| „Ich habe mir alles selbst erarbeitet“ Interview mit Collien Fernandes |
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JJ: Collien, schön dass Sie sich Zeit nehmen, den Leserinnen und Lesern vom Burgsee-Kurier einige Fragen zu beantworten. Sie waren und sind als Moderatorin, Schauspielerin, Tänzerin, Model und auch Musikerin sehr vielfältig unterwegs. Liegt das eher daran, dass Sie sich nicht festlegen möchten oder macht es einfach Spass?
Collien Fernandes: Früher war Tänzerin mein absoluter Traumberuf. Ich wollte nichts anderes machen. Während meine Klassenkameraden für Boygroups schwärmten, habe ich mir Ballette und Tanzstücke angeschaut. Zur Musik bin ich durch Zufall gekommen, ich war Kindermodel und bin durch ein Casting in einer Teenieband gelandet. Das war wirklich absoluter Zufall, als ich zu dem Casting ging, wusste ich nicht mal wofür es war. Ich dachte es geht um einen Fotojob. Durch meine Kindermodelagentur hatte ich auch immer wieder Moderationscastings. Mit 18 habe ich hier und da mal im Fernsehen Co-moderiert. Mit 19 bekam ich dann mit „Bravo TV“ meine erste eigene Show. Das war sensationell. Ich konnte es damals kaum fassen. Irgendwann hat mich Viva abgeworben, und ab da ging es auch mit der Schauspielerei los. Mittlerweile habe ich fünf Kinofilme und cirka elf Serien gedreht und hoffe, dass es noch viele mehr werden. JJ: Erzählen Sie bitte ein wenig über die Zeit mit der Band „Yam Yam“. Collien Fernandes: Das war toll. Ich war 14 als ich in die Band kam. Für mich war das alles wahnsinnig aufregend. Ich war aber trotzdem schon immer Realist. Im Gegensatz zu anderen Bandmitgliedern war mir absolut klar, dass wir damit nicht sensationell erfolgreich werden, aber es war eine schöne Zeit. Wir hatten Auftritte mit Acts, die wir vorher nur aus dem Fernsehen kannten, wie beispielsweise N`Sync. Es gibt sogar eine Aufnahme davon, wie ein damals noch blond gelockter Justin Timberlake in unsere Videokamera rülpst. Damals war ich auch zum ersten Mal bei Viva. Wir sind in der von Stefan Raab moderierten Sendung „Vivasion“ aufgetreten und haben bei unserer Tanzprobe aus Versehen die Deko kaputt gehauen. JJ: Sie sind mit 15 schon zuhause ausgezogen, bedeutet das, dass Sie sehr selbstständig, sehr individuell sind - und gewillt, den eigenen Weg zu beschreiten? Collien Fernandes: Ich war schon immer ein sehr selbstständiger Mensch. Ich habe mir alles selbst erarbeitet und das war mir immer sehr wichtig. Ich bin weder durch berühmte Eltern noch durch einen berühmten Mann in die Medien gekommen. Ich finde es moralisch total verwerflich, seine Liebe zu nutzen, um sich in die Medien zu drängen. Ich bin jemand der selbst für sich sorgen will und sich das was er hat, selbst erarbeitet haben möchte, das ist bei mir ganz stark ausgeprägt. Bei mir war schon sehr früh der Wille da, für mich selbst zu sorgen und selber für mein Leben verantwortlich zu sein. Ich hatte damals, als ich auszog, meine Band „Yam Yam“, bin zur Schule gegangen, hatte Fotoshootings und Filmcastings, nahm Tanz- und Gesangsunterricht. Ich war einfach schon immer ein Workaholic. Meine Eltern ließen mich nur gehen, weil sie gemerkt haben, dass ich mein Leben auch ganz gut alleine auf die Reihe bekomme. ![]() JJ: Die Sat.1 Serie „Dr. Molly und Karl“, in der Sie eine Hauptrolle spielen, ist für den Adolf Grimme Preis nominiert. Was haben Sie gefühlt als Sie die Information erhielten? Collien Fernandes: Wir haben uns alle wahnsinnig gefreut. Paula Birnbaum, die in der Serie meine beste Freundin spielt, hat mir erst mal vor Freude auf den Anrufbeantworter gesungen. Außerdem kamen diverse Gratulationsemails von der Sat.1-Geschäftsführung und den Produzenten der Serie. Jetzt müssen wir nur noch gewinnen. JJ: War der Dreh zu „Morgen ihr