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Freude und Spannung auf die Kollegen
Interview mit dem Schauspieler Andreas Wobig
Bild wird geladen... JJ: Herr Wobig, was fasziniert Sie am Beruf des Schauspielers?

Andreas Wobig: In den dreißig Berufsjahren die jetzt hinter mir liegen, haben sich die Idealvorstellungen, Ansichten und Ziele immer wieder gewandelt, Werte haben sich verändert, Prioritäten verschoben. Was geblieben ist, sind die Menschen, einerseits diejenigen mit denen ich Theater machen kann, andererseits diejenigen, die sich interessieren für das, was wir auf dem Theater tun und sich davon berühren lassen. Dass es zwischen diesen unterschiedlichen Individuen zu einem Augenblick des gemeinsamen Erlebens und Einverständnisses kommen kann, ist großartig. Der Weg dorthin und die damit verbundene Suche nach der Wahrhaftigkeit in einem Stück, in einer Figur, in einem Satz, auch wenn es nicht immer funktioniert, ist faszinierend!

 JJ: Sie haben in Feuchtwangen schon auf der Bühne gestanden. Was macht den Reiz der Stadt und der Kreuzgangspiele aus? Wie haben Sie das fränkische Publikum in Erinnerung?

Andreas Wobig: Ich mag die Stadt, die Landschaft, die Herzlichkeit der Leute - und ich mag die fränkische Küche und den guten Wein. In den vergangenen Sommern habe ich die Leidenschaft entwickelt, stundenlange Radtouren durch die schöne Gegend zu unternehmen, was wegen der erhöhten Kalorienaufnahme durch Bratwurst und Schweinsbraten etc. auch eine gewisse Notwendigkeit hat. Ich liebe die Jugendherbergs-Stimmung und das Gewusel im Komödiantenlager hinter den Kulissen der Kreuzgangspiele. Der Kreuzgang ist als Spielort sehr reizvoll und hat eine ganz eigene Atmosphäre, in die der Glöckner von Notre Dame wunderbar passen wird.

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 JJ: Mit dem Regisseur Johannes Kaetzler haben Sie in der Vergangenheit zusammen gearbeitet. Skizzieren Sie uns bitte kurz seinen Stil.

Andreas Wobig: Ja, wir haben uns vor zehn Jahren kennengelernt und seitdem viermal miteinander gearbeitet. Johannes ist ein sehr genau arbeitender und beobachtender Regisseur, der sich ungewöhnlich gut auf die Probenarbeit vorbereitet. Was ich sehr an ihm mag, ist der Raum, den er der Persönlichkeit des Schauspielers einzuräumen versteht, ohne sein klar konzipiertes Ziel aus den Augen zu verlieren. Ich denke, Johannes versteht es gut, in seinen Inszenierungen spannende und unterhaltsame Geschichten zu erzählen und dabei auf eitle Verkünstelungen zu verzichten.

 JJ: Wie gut kennen Sie beispielsweise die Esmeralda-Darstellerin Jasmin Wagner und den Glöckner-Darsteller Thomas Huber?

Andreas Wobig: Ich kenne beide bisher noch nicht persönlich, freue mich aber voller Spannung, sie und alle anderen Kollegen in der Probenarbeit (und beim Bier danach) kennenzulernen.

 JJ: Sie haben bereits den Wilhelm Tell, den Hauptmann von Köpenick, den Mephisto oder Danton gespielt. Also beinah alles, was man spielen kann. Platz nach oben ist bei solchen Rollen kaum noch. Woher nehmen Sie dennoch die Spannung, neue Aufgaben engagiert anzugehen?

Andreas Wobig: Die Herausforderung liegt ja immer vor einem und gerade in unserem Beruf dient das Vergangene letztendlich nur dem Sammeln von Erfahrungen, die wiederum in das Kommende einfließen können. Sehen Sie, es bringt ja nichts, sich auf den Lorbeeren der mehr oder weniger gut gespielten Rollen der Vergangenheit auszuruhen. Sie existieren ja mit der letzten Vorstellung nur noch in der Erinnerung. Beweisen müssen wir uns aber in der Gegenwart, und das jeden Abend aufs Neue. Insofern ist die neue Rolle auch immer die spannendste .......... und es gibt ja auch noch so viele!

 JJ: Suchen Sie zuweilen in historischen Rollen Parallelen oder Bezug zur Gegenwart. Beeinflusst Sie beispielsweise die derzeitig eher düster scheinende Zeit oder möchten Sie die Menschen im Publikum einfach nur ablenken vom Alltag und unterhalten?

Andreas Wobig: Natürlich suche ich in jeder Rolle Entsprechungen in mir und meinem Dasein als Mensch der heutigen Zeit, denn ich kann die Figur, wenn sie Mensch sein soll, nur mit meinen eigenen Gefühlen, Vorstellungen und Erfahrungen ausfüllen. So wie die Ereignisse der Zeit Einfluss auf meine Persönlichkeit nehmen, können sie dann, bewusst oder unbewusst, durchaus auch in die Rolle einwirken. Sollte es mir gelingen, den Zuschauer zu unterhalten oder vom Alltag abzulenken, wäre ich sehr froh, - doch letztlich entscheidet der Zuschauer ganz für sich allein, ob er das möchte! Ich mache nichts weiter, als allabendlich ein Angebot - hoffentlich ein gutes!

JJ: Vielen Dank, Herr Wobig, vom Team von www.burgseekurier.de

Fotos: A.W.

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