| Felix der Glückliche und andere Trainer |
|---|
| Wer ist in diesem Jahr eigentlich Meister der Herzen? Der übliche Verdächtige, Schalke 04, ist mit Platz acht meilenweit weg von oben. Der vor Jahren als ewig Zweiter belächelte Club aus Leverkusen kam noch einen Tick später ins Ziel und scheidet auch aus. Stuttgart? Die Jungs aus dem Ländle haben erst kürzlich mit dem Titel bewiesen, dass sie die Verleihung des Trostpreises nicht nötig haben und von einer Hauptstadttruppe wie der Hertha würde man in anderen Ländern nichts anderes erwarten als die Rolle des Primus.
Moment … Klinsi … Ist der nicht geflogen, fliegt Poldi nicht freiwillig hinterdrein und Ribéry vielleicht auch? Na gut. Wolfsburg ist Meister, wir sind Wolfsburg und wir mischen uns mit in den grünen Trubel. Bleibt abzuwarten, wie die Wölfe sich ohne ihren Rudelführer, den Schleifer, Taktikfuchs und Koordinator in einem, Felix Magath, im Jahr danach schlagen. Ist der Coup zu wiederholen, ist die internationale Bühne die eine oder andere Nummer zu groß, und: Wie wird die Mannschaft im August aussehen? Durchaus möglich, dass Leistungsträger gehen, obwohl weitere hinzu kommen müssten. Trainer des Jahres wird er wohl unbestritten werden, der Felix, anständig indes wäre, der Trainerstand an sich würde mal aufgewertet oder einfach nur so betrachtet, wie er ist. Der Coach entscheidet über die Fitness seiner Schützlinge, er verbessert sie technisch, formt sie taktisch, stellt die Mannschaft auf den jeweiligen Gegner ein, motiviert. Auf dem Platz steht er nicht. Er schießt nicht einen Meter vorm Tor stehend drei Meter darüber. Er steht nicht völlig falsch zum Gegenspieler, kommt nicht zu spät und zu lasch in den Zweikampf. Der Trainerposten hat sich lediglich zu demjenigen entwickelt, der gehen muss, wenn seine Jungs nicht wollen. Die Herren aus den Chefetagen hinterfragen nicht den Sportfreund van Bommel, weil er schwankende, unmotiviert wirkende Leistungen bringt. Sie schicken nicht Lukas Podolski durch den Hinterausgang weg, obwohl er nie zeigte, was er kann. Die Manager entlassen nicht die halbe Mannschaft wegen Arbeitsverweigerung, lieber erklären sie dann doch den zum Versager, der als Heilsbringer und Hoffnungsträger für die Zukunft geholt und gefeiert wurde. Jupp Heynckes, dem jeder Respekt dieser Welt gebührt, hat die Bayern auf Platz zwei übernommen und auch so ins Ziel gebracht, wird dennoch als Retter gefeiert. Das Schalker Trio Büskens, Mulder, Reck wird zwischenzeitlich als Triumvirat gelobt, hat wohl auch Staub aufgewirbelt, aber unterm Strich nichts nach vorne bewegt. Friedhelm Funkel warf freiwillig das Handtuch, ob das den Frankfurten nutzt, wird sich zeigen. Was aber sollte die Nummer, Michael Frontzeck noch auf der Ziellinie zu entlassen und für ein Spiel Jörg Berger zu holen? Wirkt an ihm die rote Laterne seriöser? Einzig Markus Babbel brachte die Stuttgarter nach Abnutzungserscheinungen bei Vorgänger und Ex-Trainer des Jahres Armin Veh in erfolgreichere Fahrwasser. Sicher auch Haudegen Hans Meyer, aber selbst ihn stellten Boulevardmedien, selbsternannte Experten und fachfremde Fans als ewig gestrigen Miesepeter in die Ecke, auf die hämisch gezeigt werden darf. Solange, bis auch er sich verabschiedete. Verrückte Welt. Vielleicht kann es keinen Meister der Herzen geben, wo kein Herz ist … Jo. |
| Fotos: obs/Bitburger |
| zurück |
|---|
| Impressum |