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Die Liebe zur Variabilität des Sports
Interview mit Dr. Christine Theiss, Kickboxweltmeisterin
Bild wird geladen... JJ: Christine, zunächst mal Glückwunsch zur Titelverteidigung der Weltmeisterschaft im Kickboxen vom Team vom Burgsee-Kurier.

Dr. Christine Theiss: Vielen herzlichen Dank.

JJ: Erzählen Sie uns bitte ein wenig vom Kampf gegen die englische Meisterin Stacey Parker.

Dr. Christine Theiss: Meine Gegnerin war 10 cm kleiner als ich, sie versuchte immer wieder Druck auf mich aufzubauen. Mein Hauptproblem war, dass sie immer wieder meinen Arm (regelwidrig) festgehalten hat, um meine Aktionen zu unterbinden. Dennoch konnte ich unsere Taktik im Großen und Ganzen umsetzen und von daher war ich sehr zufrieden mit dem Kampf. Nach zehn Runden stimmten alle 3 Kampfrichter für mich (99:92, 99:91, 100:90).

JJ: Worin besteht für Sie die Faszination des Kickboxens, wie kamen Sie selbst dazu?

Dr. Christine Theiss: Ich liebe diese Variabilität des Sports, nicht nur der Wettkampf an sich, sondern auch das Training ist extrem abwechslungsreich. Zudem ist jedes Sparring eine kleine Herausforderung, bei der man immer wieder seinen kleinen inneren Schweinehund überwinden muss. Auch habe ich mit Mladen und Pavlica Steko, sowie meinen Trainingskollegen ein tolles Team um mich, mit dem die Zusammenarbeit einfach Spaß macht. 

Ich bin im Alter von 7 Jahren zum Kickboxen gekommen, allerdings ohne jegliche Hintergedanken. Ursprünglich habe ich nur eine Klassenkameradin zu ihrem Training begleitet, da sie sich alleine nicht getraut hat.

JJ: Sie sind promovierte Ärztin, war oder ist das Ihr Traumberuf?

Im Moment verleiden einem die äußeren Bedingungen diesen Traumberuf. Ich bin mir im Moment wirklich nicht sicher, ob ich nach dem Ende meiner sportlichen Karriere wieder an die Klinik zurückkehren werde. Das wird schwierig, wenn man zwischendurch die Luft der "Freiheit" geschnuppert hat.

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JJ: Möchten Sie nach der sportlichen Karriere in die Medizin zurück oder können Sie sich eine Trainerlaufbahn vorstellen?

Dr. Christine Theiss: Siehe oben. Ganz ehrlich, ich kann im Moment gar nicht sagen, was ich nach meiner Karriere mache. Aber das irritiert mich gar nicht, da ich mich in der Regel immer nur auf den nächsten Schritt konzentriere. Sowohl ein Job im medizinischen - in welcher Form auch immer - als auch im sportlichen Bereich ist für mich denkbar.

JJ: Was ist „Retten macht Schule“ und wie kam es dazu, dass Sie sich engagieren für diese Initiative?

Dr. Christine Theiss: "Retten macht Schule" ist das neueste Projekt der Björn-Steiger-Stiftung. Bis zum Jahr 2010 sollen 15 Millionen Euro gesammelt werden, mit deren Hilfe eine Million Schüler mit Erste-Hilfe-Puppen ausgerüstet werden sollen. Es soll ab diesem Zeitpunkt jedes Jahr an einem Tag mit allen Schülern der 7.Klasse in ganz Deutschland die Herzdruckmassage eingeübt werden. Das Projekt ist in meinen Augen ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es könnten so vielen Menschen vor dem plötzlichen Herztod bewahrt werden, wenn bei ihnen sofort die Laienreanimation durchgeführt werden würde. Sie ist überhaupt nicht schwer, aber die wenigsten Menschen trauen sich, irgendetwas zu unternehmen. Hier muss sich das Bewusstsein in der Bevölkerung radikal ändern. Kinder gehen Dingen viel unverkrampfter an, außerdem lernen sie in diesem Alter noch viel nachhaltiger und wenn sie den 1. Hilfe-Kurs für den Führerschein machen, so ist dieser schon Wiederholung.

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JJ: Erzählen Sie uns bitte über Ihre Haustiere, Christine. Warum mögen Sie Tiere? Wie denken Sie über Massentierhaltung?

Dr. Christine Theiss: Mein ganzer Stolz ist meine Boxerhündin Tiffany, sie ist meine ständige Begleiterin. Da sie zu intelligent und auch zu agil ist, um nur auf der Couch rumzuliegen, bin ich seit November Mitglied in der Rettungshundestaffel des ASB. Dort wird sie zum "Mantrailer" ausgebildet, um später vermisste Personen aufspüren zu können. Ein extrem zeitaufwendiges, aber unglaublich befriedigendes Hobby.

Zudem wohnen bei uns noch zwei Zwergkaninchen Vroni und Fridolin (6 und 5 Jahre alt). Da die beiden stubenrein und alle Kabel versteckt sind, dürfen sie sich jederzeit frei in der Wohnung bewegen. Zu guter Letzt haben wir noch ein Aquarium mit Regenbogenfischen, sehr meditativ.

Ein Leben ohne Tiere ist für mich nicht vorstellbar und ohne Hund bin ich nur ein halber Mensch. Mein ganzes Leben lang haben Tiere eine zentrale Rolle für mich gespielt, ich habe im Tierheim ehrenamtlich gearbeitet und viel Zeit in der Natur verbracht. Tiere sind unverfälscht und was einem ein Hund zurückgibt, ist einfach unvergleichlich.

Massentierhaltung ist eine Schande für unsere Gesellschaft, aus diesem Grund habe ich auch über 10 Jahre lang keinerlei Fleisch zu mir genommen. Als ich allerdings angefangen habe, Kickboxen als Hochleistungssport zu betreiben, hat mein Körper richtig rebelliert und "Fleischhunger" bekommen. Seitdem esse ich wieder Fleisch, aber auch jetzt kaufe ich grundsätzlich kein Fleisch im Supermarkt, bevorzuge Bioprodukte und keine Eier aus Käfighaltung. Wir zahlen mehr Geld für Fleisch von guter Qualität und essen es dafür seltener.

JJ: Wie geht es sportlich weiter, wann sehen wir Sie wieder im Ring?

Dr. Christine Theiss: Mein nächster Kampf findet am 15. Mai in Pforzheim statt, auch hier werde ich meinen WM-Titel verteidigen. Für all diejenigen, die nicht vor Ort dabei sein können. Dieser Kampf wird live auf DSF übertragen.

JJ: Vielen Dank für Ihre Antworten.

Weitere Informationen: http://www.christinetheiss.de/
Foto: Voltaren

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