Luschen“ genauso lustig wie wahrscheinlich der Film an sich sein wird? Collien Fernandes: Nein, leider waren die Dreharbeiten alles andere als lustig. Wir haben im Hochsommer gedreht. Es gab Tage, an denen waren knapp über 30 Grad. Das ganze Team hatte ganz schön unter den Temperaturen zu leiden. Die Menschen hinter den Kulissen konnten sich ja wenigstens entkleiden, aber wir Schauspieler konnten ja schlecht ohne Kostüme weiter drehen. Am Morgen und am Abend haben wir immer wahnsinnig gefroren und mittags ist uns nur so der Schweiß über das Gesicht gerannt. Außerdem gingen die Dreharbeiten immer so wahnsinnig früh los und ich hasse frühes Aufstehen. Um 6.00 Uhr stand immer schon meine Fahrerin vor der Tür. Wir haben jeden Tag 13 Stunden gedreht und dann war abends immer noch Text lernen angesagt. Aber das Ergebnis ist gut geworden. Der letzte Rohschnitt, den ich gesehen habe, der gefiel mir sehr gut. JJ: In Ihnen fließt das Blut der großen, weiten Welt, Collien. Sind Sie oft in den Ländern Ihrer Vorfahren, haben Sie irgendwelche nationalen Gefühle, patriotischen Stolz? Oder fühlen Sie sich schlicht und einfach als Mensch? Collien Fernandes: Als ich vor 2 Jahren in Indien war, stellte ich fest, dass ich von der Mentalität her überhaupt gar nicht indisch bin. Ich bin von meiner Art her sehr deutsch. Das Organisierte, Geplante, Disziplinierte und Ordentliche gefällt mir besser als die indische Mentalität. In Indien dauert das Meiste doppelt so lang wie bei uns. Der Inder an sich arbeitet nämlich ungefähr halb so schnell wie der Deutsche. Auf die Dauer würde mich das wahnsinnig machen. JJ: Inwieweit sind Sie ein gesellschaftlich interessierter oder gar politischer Mensch? Was gefällt Ihnen gar nicht in der Welt, was müssten wir in Deutschland besser gestern als heute ändern? Collien Fernandes: Ich denke, dass die heutige Gesellschaft viel zu egoistisch ist. Die Menschlichkeit bleibt komplett auf der Strecke. Jeder denkt nur noch an sich. Ich habe in meinem Leben schon so viele berechnende, kalte, egoistische und falsche Menschen kennen gelernt, gerade im Beruflichen, Leute mit denen man zusammen arbeitet, die einen um Geld betrügen, einem falsche Zusagen machen, so dass man unter komplett falschen Voraussetzungen Kooperationen eingeht, Menschen die Verträge und Unterschriften fälschen, sich nicht mehr an Vereinbarungen erinnern können ... Ich habe mittlerweile ein echtes Vertrauensproblem. Ich denke, man könnte und sollte einiges ändern in dieser Welt. Die meisten Menschen denken überhaupt nicht an morgen oder an das, was um sie herum passiert. Das geht ja schon mit der Umwelt los. Wir sollten viel verantwortungsbewusster mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Mir gefällt der Spruch: „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geliehen.“ Wenn jeder bei sich anfängt, kann man gemeinsam ein großes Ganzes erreichen. Auch mittels kleiner Schritte wie Thermostaten an Heizungen und Energiesparlampen lässt sich zuhause viel Energie sparen. Ich wurde von meinen Eltern sehr umweltbewusst erzogen. Bei mir zuhause wird nirgends unnötig Energie verschwendet. Außerdem kaufe ich in letzter Zeit hauptsächlich Bio-Baumwoll-Shirts, die sind zwar meistens teurer, aber man kauft mit einem guten Gefühl. An vielen Dingen in dieser Welt kann man nichts ändern, aber die Dinge, die man selber in der Hand hat, die muss man ändern. JJ: Wie sehen Ihre beruflichen Träume aus? Collien Fernandes: Eigentlich möchte ich, dass alles so weiter geht wie bisher. Ich möchte weiter als Schauspielerin und als Moderatorin arbeiten. Ich hätte aber auch total Lust, mal in einer Jury zu sitzen. JJ: Vielen Dank, Collien, für die interessanten Antworten und offenen Worte. |
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