| Trinkwasserspeicher und Wassersportrevier |
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Der Name Bodensee, vermutlich vom Ortsnamen Bodman abgeleitet, stammt aus dem Mittelalter und ist nur im deutschen Sprachraum verbreitet. International hat sich der aus der Römerzeit stammende Begriff Lacus Constantinus durchgesetzt, benannt nach dem späteren Kastell Constantia, aus dem sich die Stadt Konstanz entwickelte: Die Amerikaner kennen ihn als Lake Constance, die Franzosen als Lac de Constance und die Italiener als Lago di Constanza. Entstanden ist der See übrigens in der Würm-Eiszeit durch den Rheingletscher.
Der See hat viele Facetten: Er ist ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel. Viele bekannte Maler und Schriftsteller lebten und arbeiteten hier, wie zum Beispiel Otto Dix, Annette von Droste-Hülshoff, Hermann Hesse. Für die Christianisierung spielten das Bistum Konstanz sowie die Klöster St. Gallen, Reichenau und Mehrerau eine wichtige Rolle. Auch kulinarisch hat die Region viel zu bieten. Und die Blumeninsel Mainau ist nur ein Beispiel von vielen für die Schönheiten von Fauna und Flora. Für fast fünf Millionen Menschen ist der Bodensee Lebenselixier im wahrsten Sinne des Worts: 17 Wasserwerke fördern rund 180 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr. Die Gefahr des Austrocknens ist dennoch gering. Die natürliche Verdunstung übersteigt die Wasserentnahme, sagen die Wissenschaftler. Zu den Nutznießern gehören nicht nur viele Anwohner rund um den See. Rund drei Viertel der Wasserentnahme geht aufs Konto des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung (BWV) mit Sitz in Stuttgart, der vier Millionen Menschen in ganz Baden-Württemberg versorgt. Eine mindestens ebenso große Rolle spielt der See im Sektor Verkehr. Schiffe der so genannten Weißen Flotte verbinden viele Ufergemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Fähren Friedrichshafen-Romanshorn und Meersburg-Konstanz ergänzen das Straßennetz als „schwimmende Brücken“. Seit 2005 pendelt ein Katamaran zwischen Konstanz und Friedrichshafen, den beiden größten Städten am See. Einen Hauch von Nostalgie bietet die „Hohentwiel“: Der Schaufelraddampfer lief 1913 vom Stapel, wurde 1962 ausgemustert und 1988 restauriert. Der Bodensee ist aber auch ein Eldorado für Wassersportler aller Art. Je nach Jahreszeit kommen Schwimmer ebenso auf ihre Kosten wie Motorbootfahrer, Schlittschuhläufer, Segler, Surfer, Taucher und Wasserskifahrer. Der von Friedrichshafen aus zu Rundflügen startende Zeppelin Neuer Technologie sowie der Bodensee-Rundwanderweg und der Bodensee-Radweg runden das vielfältige Angebot im Freizeitsektor ab. ![]() Grenzenloses Vergnügen Das Gros des Bodensees, der Obersee, ist übrigens die einzige Gegend in Europa ohne festgelegte Grenzen. Gemäß der so genannten Haldentheorie gilt der See außerhalb des Uferstreifens als gemeinsames Eigentum (Kondominium) aller Seeanrainer. Dass auf vielen Karten dennoch eine Grenze in der Seemitte eingezeichnet ist, beruht auf der so genannten Realteilungstheorie. Danach zählen 58,3 Prozent der Seefläche zu Deutschland, 32 Prozent zur Schweiz und 9,7 Prozent zu Österreich. Übrigens: Wer von Bregenz im Osten ins 46 Kilometer entfernte Konstanz im Westen schaut, blickt auch bei klarstem Wetter ins Leere. Des Rätsels Lösung ist die Krümmung der Erde. Sie summiert sich auf dieser Entfernung auf 166 Meter. Berücksichtigt man die so genannte Refraktion (vertikale Brechung der Lichtstrahlen) beträgt der Unterschied nach Angaben der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) 144 Meter. Das 78 Meter hohe Konstanzer Münster müsste also fast die Ausmaße des Ulmer Münsters (161,5 Meter) haben, um sichtbar zu sein. Gerd Ahrendt |
| Foto: Uwe Rappenecker, Daniel Litzinger pixelio.de |
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