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Leben für den Wald- Leben durch den Wald
Bild wird geladen... Matthias Gieß schreitet durch den Wald. An seiner Seite die Beagle-Hündin Kira. Noch den Hut auf dem Kopf, die Schrotflinte um die Schulter und das Bild vom Förster aus dem Heimatfilm würde passen.

Romantik nein, Traumberuf ja

„Das ist schon lange nicht mehr realistisch“, rückt der Revierförster das Nostalgiebild gerade. „Entspannte, idyllische Romantik – Nein. Traumberuf – Ja.“ Sein Arbeitstag beginnt entsprechend. Ein umgeworfener Jagdstand muss inspiziert werden. Wie kann er wieder aufgerichtet werden? Matthias Gieß plaudert aus dem Erfahrungsschatz: „Himmelfahrt liegt hinter uns. Es macht kaum Sinn und geht auch gar nicht, an dem Tag hinter jedem Baum zu lauern. Bleibt nur, danach die Schäden aufzunehmen und zu beheben.“

Das nächst Ziel ist ein Waldstück. Auch hier zaubert der Förster weder Hut noch Gewehr aus dem Kofferraum, mit Spray markiert er Gassen, aus denen sich ein Interessent Brennholz holen kann. „Nicht die Haupteinnahmequelle, aber eine sehr gute“, erklärt er und fährt im Geländewagen dahin, wo 2007 Kyrill tobte. „Hier stand richtig dichter Wald“, zeigt Matthias Gieß auf eine Freifläche, erklärt das der Sturm alles flach legte und in Windeseile Gras und Gebüsch nachgewachsen ist. „Der Klimawandel, wärmere und trockenere Zeiten verlangen andere Baumarten“, erklärt er, „für die Fichte wird’s kritisch. Hier haben wir Vogelkirsche und Esskastanie gepflanzt.“

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Sonne oben, Brennnesseln unten

Damit die Waldtiere die Arbeit nicht umsonst sein lassen, binden die Forstwirte die kleinen Bäumchen an Stangen fest, so dicht wie möglich. „Das Reh knabbert gerne alles an, was nicht üblich ist. Die Böcke fegen den Bast von ihrem Geweih“, begründet der studierte Diplomingenieur für Forstwirtschaft den Trick mit den Stangen. Tatsächlich sind nur ganz wenige der Setzlinge beschädigt. An anderer Stelle wurde Buche eingesetzt und ist im hohen Graus kaum zu sehen.

Einen Bauunternehmer trifft Matthias Gieß wieder einige Kilometer entfernt, läuft mit ihm bergauf, bergab durch den Wald. Die Sonne quält von oben, die Mücken von der Seite und unten wechseln sich Brennnesseln, Pfützen und Reisig ab. Der Förster marschiert nichtsdestotrotz munter voran, scheint jeden Weg, jede Wiese, beinah jeden Baum in seinem Revier persönlich zu kennen.

Bis zur Besprechung mit den Forstwirten, die cirka zehn Autominuten entfernt Holz schlagen – besser gesagt sägen – muss sich der Suzuki Jimny einen teilweise abenteuerlichen Pfad bahnen. Matthias Gieß kann sich dort auch ein Bild von den Aktivitäten der Borkenkäfer machen. Die sogenannten Buchmacher, in der mittleren Baumhöhe angesiedelt, bohren sich förmlich durch die Rinde. Zunächst wehrt das Gehölz mit Harz ab. Gesunden, gut mit Feuchtigkeit versorgten Bäumen gelingt das auch. In ungesunden jedoch, oder auf dem Boden liegenden Stämmen, setzen sich die Borkenkäfer fest, dem Männchen folgen mehrere Weibchen, sie graben einen Stimmgabelgang und bohren Löcher für die Eier. Jede Familie zerstört damit eine handgroße Fläche, letztlich den Baum.

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Buchdrucker, Kupferstecher

Deshalb ist Sauberkeit angesagt, befallenes Holz muss geschlagen und abtransportiert werden. Sonst ist kein Kraut gewachsen gegen die Buchdrucker und Kupferstecher (agieren in der Regel weiter oben). Mit speziellen Fallen und der Anzahl der darin gefangenen Käfer können Matthias Gieß und seine Kollegen lediglich das Ausmaß des Befalles ablesen.

Angenehmer ist für den Revierförster indes das Bäume auszeichnen. „Damit lege ich fest, welche Exemplare gefällt werden, wo neu angepflanzt wird. Wie ein Landschaftsgärtner“, schwärmt der Forstmann.

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Idylle, Qualität

In seinem 1600 Hektar großen Revier (1500 ha Wald) legt er jeden Tag viele Kilometer zu Fuß und auf Rädern zurück, kommt dabei an Teichen vorbei, von denen Froschgequake ertönt oder verweilt einen Moment an einer Stelle, wo gegen Abend die untergehende Sonne dann doch ein filmreifes Idylle-Bild zaubert. So stolz wie Matthias Gieß auf jedes Fleckchen seines Bereiches ist, so sicher erscheint ihm, dass die Reviere im Zuge weiterer Sparmaßnahmen nicht noch größer werden dürfen. „Dann leidet die Qualität. Beispielsweise die Öffentlichkeitsarbeit. Schulklassen durch den Wald führen und für die Natur begeistern macht nicht nur großen Spass. Es ist auch wichtig für die Zukunft.“ Womit der Förster wohl richtig liegt. In der Kindheit sensibilisierte Naturfreunde randalieren als Erwachsene wohl nicht im Wald herum. Ihnen wird an kirchlichen Feiertagen wie Himmelfahrt intelligenteres einfallen als Hochsitze umwerfen.

Jo.

Foto: JJ

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