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Der Mensch ist nicht die Krönung der Schöpfung
Interview mit Alida Gundlach
Bild wird geladen... Alida Gundlach ist Journalistin, Moderatorin, Autorin, Produzentin, hat mal Sprachen und Psychologie studiert, eine eigene Ballettschule geleitet und international choreographiert. Sie war gar Leichtathletikmeisterin und sang im Jazzclub. All ihre Aktivitäten aufzuzählen würde Bücher füllen. Obwohl sie gerade eines schreibt, fand sie Zeit und Muße, für die Leserinnen und Leser vom Burgsee-Kurier einige Fragen zu beantworten:

JJ: Frau Gundlach, nicht nur ich persönlich vermisse Sie als Talkshowmoderatorin im Fernsehen. Was machen sie jetzt, können wir uns in Zukunft auf Sie auf dem Bildschirm freuen?

Alida Gundlach:   Ich freue mich, dass ich vermisst werde, denn ich war 17 Jahre lang leidenschaftliche Gastgeberin der NDR-Talkshow und habe deren beste Zeiten miterlebt: Quote spielte keine Rolle sondern Qualität, die Sendung war LIVE, Fragen spontan, und jedes Gespräch für eine Überraschung gut. Unsere Runde war einfach nicht austauschbar und darum Kult.

Nachdem ich –trotz aller Bitten des NDR- die Talkshow verließ, konnte ich viele andere Sendereihen realisieren, habe in „Herrenhäuser“ über alte Adelsfamilien berichtet, „Perlen des Nordens“ porträtiert, in „Wassergeschichten“ ungewöhnliche Menschen und Attraktionen vorgestellt und für die ARD auch noch „Lust am Wohnen“ geweckt. Alles eigene Konzepte und Produktionen, insgesamt über 30 Filme. Das hat viel Spaß gemacht! Jetzt bin ich hauptsächlich Gast in den Sendungen von Kollegen, aber vielleicht gibt es 2010 noch einen kleinen eigenen TV-Ausflug. Mal sehen...

JJ: Gibt es Highlights aus Ihrer NDR-Talkshow-Zeit, die in Ihrem Gedächtnis haften blieben, an die Sie sehr gerne zurückdenken?

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Alida Gundlach:   Meine Nr. 1 ist Sir Peter Ustinov. Ihn mit seiner Weisheit und seinem Humor als Gast zu haben, war immer etwas Besonderes. Sehen Sie für so einen Mann Nachfolger in Sicht? Ich nicht - ein Jammer! Na ja, und dann natürlich Klaus Kinski mit dem legendären Gespräch, das über 300x wiederholt wurde. Ex-Bundeskanzler Schröder war auch so ein Highlight, weil ich ihn dazu brachte, über seine heutige Frau zu sprechen, obwohl er das abgelehnt hatte; eine sehr lustige Szene.

Wenn ich aus der langen Zeit was rauspicken soll, merke ich erst, wie viele tolle Momente und Begegnungen es gab; tja, da könnte ich endlos weiter erzählen.

JJ: Was hat Ihnen ähnlich viel Freude gemacht?

Alida Gundlach:   Ganz sicher meine anderen Ventile. Als Autorin habe ich mittlerweile 11 Bücher geschrieben und sitze gerade am Zwölften, in dem es um das „Miteinander der Generationen“ geht. Aber auch Ausflüge ganz anderer Art wie z.B. meine erste eigene CD „Zeit“ (mit 65!) oder meine große Bühnenshow, in der ich Künstler zwischen 7 und 77 Jahren aus aller Welt vereint habe. Wunderbare Erfahrungen, durch die ich nur jedem empfehlen kann, seine Träume zu leben. Übrigens oft eher eine Frage des Mutes als des Geldes.

JJ: Sie moderierten zehn WDR-Sendungen "Tiere suchen ein Zuhause". Wie erfolgreich war die Suche? Ist es ein besonderes Gefühl, wenn Sie mit einer Fernsehsendung konkret Dinge verbessern können?

 Alida Gundlach:   Oh, das war ein Meilenstein für mich! Selten habe ich eine Fernsehmoderation als so sinnvoll empfunden. Bei jedem Tier kam es mir vor, als ginge es um Leben und Tod, wir waren wie mit einer Nabelschnur verbunden. Darum habe ich keines angeboten, sondern den Zuschauern echt ans Herz gelegt. Mit großem Erfolg. Sonntags wurde gesendet und Dienstags erfuhr ich, dass oft 90% und mehr gut vermittelt worden waren. Das hat mich total glücklich gemacht. Ein herrliches Gefühl! Schade, dass ich keine eigene Tiersendung habe.

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JJ: Sind Sie mit Tieren groß geworden, Frau Gundlach, wie kam es zu Ihrem besonderen Engagement für Tiere?

 Alida Gundlach:   Als Kind durfte ich bei meinen Großeltern auf einem Esel reiten. Es gab eine Ziege und einen Hund, aber ein besonderes Gefühl für Tiere bekam ich erst viel später. Hauptsächlich durch meine weltweiten Dreharbeiten für die ARD-Serie „Alida Gundlach – Exclusiv“. Ich habe dabei so viel Tier-Elend und Misshandlungen gesehen, dass es für mehr als ein Leben reicht. Vorher war ich schon in Spanien aktiv, weil gerade Südländer das Tier oft als gefühllose Sache ansehen und nicht als leidensfähiges Mitgeschöpf. Meine Bilder im Kopf sind so schrecklich, dass ich manches Neue ausblenden muss, weil ich es nicht mehr ertragen kann. All die Stärke gegen Schwache! Natürlich nicht nur gegenüber Tieren. Wissen Sie, so lange Väter ihre Kinder für Pornos anbieten, Mütter Babies misshandeln, Frauen krankenhausreif geschlagen und hilflose Greise brutal ruhiggestellt werden, so lange gibt es wenig Hoffnung für das Tier. Es steht eben am Ende der Kette.

