Titelseite Titelstory Aktuelles Ratgeber Leserbriefe Das Team Kontakt

Fahrzeuge mit Seele
Bild wird geladen...
Mein erstes Auto

Mein erster Trabi war nach der Wende – 500 D-Mark. Und Conny hat den Himmel mit Lippenstift voller Herzchen gemalt. Irgendwann nahm es Überhand, dass Nachtschwärmer ihn als Ersatzteillieferant missbrauchten und ich holte ein japanisches Fabrikat .

Bild wird geladen...

Viel, viel früher, ein Jahr bevor ich 1958 zur Welt kam, erblickte die Marke Trabant im sächsischen Zwickau das Licht der Welt. Zwar hatte er, im Gegensatz zu mir, kein Doppelkinn, dafür aber einige andere Besonderheiten, die ihn von den meisten anderen PKW unterschieden: Die Karosserie bestand teilweise aus baumwollverstärktem Phenoplast. Er funktionierte mit ungeregelter Luftkühlung, zwei Zündspulen statt einer mit Zündverteiler, Benzinhahn im Fußraum und Krückstockschaltung.

Ein himmelblauer Trabant

Als 1971 ein himmelblauer Trabant irgendwo in der DDR von Xburg nach Yhagen quer durchs Land rollte, zog ein Gewitter auf und eine junge Frau stand mitten im Regen. Sie stieg in den Wagen aus Pappe und blieb trockenen Fußes. So zumindest der Erfolgsschlager von Sonja Schmidt. Doch nicht nur sie wusste die Vorzüge des Trabi zu schätzen. Er war relativ einfach zu reparieren, zuverlässig und kam überall hin. Camper bauten gar ihr Zelt aufs Autodach.

Mit der Wende, mit der Chance auf einen VW, Opel, Ford, Toyota oder BMW verschwand das ostdeutsche Erfolgsmodell peu à peu von den Straßen. Nur noch selten knattern die Zweitakter, eine blaue Wolke nach sich ziehend, durchs Bild. Tüftler indes oder Fanclubs halten ungebrochen und engagiert die Erinnerung an die Trabant „P50“, „600“, „601“ oder „1,1“ am Leben. Sie treffen sich mit Freunden des Wartburg, der AWO, Simson oder MZ und tauschen Erfahrungen aus.

Bild wird geladen...

Auf zwei Rädern

In meiner elterlichen Garage stand nie ein Auto. Dafür sehe ich die verschiedenen Modelle der Marke MZ noch deutlich vor mir, angefangen mit einer „BK 350“ und später dann die

„MZ ES“. Mein Opa fuhr jedoch die legendäre AWO aus dem Hause Simson. Nachdem mein älterer Bruder sie geerbt und irgendwann zur Verschrottung vorgesehen hatte, sollte sie noch mal richtig ran. Ganz, ganz dringend musste ich ins cirka acht Kilometer entfernte Krankenhaus. Ich hinten auf dem Sozius, der den Fahrersitz bestimmt einen halben Meter überragte. Die in die Jahre gekommene AWO bewies Seele, schnurrte wie ein zufriedener Kater selbst einen fast zwei Kilometer langen, steilen Anstieg mit Tempo 80 hoch und brachte mich sicher in den OP.

Nicht zu vergessen auch die Vorgänger der „Spatz“, „Star“, „Sperber“ oder „Schwalbe“ Modelle aus dem Hause Simson in Suhl, die „SR 1“, „SR 2“ oder „KR 50“. Meine Mutter fuhr in meiner Kindheit mit dem „SR 2“ noch die Post aus und sehr zu ihrem Ärger mein Bruder mit dem Vorderrad des Moped die Gartentür auf.

Mittlerweile stellen die Exemplare, die nicht verschrottet wurden, sondern in den Händen handwerklich engagierter Nostalgiker überlebten, neben den Trabis einen Blickfang für Besucher dar, die – je nachdem woher sie stammen und wann sie geboren sind – mit einem „aha“ auf den Lippen staunen oder sich träumend auf ihre Jugend besinnen.

Jo.

Foto: JJ

zurück
Impressum