| Wie Raub- und Fluchttier zusammenfinden |
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Das indianische Sprichwort
Ein Junge sitzt neben einer Reithalle. Sein Blick ist eher starr und geht ins Leere. Mit dem Oberkörper wippt er immer und immer wieder auf und ab. Für den oberflächlichen Beobachter scheint kein Sinn hinter dem zu stecken, was er tut. Der Junge ist Autist. Bis vor kurzem konnte er, wenngleich über zehn Jahre alt, nicht mal laufen. Jetzt kann er. Die Pferde haben’s ihm gelernt. Oder auch geflüstert. „Der gute Pferdemensch hört sein Pferd reden. Der bessere hört es flüstern“, zitiert Heiko Steinmann von der ARHÖNA ein indianisches Sprichwort und stellt damit klar, dass nicht der sogenannte Pferdeflüsterer mit dem Tier flüstert, sondern umgekehrt. So versucht auch Josy, als sie einige Kunststückchen mit dem Shire-Horse-Hengst Merlin vorführen will, ihn nicht zu drängen. Vielmehr gibt sie leise Zeichen und beobachtet die leisen Antworten. Ein wenig dauert es, aber dann legt sich der sanfte Riese, wie diese größte Pferderasse genannt wird, in den Sand und rollt sich über den Rücken ab. Irgendwann lässt Merlin die Reiterin auf seinen Rücken und steht auf. Die Pferde verstehen
Natural Horsemanship wird die Art und Weise genannt, wie Heiko Steinmann, Uwe Weinzierl und die anderen Reitlehrer und Pferdetrainer der ARHÖNA mit den Tieren umgehen und diese Philosophie geben sie auch an die Schüler und Gäste weiter. „Dabei berücksichtigen wir die Tatsache, dass der Mensch, der ein Raubtier und Fleischfresser ist, dem Pferd, das ein Fluchttier und Grasfresser ist, als ein gefährlicher Feind erscheint. Diesem vom Instinkt geleiteten Gefühl begegnen wir mit Vertrauensübungen, die dem Pferd signalisieren, dass wir seine Freundschaft, seine Partnerschaft anstreben. Dazu benutzen wir die von den Pferden praktizierte Körpersprache, die aus Streicheln, Schubsen und Vertreiben besteht. So wird in der Herde die Rangfrage geklärt, und wenn wir als ranghohe Tiere bei diesem Spiel mitspielen und die Spiele gewinnen, geht danach alles fast von selbst“, erklärt der erfahrene Pferdeversteher. Dabei erklärt sich von selbst, dass Merlin und die anderen Hengste und Stuten „gebisslos“ geführt werden, also ohne Eisenstangen und dergleichen im Maul. „Dadurch können locker Kräfte von 200 Kilogramm auftreten, eine Tortour fürs Tier“, warnt Heiko Steinmann. Auch das Gerät in den Händen der Trainer und Schüler auf dem Gelände sieht nur auf den ersten Blick aus wie eine Peitsche. „Es ist ein Stick“, lautet die Erklärung, „selbst wenn der Mensch die Arme ausbreitet, ist er zu kurz für ein Pferd. Deshalb die Verlängerung. Das Seil simuliert den Pferdeschweif.“ Den Jugendlichen helfenNicht nur Menschen, die Reiten lernen möchten, Urlaub machen oder selbst Trainer werden wollen, tummeln sich in der ARHÖNA. Beispielsweise Jugendliche, wie der eingangs erwähnte autistische Junge, finden im Umgang mit Pferden und mit der Natur, gefördert von Sozialpädagogen, Hilfe, Erfolg und Spass. „Wir haben hier sechs Plätze für seelisch erkrankte junge Erwachsene“, berichtet Heiko Steinmann und ist ein wenig stolz, dass demnächst wahrscheinlich ein Hilfskoch und ein Tierpfleger die Lehre abschließen werden. Dazu besteht eine Kooperation mit dem „Internationalen Bund“. Jo. Weitere Informationen: http://www.arhoena.de/ |
| Fotos: JJ |
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