JJ: Wie sieht das Engagement konkret aus, was haben Sie erreicht?

Alida Gundlach:   Sehr effektiv ist Kastration als einfache Art des Tierschutzes. Es hilft enorm, wenn die Population eingedämmt wird. Wir haben streunende Katzen „eingesammelt“, beim Tierarzt kastrieren lassen und sie dort, wo wir sie gefunden haben, wieder ausgesetzt. Was viele nicht wissen: Katzen bekommen als Streuner 1 x pro Jahr 3-4 Junge. Werden sie von Urlaubern gefüttert, werfen sie 2 x und dann gleich 5-7 Junge. Wenn man das hochrechnet, kann einem schwindlig werden. Auch halterlose Hunde sind nach einer Kastration viel geschützter, weil sie alle am Ohr markiert werden.

Eigentlich helfe ich, wo ich kann, z.B. dem deutschen Bundesverband beim Schutz von Biotopen, beim Kampf um artgerechtes Leben speziell des „Nutzviehs“; Hühner in Legebatterien, Ferkel und Kälber in tagelangen Tiertransporten usw., eine neverending story.

JJ: Man hört viel von verwahrlosten Hunden in Spanien. Sind sie Zustände dort dramatisch schlimmer als bei uns in Deutschland?

Alida Gundlach:   Das habe ich lange gedacht, weil es überall in Südeuropa so viel offensichtlicher ist. Aber seit wir wieder unseren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, sehe ich reichlich Tierquälerei, vor allem aber eine Gleichgültigkeit, die mich zutiefst erschreckt hat. Von den eben mal schnell ertränkten Katzenbabies bis zum ausgesetzten kranken Pferd. Doch hier bei uns kann auch das Gegenteil qualvoll sein, nämlich das „Zuviel“. Zu viel Vermenschlichung, zu viel Schoß, zu viel Futter...

JJ: Wo sehen Sie in Deutschland Nachholbedarf oder dringende Notwendigkeit der Veränderung? Wie denken Sie in dem Zusammenhang über Massentierhaltung?

Alida Gundlach:   Wir Menschen müssen lernen, dass wir nicht die Krönung der Schöpfung sind, sondern nur ein Teil davon. Ein Teil, das Verantwortung trägt für ihm Anvertrautes, zu dem auch das Tier gehört. Wichtig ist vor allem ARTGERECHTE Haltung und – wenn wir Tiere schon essen, häuten usw., dann muss das Töten human, schnell und schmerzlos geschehen!!

Ich verabscheue Massentierhaltung! Aus welchem Grund müssen wir täglich Fleisch essen? Früher gab’s das als Festmahl und es reichte auch. Heute werden die Tiere gemästet, dadurch essen wir dann gleich deren Medikamente mit. Warum also diese Mengen? Ich wohne auf dem Land, und wenn ich bei uns nur eine Strecke von 50km fahre, begegnen mir garantiert 4-5 Tiertransporter nur in dieser kurzen Zeit. Multiplizieren Sie das mal, da wird einem schlecht. Es geht mir gar nicht darum, dass jeder Vegetarier oder Veganer wird, sondern nur um maßvolles Konsumieren zugunsten der Tiere.

JJ: Frau Gundlach, angenommen Sie sind ab morgen Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Was ändern Sie, liegt überhaupt die gesamte Verantwortung bei der Politik?

Alida Gundlach:   Vielleicht nicht die gesamte, aber doch ein großer Teil. Was nützt ein Tierschutzgesetz, wenn Verstöße kaum geahndet werden? Wie soll der einfache Mann Respekt vor Tieren haben, wenn die nicht mal ausreichend vom Gesetz beschützt werden? Lebendige Tiere dürften bei mir nicht mehr wie bisher transportiert werden, Labors würden anders kontrolliert, Misshandlungen bestraft. Übergriffe gegen die Natur und ihre Geschöpfe sind schwere Vergehen, kein Kavaliersdelikt. Das Wichtigste aber ist Aufklärung, denn vor allem muss sich das Bewusstsein ändern. Ach je, ich könnte endlos weitermachen...

JJ: Für einen freundlichen Abschluss: Wie entspannen Sie, bei guter Musik?

Alida Gundlach:   Ob Sie’s glauben oder nicht, an meiner CD „Zeit“ habe ich so lange gearbeitet, dass sie alles enthält, was mich entspannt, erfreut oder positiv anregt. Wenn ich davon etwas brauche, singe oder höre ich meine Lieder. Mit echten Instrumenten ohne Computer, echter Stimme ohne technische Tricks. Ansonsten sind es vorrangig meine Tiere, die mir Meditation ersetzen und Kraftquelle sind.

JJ: Vielen Dank, Frau Gundlach.

Weitere Informationen: http://www.alidagundlach.de/index.html

Fotos: A.G.

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