| Ein Jahr älter und kein bisschen ruhiger |
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Gleich ruft Ronya an. Der Akku von meinem Handy ist leer. Also ab ans Ladegerät. Da klingelt’s schon. „Hallo hier ist Ronya, sorry, ich rufe gleich noch mal an, mein Akku ist leer“, hält sie sich nicht lange bei der Vorrede auf und ist schon wieder raus aus der Leitung. Mir kommen Gedanken an unser letztes Gespräch – vor etwas über einem Jahr.
Das Telefonat Die damals 16jährige Katja, die sich gerne Ronya nennt, weil sie Astrid Lindgens Roman „Ronja Räubertochter“ und auch den Film mag, weil sie gerne geradeaus und frech ist, in der Berliner S-Bahn munter drauf los singt und im Musikunterricht manchmal den Lehrer vom Klavierhocker schubsen und selbst in die Tasten greifen möchte. Und schon meldet sich mein Telefon. „So jetzt können wir reden, entschuldige bitte“, zeigt sie sich von der manierlichen Seite. „Weißt du, was verrückt ist?“, frage ich sie. „Nö?“ „Ich hänge auch am Ladekabel – seit einer Minute.“ Wir lachen. „Ronya, du bist ein Jahr älter geworden, auch ein Jahr ruhiger?“, will ich wissen. „Eher noch lebhafter“, schätzt sie nach ganz kurzem Nachdenken ein. Dann erzählt sie mir über das, worüber wir eigentlich reden wollten, das was ihre Leidenschaft ist – die Musik. Die junge Sängerin hat im vergangenen Jahr viele eigene Auftritte erlebt, Autogrammstunden gegeben, sie sucht eine Band und arbeitet an einem eigenen Album. Die Sache mit der Band interessiert mich. Die Band „Ja“, informiert mich Ronya, „hübsch und musikalisch sollen die Jungs sein“. Warum Jungs für eine Band musikalisch sein müssen, frage ich. Sie lacht erst mal. Setzt zum Reden an. Und lacht. „Jetzt gehen die Tabletten, die ich genommen habe, aber in die falsche Richtung los“, scherzt sie zurück und erklärt dann ernsthaft, dass sie vor hat, richtig gute Musik zu machen. Ich setze meine Linie fort und erkundige mich, wieso die Kollegen hübsch sein sollen. „Weil die Fans, in dem Fall wie weiblichen, auch optisch auf ihre Kosten kommen sollen“, klingt das Mädchen sehr überzeugend. Dennoch frage ich nach ihrem Eigennutz bei der Geschichte. „Ich bin da raus!“, betont sie und grinst dabei wohl ebenso wie ich. Geplant ist, dass Ronyas Band schon bald steht. „Fest ist noch nichts“, zieht sie Zwischenbilanz, aber einen guten Gitarristen und Schlagzeuger habe sie schon im Auge, ein weiterer Gittarist und ein Bassist würden noch gesucht. Als ich nach einem eventuellen Keyboarder nachhake, kommt wieder die typische Berlinerin in der Musikerin durch: „Bei den Balladen sitze ich gerne selbst am Klavier“, zeigt sie sich zunächst sachlich, gibt dem Affen dann jedoch Zucker: „Bei den schnellen, rockigen Stücken kann ich aber schlecht mit dem Ding über die Bühne hüpfen!“ Klingt plausibel, denke ich … Der Traum
Ronya war gestartet mit dem Vorhaben, ihr eigenes Ding zu machen. Ihr Traum war und ist, an einem weißen Flügel zu sitzen, auf dem rote Rosen liegen, und Pop-Balladen zu singen. Das zieht sie durch. Wenn sie mit ihrem Produzententeam im Studio steht oder am Tisch beisammen sitzt, sollen eben jene Pop-Balladen entstehen, aber ebenso rockige Titel, auf jeden Fall aber eigene. Und überall steht Ronya nicht nur drauf, sondern steckt auch drin. Den Lohn für die Arbeit („ich pendele zwischen Schule, Hausaufgaben und Studio, Bühne“) fand die mittlerweile 17jährige schon oft. „Wenn die Leute klatschen, wenn das Publikum mitmacht“, dann habe sie ihre Glücksmomente. Gleichwohl als sich mal bei einer Autogrammstunde, die tatsächlich über eine Stunde dauerte, besonders die Kinder auf sie stürzten. „Ich mag Kinder, ich liebe Kinder“, schwärmt sie und findet bei dem Thema weder Ende noch Wörter, die enthusiastisch genug sind. Das macht mir Ronya noch ein bisschen sympathischer als eh schon. Wenn zu dieser freundlichen Frechheit, dieser Schlagfertigkeit, dieser Persönlichkeit, wenn zu ihrer Musikalität und ihrem Temperament nun noch das Quäntchen Glück dazu kommen, dann startet die Berlinerin hoffentlich bald voll durch, hoffe ich und finde schade, dass unser Gespräch dem Ende zu geht. Nachdem ich Ronya erzähle, dass ich um die 50 bin, redet sie mich auf einmal mit „Sie“ an und wird förmlich. Wenngleich mir das überhaupt nicht passt, deutet es indes darauf hin, dass sie außer ein freches auch ein anständiges Mädchen ist. Mein Akku ist nun wieder voll … Weitere Informationen: http://burgseekurier.de/ausgabe_9/html/artikel_15.htm und http://www.ronya-music.com/ |
| Fotos: Romeo Media |
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