mit Politikern, Journalisten oder Wissenschaftlern, was war der Tenor der Unterhaltungen? Sandra Bulling: Ich habe mich mit einigen Journalisten, aber auch mit vielen Mitarbeitern anderer Organisationen unterhalten. Und eigentlich lag über dieser ganzen Konferenz eine große Frustrationswolke. Viele Mitarbeiter der Hilfsorganisationen, auch von CARE, durften überhaupt nicht an den Verhandlungen teilnehmen. Meine Kollegen standen teilweise vor den Türen, warteten bis die Verhandlungen zu Ende waren und haben dann die Delegationsteilnehmer nach dem neuesten Stand befragt. Das war natürlich sehr mühselig und wir konnten nicht so stark Einfluss nehmen, wie wir uns das gewünscht hatten. Das bedeutet also, dass die Stimmen der Ärmsten, die CARE als Hilfsorganisation ja vertritt, nicht gehört wurden. Dazu kam, dass die Konferenz sehr schlecht organisiert und der Veranstalter Dänemark überfordert und hoch gereizt war. Meine Kollegen aus Afrika, die zum ersten Mal in Europa waren, mussten mehrere Stunden bei Eisregen und Wind anstehen, bis sie mal ins Konferenzzentrum kamen. Oder ein Kollege aus Nepal, der sich eine Demonstration anschauen wollte, wurde von der Polizei vier Stunden festgehalten. Er musste dabei auf seinen Knien auf der Straße ausharren. JJ: Denken Sie, dass die eventuell tatsächlich drohenden Klimakatastrophen fahrlässig vom Menschen gemacht sind? Immerhin gibt es drastische Klimaveränderungen schon ewig. Immerhin wird sehr oft Panik gemacht, um daraus Profit zu ziehen? Sandra Bulling: Die Wissenschaftler und die UNO belegen, dass der Klimawandel vom Menschen gemacht ist. Wenn ich in Asien oder Afrika unterwegs bin, so erzählen mir die Menschen, dass sie ihr Leben umstellen müssen. Dass beispielsweise in Kenia sich die Regenzeiten verschieben und die Bauern ihre Ernten nicht mehr planen können. Und das bedeutet oft Hunger für viele Familien. In Vietnam gab es dieses Jahr die stärksten Taifune seit 40 Jahren, viele Menschen haben alles verloren. Bangladesch wird aufgrund des steigenden Meeresspiegels und der daraus resultierenden Überschwemmungen bis zu 10 Prozent seiner Landesfläche verlieren. Millionen Menschen müssen sich dann ein neues Zuhause suchen. Wir in Deutschland jedoch werden wahrscheinlich nicht viel vom Klimawandel merken, außer vielleicht etwas feuchtere Sommer. Und da finde ich es ein wenig zynisch zu behaupten, man würde doch nur Panik machen. ![]() JJ: Was kann der Einzelne tun, um Mutter Erde nicht zu schädigen? Sandra Bulling: Es würde schon helfen, wenn jeder ein wenig bewusster mit seiner Umwelt lebt und genau wahrnimmt, wie viel Kohlendioxid man mit einer Flugreise ausstößt, mit seiner Heizung verbraucht oder wohin im Haushalt all der Strom fließt. Dann fängt man schon automatisch an, hier und da ein wenig einzusparen. Denn meist spart man ja auch noch ein klein wenig Geld damit, wenn man im Winter effektiver heizt oder den Computerbildschirm bei Pausen öfter ausschaltet. Das verlangt aber auch, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt und sich auch richtig informiert. Denn nicht jede Maßnahme ist sinnvoll. Im Internet gibt’s viele Informationen, zum Beispiel auch bei CARE: http://www.care.de/klimatipps.html JJ: Mit welchen Gefühlen denken Sie an die Zukunft, Sandra, beispielsweise ans Jahr 2058, in dem ich 100 werde? Sandra Bulling: Mit sehr gemischten Gefühlen. Ich hoffe, dass das Chaos von Kopenhagen die Staaten wachgerüttelt hat und sie sich jetzt zusammenreißen, um ein verbindliches und faires Klimaabkommen auf die Beine zu stellen. Aber was die politische Ebene entwirft ist das eine, es liegt auch an jedem von uns, den Klimawandel aufzuhalten. Denn wir, als Bürger, können zum einen von Frau Merkel verlangen, stärker gegen den Klimawandel anzukämpfen, die Emissionen Deutschlands zu reduzieren und die anderen Staaten mit ins Boot zu holen. Zum anderen müssen aber auch wir etwas dafür tun, wir müssen effizienter und sparsamer mit unseren Energien und Ressourcen umgehen. Ich habe große Hoffnungen in die Menschheit – und darin, dass auch Sie mit 100 Jahren noch eine grüne friedliche Erde genießen werden. JJ: Vielen Dank Sandra, ich hoffe, dass wir uns vor meinem einhundertsten Geburtstag noch mal gesund und munter sprechen. Weitere Informationen: http://www.care.de/ |
| Foto: Care, Sakis Papadopoulos - Getty Images, James Blair - Getty Images |
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