| Im Dialog mit dem Publikum |
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In Jeanskleidung schlendert Frank Schöbel auf die Bühne, ganz so, als wäre er einer der Techniker. Er werkelt herum und scheint den Applaus, der aufkommt, obwohl die Show noch gar nicht beginnt, zu überhören. Als der mittlerweile 66jährige, dem man sein Alter beim besten Willen nicht ansieht, sich umdreht, plaudert er mit Menschen aus dem Publikum wie mit Gartennachbarn. So war er schon immer. Auch als der Schlagersänger zu DDR Zeiten die unumstrittene Nummer 1 war, liebten ihn die Fans wegen seiner freundlichen, fast kumpelhaften Art, mochten sein echtes und mitreißendes Lächeln und identifizierten sich mit seiner Musik und den Texten.
Mich hat Frank Schöbel Ende der 60iger und Anfang der 70iger mit seinen Liebesliedern mitten in der Pubertät erwischt. Bei Titeln wie „Die Sprache der Liebe ist leis’“ oder „Gold in deinen Augen“, noch mehr beim legendären „Wie ein Stern“ gab er mir ungewollt Aufklärungsunterricht in Liebesangelegenheiten. 'Aha, so wird das also mal sein’, lernte ich bei Textzeilen wie „von drei Sonntagabend-Küssen wurde mein stolzes Herz besiegt“. Offenbar nicht nur ich. Um mich herum wippen Frauen und Männer jeden Alters, auch Kinder und Jugendliche mit, recken die Arme hoch und rufen Frank ihre Musikwünsche zu. Manche ältere Dame sieht aus, als hätte sie die Woche über in der Arztpraxis gesessen und zunächst den anderen Patienten, dann der Ärztin ihr Leid geklagt, sich die Rückenschmerzen wegspritzen lassen, um nun putzmunter da zu stehen, sich für eine Stunde in die Jugend transferieren zu lassen und nichts anders zu spüren als innere Kraft. Obwohl dunkle Wolken über den Marktplatz ziehen und ein kühles Lüftchen geht, erinnert Frank Schöbel mit dem Titel „Heißer Sommer“ an den gleichnamigen Spielfilm aus dem Jahr 1968 und zaubert für einige Minuten Sonne in die Herzen. Als er etwas später die Maske mit den großen Ohren aufsetzt und „Mit mir könn’ses ja machen“ singt, fragt der Entertainer in die Menge hinein: „Hat sich daran was geändert?“ Frank gibt die Antwort selbst: „Die Namen sind andere!“ Damit spielt er, wie auch in „Wir brauchen keine Lügen mehr“ auf die politischen Umstände an, die wohl nicht nur er zu DDR Zeiten ebenso kritisch beäugte wie heutzutage: Die oben meinen, mit denen unten alles machen zu können. Dem Sänger gelingt nicht nur, mit Schlagern und flotten Sprüchen, mit ernsten und witzigen Bemerkungen, mit Lächeln und Gestik Unterhaltung und Nachdenklichkeit sinnvoll und entspannend zu mixen. Vielmehr schaffte er genau dies über die Jahrzehnte hinweg. Mag sein, dass die Erfahrung der Jahre, das Auf und Ab des eigenen Lebens ihn mit einer Portion Weisheit ausgestattet hat und er so präpariert locker und unbeschwert im Dialog mit dem Publikum Konzerte veranstaltet, die mehr sind als Musik hören. Gleichwohl erinnere ich mich, dass Frank Schöbel diese Gabe schon hatte, als er um die 20 Jahre jung die Showszene betrat und ich als heranwachsender Teenager ihm lauschte. Ohne Zugabe kommt der Sänger mit seiner Band auch diesmal nicht weg. Just in dem Moment, da viele der Zuschauer einen weiteren Titel hören wollen, öffnet der Himmel überm Marktplatz die Schleusen und es schüttet wie aus Kannen. „Wir sehen uns unterm Schirm zum Autogramme schreiben“, weißt Frank neben die Bühne, „gebt mir elf Minuten und zwanzig Sekunden Zeit“. Die Fans warten gerne und der Junggebliebene hält Wort. Jo. ![]() Einige Fragen am Rande: JJ: Hallo Frank, können Sie sich erinnern, dass Sie irgendwann in den 70igern schon Mal in Bad Salzungen waren? Frank: Ehrlich – ich kann mich nicht erinnern, denn ich hatte damals im Jahr 300 Veranstaltungen… JJ: Wie geht es zu, wenn Sie auf der Bühne stehen, verlangen die Fans immer noch und jedes Mal nach "Wie ein Stern" oder "Ich geh vom Nordpol zum Südpol zu Fuß"? Frank: Ja klar, ich frage sie und sie rufen hoch, was sie hören wollen. Wir sind meist voll im Gespräch, das gefällt mir. JJ: Ich selbst bin 51, der Rücken und die Knie rebellieren und manchmal meldet sich der Weltschmerz. Sie sind nach wie vor beliebt wegen Ihres Lächelns, Ihrer freundlichen und offenen Art gegenüber den Fans und Ihrer jugendlichen Ausstrahlung, obwohl Sie einige Tage älter sind als ich. Liegt das am Fussball oder sind Sie doch manchmal down? Frank: Ich bin selten richtig kaputt und meine Tochter (32) staunt über mein Stehvermögen. Ich glaube, wir haben noch gute Gene mitbekommen. Die meisten haben heute einen Psychiater oder sind einfach nur mit`m Leben fertig. J JJ: Frank, was haben Sie in diesem Jahr noch so vor, gibt es neue Titel? Frank: Es gibt dieses Jahr wahrscheinlich noch eine DVD (wenn die Rechteinhaber der alten DDR Fernsehrechte nicht wieder unverschämte Geldforderungen haben) und eine Single mit einer Neufassung des Frank (Zander) und Frank Titels „Wir gehören zusammen“. Darauf ist auch eine Neufassung von „Wir brauchen keine Lügen mehr“. |
| Foto: JJ |
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