| Vorsicht, nicht ärgern! |
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Man sollte sie besser nicht ärgern. Nicht weil Mai Duong Kieu als Kung Fu Lehrerin gefährlich werden könnte, sondern weil es dann ganz schnell mal in die andere Richtung geht. Als sie zu einem Schauspiel-Casting antrat, bei dem eine Vietnamesin gesucht wurde, aber nicht wusste, wie sie sich vorbereiten soll, nie ein Coaching mitgemacht hatte und letztlich nicht genommen wurde, packte die 22jährige der Ehrgeiz: „Euch werd’ ich’s zeigen!“
Talentiert und augenzwinkernd Sie tat das, was sie bislang ausgeschlagen hatte und nahm ein Angebot von Agenturinhaber Alexander Pat an. Der ließ die Leipzigerin und deren Talent von Schauspielerin und Regisseurin Jacqueline Roussety unter die Lupe nehmen. Und die griff zum Mikroskop. Mai musste beispielsweise aus dem Telefonbuch wie aus einem Liebesbrief vorlesen, ausgerechnet die Seite mit den Urologen, sie musste ausrasten, rum schreien, eine Prostituierte spielen. „Jacqueline hat das peinlichste von mir verlangt“, erinnert sie sich zurück, „aber so, dass ich mich frei fühlte und der Ärger musste eh mal raus“, schob sie augenzwinkernd hinterher. Nach zweieinhalb Stunden war’s vorbei und heraus kam die Expertinnen-Einschätzung: „Das Mädchen ist ein Rohdiamant!“ Vernünftig und gaga
Nichtsdestotrotz will das Schauspieltalent erst Mal was vernünftiges lernen - Fremdsprachenkorrespondentin. Und das nicht auf Rat der Eltern, sondern von sich aus. „Ich möchte nicht mit Mitte 20 nur Abitur haben und sonst keinen Abschluss“, zeigt sie sich erstaunlich bodenständig. Das indes ist nur eine der Tausend Facetten von Mai Duong Kieu. Dass sie durchaus gaga sein kann, bewies sie in ihrer Eigenschaft als Hobby-Visagistin und Make-up Interessierte. Auf die außergewöhnlichen Outfits von Lady Gaga aufmerksam geworden, recherchierte Mai im Internet, stieß dabei wie von ungefähr auf die am Klavier sitzende und frei vor sich hin improvisierende Sängerin und war fortan ihr größter Fan. Ein Schauspiel-Idol fällt der außergewöhnlich hübschen jungen Frau auf Anhieb nicht ein. „Vielleicht werde ich ja die deutsche Lucy Liu“, platzt es dann umso forscher aus ihr heraus und sie schwärmt von der (unter anderem) „3 Engel für Charlie“ Darstellerin, sieht Parallelen. In der Fähigkeit zu Actionszenen oder der Affinität zu Sprachen beispielweise bestehen diese tatsächlich. Verträumt und realistischIn Deutschland fühlt die in Vietnam geborene Mai sich wohl und heimisch, wenngleich sie des Öfteren unterwegs in der Stadt angeschaut wird wie eine Exotin. „Verkäuferinnen reden mit mir extra langsam, damit ich sie verstehe“, wundert sie sich, spricht sie doch ein Deutsch wie aus dem Lehrbuch. Sie schätzt die landestypische Disziplin und Ordnung und liebt deutsches Essen: „Ich erinnere mich genau. Das erste Mittag im Kindergarten waren Kartoffeln … und …. Königsberger Klopse. Lecker!“ „Vielleicht“, spinnt sie den Gedanken weiter, „sollte ich mal einen deutschen Mann heiraten? Aber einen, der kochen kann.“ Genauso schnell und überzeugend wie Mai ins Träumen gerät, landet sie wieder bei ernsthafteren Dingen. „Gut finde ich an dem Land auch, dass ich die deutsche Bildung genießen darf. Welcher Staat bietet das schon? Fremdsprachenkurse an der Uni kostenlos? Man muss nur annehmen, was geboten wird!“, findet sie lobende Worte für einen intern oft gescholtenen Bereich. Selbstbeherrscht und philosophisch
Ganz ausschließen möchte sie ein Schauspielstudium nicht. Ihre Stimme klingt bei dem Thema angetan. Wenngleich sie spät in den Berufszweig tendierte. Zunächst, ab dem fünften Lebensjahr, trainierte sie mit ihrem Vater teilweise widerwillig Kung Fu. „Lieber hätte ich Ballett getanzt oder einfach nur gespielt, statt gegen Säcke zu treten“, hört sie sich jedoch alles andere als enttäuscht an, „mittlerweile macht es Spaß. Kung Fu hat mich erzogen. Zu Selbstbeherrschung. Dazu, nicht aufzugeben und andere mindestens so gut zu behandeln wie mich selbst“, wird die Frau mit dem Zauberlächeln zum fernöstlichen Philosophen. Mit dieser Zielstrebigkeit wird sie sicher den Weg weiter gehen. Na gut, Mai geht nicht, sie tänzelt oder schreitet, hält in sich gekehrt inne und braust dann umso unaufhaltsamer davon. Infiziert ist sie inzwischen von Kamera, Regieklappe, Kostümen und Maskenbildnern. Wenn auch nur dadurch, dass sie bei einem Casting geärgert wurde. Vielleicht sollte man sie besser öfter ärgern. Jörg Joachim Weitere Informationen: http://alexander-pat.de/MDKieu.htm |
| Fotos: van de Bosh (Samurai), Massimo |
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